08.09.2016
Klassiker der Luftfahrt

Spezialist für leistungsfähige FlugbooteLatécoère

Pierre-Georges Latécoère war ein Mann der Tat. Er baute Anfang der Zwanzigerjahre ein Luftpostnetz auf, das von Frankreich nach Südamerika reichte und konstruierte die dafür notwendigen Fluggeräte mit großer Reichweite selbst.

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Antoine de Saint-Exupéry und Jean Mermoz gehören zu den bekanntesten Piloten der französischen Luftfahrtgeschichte. Sie verbindet nicht nur eine gemeinsame Geschichte als Postflieger auf der Strecke von Toulouse über Dakar nach Südamerika, sondern auch die Tatsache, dass beide mit Flugzeugen des französischen Herstellers Latécoère flogen. Dem 1883 geborenen Pierre-Georges Latécoère wird das Unternehmertum mit in die Wiege gelegt. Sein Vater besitzt eine Fabrik, die Eisenbahnwaggons baut. Seine Karriere im elterlichen Betrieb ist vorgezeichnet, doch während des Ersten Weltkriegs wird er zur Armee eingezogen. Er dient bei der Artillerie, wo er viele technische und logistische Unzulänglichkeiten zu entdecken glaubt. Nach seiner Entlassung aus dem Armeedienst beschließt er, neue Wege zu gehen und gründet zwei Werke: Eines, das neue Artilleriegranaten entwickelt und produziert und ein zweites, das ab 31. Mai 1922 Flugzeuge herstellt. Als Standort für beide Fabriken wählt Latécoère das südwestfranzösische Städtchen Toulouse. Die Luftfahrt wird schnell seine Passion. Da er sieht, dass man mit dem Transport von Luftpost viel Geld verdienen kann, engagiert er sich auch im Flugbetrieb und baut gegen viele Widerstände eine Luftpostlinie von Toulouse nach Casablanca auf. Als diese gut läuft und Geld einbringt, wagt er den Sprung über den Südatlantik und verlängert die Luftpostlinie bis Südamerika.

Obwohl er eine kaufmännische Ausbildung hat, beginnt Latécoère, Flugzeuge selbst zu konstruieren, die von der Aéropostale für die Beförderung von Luftpost eingesetzt werden. Um große Überwasserstrecken zu überbrücken, entwirft Latécoère Schwimmerflugzeuge und Flugboote. Die ersten Flugzeuge sind ein- und zweimotorige Doppeldecker, die er mit Motoren ausrüstet, die er in großen Stückzahlen von der französischen Armee gekauft hat. Auf dem 8. Aérosalon in Paris 1923 zeigt die Firma die Latécoère 6 BPR3, einen Doppeldecker mit gepfeilten Flügeln, der aus Aluminium hergestellt ist. Vier 260-PS-Salmson-Motoren treiben das Flugzeug an. Doch die Motorisierung ist zu schwach. Deshalb tauscht Latécoère sie gegen vier 420 PS starke Jupiter-Motoren aus. Damit kommt die Laté 6 auf beachtliche Flugleistungen. So kann sie eine Bombenlast von einer Tonne 500 Kilometer weit transportieren und erreicht mit dieser Last eine Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Zu einer Serienfertigung kommt es dennoch nicht. Den französischen Streitkräften ist das Flugzeug zu teuer.

Die Latécoère 14 ist das erste Muster des Herstellers, das kein Doppeldecker ist, sondern ein abgestrebter Hochdecker. Doch auch dieses Flugzeug bleibt ein Einzelstück, da es zu schwer geraten ist und zu langsam fliegt. Latécoère modifiziert die Einmot zur Latécoère 17. Um die Leermasse des Flugzeugs zu reduzieren, verwendet er für die Rumpfstruktur bespanntes Holz anstelle von Metall.

Der Umbau des Flugzeugs gelingt, und die Latécoère 17 ist das erste kommerziell erfolgreiche Flugzeug der Firma. Insgesamt werden 23 Exemplare mit verschiedenen Motorisierungen hergestellt. Ab 1924 kommen sie dank ihrer Reichweite von 600 Kilometern unter anderem auf Latécoères eigenen Luftpostlinien in Westafrika zum Einsatz.

Mit der Latécoère 21 entsteht 1925 das erste Wasserflugzeug der Firma. Latécoère benötigt ein Flugzeug, das die Luftpost von einem französischen Hafen über das Mittelmeer nach Nordafrika befördern kann. Die Reichweite der Laté 21 ist mit 800 km beachtlich, allerdings werden nur sieben Flugzeuge gebaut.

Dann folgt eine sehr fruchtbare Schaffensperiode von Pierre-Georges Latécoère, in der er im Halbjahrestakt Flugzeuge entwirft und baut. Die Flugleistungen werden immer besser, die Reichweite immer größer.

Inspiriert von der Dornier Do X entwirft Latécoère ab 1929 die Laté 521, ein Passagier- und Frachtflugboot für Transatlantikdienste. Sechs wassergekühlte Hispano-Suiza-Zwölfzylindermotoren mit je 425 PS beschleunigen das Flugboot auf eine Reisegeschwindigkeit von 210 km/h. Die Spannweite beträgt 49,31 m, die Leermasse nicht weniger als 17 750 kg. Die maximale Startmasse von 37 400 kg erlaubt dem Flugzeug die Mitnahme von 30 Passagieren auf Langstrecken und bis zu 70 Passagieren auf den kürzeren Mittelmeerrouten. Der Erstflug erfolgt erst im Januar 1935. Dann kann sie allerdings mit einigen spektakulären Flügen von sich reden machen: So fliegt sie von Dakar in Westafrika im Dezember 1935 nach Pensacola in Florida, wo sie von einem Tornado zerstört wird.


WEITER ZU SEITE 2: Bau eines Transatlantik-Flugboots

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Volker K. Thomalla
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