09.12.2017
Klassiker der Luftfahrt

JagdflugzeugBrewster F2A Buffalo

Die mit vielen Mängeln behaftete Brewster F2A Buffalo blieb chancenlos, wenn sie auf starke Gegner wie die japanische Mitsubishi Zero traf. Alleine die Finnen konnten unter den besonderen Umständen ihres Kriegsschauplatzes überraschende Erfolge mit dem unzulänglichen Jagdflugzeug erzielen.

Bei den Piloten des US Marine Corps hieß sie „fliegender Sarg“. Die Finnen wiederum hielten schmückende Spitz­namen wie „Perle des Nordhimmels“ für angebracht. Bei den nordeuropäischen Soldaten waren allerdings auch weniger schmeichelhafte Spitznamen wie „fliegende Bierflasche“ im Gebrauch. Der Vergleich mit der Bierflasche ist angesichts der eher plumpen Gestalt der Brewster Buffalo nicht weit hergeholt. Die Wertungen, die in den Spitznamen zum Ausdruck kommen, könnten gegensätzlicher nicht sein. In die Einschätzung der Amerikaner sind vor allem die Erfahrungen mit dem einsitzigen Trägerflugzeug bei der Schlacht um Midway eingegangen. Dort bekam es die Jagdgruppe VMF 221 des US Marine Corps, sie bestand aus 20 Brewster F2A-3 und sechs Grumman F4F-3, am 4. Juni 1942 mit japanischen Zero-Jägern zu tun – mit desaströser Bilanz: Sämtliche Brewster wurden entweder abgeschossen oder mussten notlanden. Die Mängel des Einsitzers – er war im April 1939 eingeführt worden – waren hinlänglich bekannt: Die frühen Ausführungen besaßen keine Panzerung und keine selbstdichtenden Tanks. Steigleistung, Höchstgeschwindigkeit und Beweglichkeit waren unzureichend, die Motoren überhitzten schnell, und die MGs blockierten öfters. Auch die verbesserte F2A-3 mit nunmehr 1200 PS, wie sie bei der Verteidigung der Midway-Inseln eingesetzt wurde, war den japanischen Jägern hoffnungslos unterlegen.

Ganz anders die Erfahrungen der Finnen im Krieg mit der Sowjetunion. Ende 1939 hatte Finnland 44 Brewster bestellt und im Frühjahr des Folgejahres erhalten. Während des sogenannten Fortsetzungskrieges ab Sommer 1941 erzielten finnische Piloten – unter zugegebenermaßen günstigen Umständen – mit ihren modifizierten Brewster eine große Zahl von Luftsiegen über sowjetische Flugzeuge.

Die Konstruktion der Brewster F2A ging auf eine Ausschreibung der US Navy für ein trägergestütztes Jagdflugzeug aus dem Jahr 1935 zurück. Das neue Muster sollte den Doppeldecker Grumman F3F ersetzen. Der Prototyp, die Werksbezeichnung lautete B-139, flog erstmals im Dezember 1937. Er ging mit einer Reihe von seinerzeit modernen Merkmalen an den Start: Er war ein Ganzmetall-Mitteldecker mit geteilten Klappen, einem hydraulischen Hauptfahrwerk, teilweise einfahrbarem Spornrad und einer der Kontur angepassten Rahmenhaube. Der Treibstoffvorrat war zur Gänze im Rumpf untergebracht, er hatte ein Volumen von nur 160 Gallonen (606 l). Angetrieben von einem 950 PS starken Wright-Neunzylinder-Sternmotor des Typs R-1820-22, erreichte die Brewster die beeindruckende Anfangssteigleistung von 2750 Fuß pro Minute und eine Höchstgeschwindigkeit von 447 km/h. Später konnte diese durch aerodynamische Verbesserungen auf 489 km/h in 16 000 Fuß (4879 m) gesteigert werden. Die Leistungen in größeren Höhen jedoch, bedingt durch die simple Ladertechnik, fielen stark ab. Die Bewaffnung bestand zunächst nur aus einem 12,7-mm-MG mit 200 Schuss und einem 7,62-mm-MG mit 600 Schuss.


WEITER ZU SEITE 2: US Navy unzufrieden mit der Produktion bei Brewster

1 | 2 | 3 | 4 |     


Weitere interessante Inhalte
Der letzte Bo-hikaner Bölkow Bo 105

21.02.2018 - Bereits Beim Erstflug am 16. Februar 1967 war klar, dass Bölkow mit der Bo 105 etwas Besonderes gelungen war. Heute, über 50 Jahre später, ist der kunstflugtaugliche Helikopter zwar nicht mehr bei der … weiter

Dynamisches Duo Douglas XB-42 und XB-43

20.02.2018 - Obwohl sie für die damalige Zeit hervorragende Leistungen boten, hatten die beiden Douglas-Flugzeuge keine Chance auf einen Serienauftrag. Dennoch fiel der XB-43 die Ehre zu, der erste Jetbomber der … weiter

Propelloplane XC-142A – Transporter für die US-Streitkräfte

20.02.2018 - Als in den 1960er Jahren die Air Force, Navy und Army einen neuen Kampfzonentransporter mit VTOL-Eigenschaften suchten, beteiligten sich Chance Vought, Hiller und Ryan an der Ausschreibung. Unter dem … weiter

Neuer Geschwindigkeitsweltrekord ! Voodoo-Zauber

20.02.2018 - Bereits vor über einem Monat setzte Steven Hinton Jr. "Stevo" eine neue Bestmarke für propellergetriebene Kolbenmotorflugzeuge. Mit fast 900 km/h stellte er damit den bisherigen Rekord, der seit den … weiter

Standardtransporter in drei Luftwaffen Nord Noratlas

19.02.2018 - In Frankreich entwickelt und unter Lizenz in Deutschland gebaut, war die Nord Noratlas in den 50er und 60er Jahren das Arbeitspferd der Lufttransportgeschwader beider Länder. Die dabei entstandene … weiter


Klassiker der Luftfahrt 02/2018

Klassiker der Luftfahrt
02/2018
08.01.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Amerika-Bomber Me 264
- Selbstopferangriffe: Yokosuka MXY-7
- Lockheed Vega
- Grumman Albatross
- Starfighter fliegt in Norwegen
- Reno Air Race
- Gefechtsbericht Hawker Fury