29.10.2017
Erschienen in: 06/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Entwickelt für den OpfergangKamikaze-Flugzeuge: Das letzte Aufgebot der japanischen Industrie

An den Rand der totalen Niederlage gedrängt, sollten sie Japans letztes Aufgebot bei einer alliierten Invasion werden. Aller konventionellen Möglichkeiten beraubt, machte der geplante Opfergang auch nicht vor Schülern halt. Doch nur fünf Prozent dieser Spezialangriffsflugzeuge hätten ihre Ziele überhaupt erreichen können.

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Die Ki-115 „Tsurugi“ war mit einer 800-kg-Bombe im offenen Bombenschacht bewaffnet. Die Bombe war nicht abwerfbar! Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Bereits nach den ersten erfolgreichen Kamikazeeinsätzen begann man bei der japanischen Armee- und Marineluftwaffenführung damit, Flugzeugtypen in Auftrag zu geben, die eben alleine diesem Zweck dienten. Das bekannteste dieser Fluggeräte ist wohl die raketengetriebene Gleitbombe MXY „Ohka“ (deutsch „Kirschblüte“). Neben der „Ohka“ gab es aber noch viele andere Kamikazeprojekte, über die allerdings nur wenig bekannt ist, da die meisten gar nicht über das Planungsstadium hinauskamen. Anfangs waren die Pläne für solche Flugzeuge noch kaum von denen konventioneller Maschinen zu unterscheiden. Dies änderte sich jedoch mit der immer bedrohlicher werdenden Kriegslage. Hatte man bei den ersten reinen Kamikazeflugzeugen noch einen hohen Anteil an kriegswichtigen Materialien wie zum Beispiel Aluminium verplant, so sollten die letzten Entwürfe fast ausschließlich aus Holz und Stoff gefertigt werden. 

Diese Unterschiede kann man gut an den Beispielen der Nakajima Ki-115 „Tsurugi“ (deutsch „Säbel“), der Kokusai „Ta-Go“ und der Kokukyoku „Jinryu“ („Heiliger Drache“) erkennen. Die Ki-115 „Tsurugi“ war eines der ersten, rein  für den Kamikazeeinsatz geplanten Flugzeuge. Sie wurde am 20. Januar 1945 von der Japanischen Armee bei Nakajima in Auftrag gegeben. Die „Tsurugi“ durchlief einen für ihre Zeit normalen Entwicklungszyklus und sollte weitestgehend aus Holz und Stahl gefertigt werden. Der Antrieb bestand aus einem 843 kW (1130 PS) starken luftgekühlten Nakajima Ha-35-Vierzehnzylinder-Stern Sternmotor. Dieser brachte die Ki-115 auf eine maximale Geschwindigkeit von 550 km/h. Der Tiefdecker verfügte nur über ein offenes Cockpit, das lediglich mit den wichtigsten Instrumenten ausgestattet war.


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