27.09.2017
Klassiker der Luftfahrt

Staustrahl-Versuchsflugzeuge aus Frankreich (Teil 4) Endstation im Museum

Die Maschine sollte aber nicht ein reines Forschungsflugzeug bleiben. Als Nächstes entwarf Leduc die 022 als Mach 2 schnellen Abfangjäger. Sie besaß einen längeren Rumpf, eine um 30 Prozent gepfeilte Tragfläche und einen Snecma-Atar-Turbojet im Lufteinlauf. Damit konnte das erste von zwei Exemplaren am 26. Dezember 1956 aus eigener Kraft starten. Am 21. Dezember 1957 erreichte es Mach 1.15. Dies sollte aber schon der letzte Flug sein, da die französische Regierung aus Spargründen das Programm einstellte. Die zweite 022 ist niemals geflogen. Insgesamt absolvierten alle Leduc-Konstruktionen mehr als 1100 Flüge und wiesen damit das Konzept des Ramjets erfolgreich nach.

Neben René Leduc betätigte sich aber auch Nord Aviation, die sich mit der Firma Arsenal zusammengeschlossen hatten, auf diesem Gebiet. Während Nord mit der überschallschnellen Gerfaut bereits Erfahrungen mit Deltaflügeln machte, experimentierte Arsenal mit den in Frankreich „Stato-Réacteur“ genannten Aggregaten. Versuche mit Exemplaren mit 0,6 Metern Durchmesser in verschiedenen Konfigurationen an einer Junkers Ju 88 und Gloster Meteor zeigten jedoch, dass ein Einsatz bei Unterschallgeschwindigkeit schwierig war.

Eine ungewöhnliche Kombination aus Turbojet für Start und Landung und einem Staustrahlantrieb für den Reiseflug sollte dieses Dilemma beseitigen. Nach Tests mit einigen Versuchsträgern oblag der Griffon II die wahre Bewährungsprobe. Michel Chalard startete am 23. Januar 1957 in Istres zum Jungfernflug, allerdings noch ohne den Ramjet einzusetzen. Dieser wurde erst am 26. April 1957 zugeschaltet. Das Antriebssystem lief so weit ohne Probleme. Am 16. Februar 1957 stellte die Maschine gleich mehrere Steigleistungsrekorde auf und erreichte einige Monate später eine Geschwindigkeit von Mach 2.05. Als problematisch erwies sich jedoch, dass der Schub des Staustrahltriebwerks nicht exakt geregelt werden konnte. Eine Weiterentwicklung wurde daher nicht mehr realisiert, denn die gewöhnlichen Jets hatten mittlerweile den Wettbewerb für sich entschieden. Die Griffon II kam 1962 nach Le Bourget ins Luftfahrtmuseum und steht heute neben der Leduc 010 und 022.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2009


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Patrick Hoeveler


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