06.08.2018
Klassiker der Luftfahrt

Junkers Ju 52Absturz der HB-HOT fordert 20 Tote

Am Nachmittag des 4. August 2018 ist eine Junkers Ju 52 der Ju-Air an der Westflanke des Piz Segnas verunglückt. Alle 20 Personen an Bord, 17 Passagiere und drei Crew-Mitglieder, kamen bei dem Unglück ums Leben. Der Flugbetrieb der Ju-Air ist vorerst eingestellt.

Ju 52 Ju Air HB-HOT

Eine Ju 52 der Ju Air ist in der Schweiz abgestürzt (Foto: Ju Air).  

 

Die Ju 52 war auf einem Passagierflug von Locarno zurück zur Heimatbasis in Dübendorf. Die HB-HOT startete laut Kantonspolizei um 16.10 Uhr auf dem Flugplatz Locarno-Magadino. Es handelte sich um den Rückflug einer zweitägigen Flugreise der JU-AIR mit Übernachtung im Tessin.

Im Anflug zum Piz Segnas stürzte das Flugzeug kurz vor 17 Uhr an der Westflanke auf einer Höhe von 2540 m ab. Dabei kamn alle Flugzeuginsassen ums Leben. Es handelt sich um acht Paare aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Luzern, Schwyz, Zug und Waadt, ein Paar mit dessen Sohn aus dem Bundesland Niederösterreich (A) sowie die drei Besatzungsmitglieder aus den Kantonen Thurgau und Zürich. 

Absturzstelle Ju 52 August 2018

Die Absturzstelle der Junkers Ju 52 der Ju-Air am Piz Segnas am 4. August 2018 (Foto: Kantonspolizei Graubünden).  

 

Unter der Einsatzleitung der Polizei standen die örtlichen Feuerwehren, drei Privathelikopter, zwei Rega-Helikopter, die SAC-Rettungsstation Flims, die Schweizer Luftwaffe und das Care Team Grischun im Einsatz.

Die Ursache des Absturzes wird durch die Bundesanwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST), der Staatsanwaltschaft Graubünden und der Kantonspolizei Graubünden untersucht. Da es keine Blackbox gibt, dürfte die Ursachenforschung schwierig werden.

Laut ersten Informationen der Kantonspolizei und der SUST ist die Ju 52 vermutlich nahezu senkrecht mit hoher Geschwindigkeit aufgeprallt. Es gab keinen Brand. Die Aussagen von Augenzeugen werden noch ausgewertet.

Die Ju 52 mit der Kennung „HB-HOT“ wurde 1939 (vor 79 Jahren) gebaut und ist bis zum Unfall total 10’187 Stunden geflogen. Die Ju 52 wird nicht zuletzt wegen ihres hohen Alters technisch streng kontrolliert. Sie muss alle 35 Flugstunden gewartet werden. Ihre letzte reguläre Wartung fand sie Ende Juli statt, so die Ju-Air. Die letzte Jahresüberholung fand im vergangenen Winter statt. Es sind keine technischen Probleme mit diesem Flugzeug bekannt.

Der Flug vom Samstag wurde durch zwei Flugkapitäne durchgeführt. Die beiden Piloten sind ehemalige Linienpiloten und Piloten der Schweizerischen Luftwaffe, erklärte die Ju-Air.

Der eine Kapitän war 62 Jahre alt und mehr als 30 Jahre lang Linienpilot. Er flog mehr als 30 Jahre bei Swissair und Swiss, zuletzt als Kapitän auf Airbus A330 und A340. Bei der Luftwaffe flog er insgesamt 28 Jahre als Militärpilot. Seit 2004 flog er regelmässig Ju-52 der Ju-Air. Er hatte auf dem Muster bereits 943 Flugstunden und war damit einer der erfahrensten Piloten der Ju-Air. Er hinterlässt seine langjährige Lebenspartnerin.

Der zweite Kapitän war 63 Jahre alt und seit 2013 bei Ju-Air; er hatte 297 Stunden Flugerfahrung auf der Ju 52. Er war 30 Jahre Militärpilot bei der Luftwaffe und mehr als 30 Jahre Linienpilot bei Swissair, Swiss und Edelweiss – zuletzt als Kapitän auf Airbus A330 und A340. Er hinterlässt seine Frau und zwei Söhne.

Der Flight Attendant war 66 alt und hatte mehr als 40 Jahre Erfahrung als Flight Attendant. Sie kam 2002 zur Ju-Air. Sie hinterlässt ihren Lebenspartner.

„Der 4. August 2018 ist der schwärzeste Tag in der Geschichte der Ju-Air», sagte Gründer und CEO Kurt Waldmeier, am Sonntag vor den Medien in Flims (GR). „Wir sind tief traurig über den Unfall und denken an die 17 Passagiere, unsere drei Crewmitglieder und an die Familien und Freunde der Verunglückten. Wir sprechen ihnen unser tief empfundenes, herzliches Beileid aus. Wir alle haben einen sehr grossen Verlust erlitten.“



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