08.11.2017
Erschienen in: 04/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

BlasrohrBoeing P-26 Peashooter

Die Boeing P-26 Peashooter („Blasrohr“) war der erste amerikanische Ganzmetall-Jäger. Der rustikale Eindecker war schneller als die Doppeldecker zu seiner Zeit.

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Trotz seines aus heutiger Sicht rustikalen Aussehens mit Sternmotor, festem Fahrwerk, offenem Cockpit und drahtverspannten Tragflächen war der in Schalenbauweise entstandene und durch seine durchgehende Metallbeplankung vergleichsweise widerstandsarme Eindecker knapp 50 km/h schneller als zeitgenössische Doppeldecker. Außerdem stieg die Peashooter schneller als die Doppeldecker. Boeing entwickelte die P-26  ab 1931 gemeinsam mit dem US Army Air Corps als Model 248 und nutzte dabei konstruktiv viele Details des kurz zuvor erschienenen Stromlinien-Eindeckers Model 221 Monomail. Im Dezember 1931 wurde der Beschaffungsauftrag für drei Prototypen unterzeichnet, die komplett von Boeing finanziert wurden. Les Tower startete mit der ersten Peashooter (XP-936)  am 20. März 1932 vom Flughafen Boeing Field in Seattle zum Jungfernflug (teilweise wird auch der 10. März genannt). Die ersten drei Flugzeuge wurden nie in den offiziellen Kampfbestand des US-Militärs übernommen. Stattdessen erging im November 1932 eine veränderte Spezifikation; daraus wurde eine verbesserte P-26A (Model 266) abgeleitet. Das Army Air Corps bestellte hiervon schon im Januar 1933 die ersten 111 Flugzeuge und erhöhte den Auftrag schließlich noch auf 136. Damit hatte Boeing den größten Einzelauftrag seit 1921 an Land gezogen. Der Stückpreis für die Zelle betrug  9999 Dollar. Hinzu kamen jeweils noch 4460 Dollar für den Motor, einen Pratt & Whitney 121 Wasp.

Die ersten Serienflugzeuge wurden ab Dezember 1933 ausgeliefert. Sie ersetzten beim Army Air Corps ab 1934 die veraltete Seversky P-35 und die Curtiss P-36A. Peashooter dienten als Frontbewaffnung in Hawaii und der PanamakanalZone. Sie flogen bei den Pursuit Groups 1, 16, 17, 18, 20, 32 und 37. Wegen der mit 132 km/h ungewöhnlich hohen Landegeschwindigkeit wurden manuell ausfahrbare Spaltlandeklappen nachgerüstet. Diese verminderten das nötige Tempo auf immer noch schnelle 117 km/h. Die ersten beiden Maschinen des letzten Produktionsloses von 25 Flugzeugen erhielten im Januar 1935 erstmals R-1340-33-Einspritzermotoren mit 600 hp (450 kW) Leistung und wurden als P-26B bezeichnet. Die restlichen 23 wurden wieder mit dem Vergasermotor  R-1340-27 (500 hp beziehungsweise 370 kW Startleistung) ausgeliefert und hießen P-26C. Nachträglich wurden diese Flugzeuge allerdings auch noch in P-26B umgebaut.

US-Kampfeinsätze erlebte die Peashooter über Peal Harbor 1941 gegen die angreifenden Japaner, wobei die Hälfte der eingesetzten zwölf Flugzeuge zerstört wurde. Einziger offizieller Exportkunde der Peashooter war China, das nach dem Besuch eines zivil re­gis-trierten Vorführflugzeugs schon im Januar 1934 elf „Model 281“, also die Exportversion der Peashooter, bei Boeing geordert hatte. Ein Vorführflugzeug schickte Boeing 1935 auch nach Spanien. Sein Besuch führte nicht zu einer weiteren Bestellung, aber die Republikaner kauften das Vorführmodell, das am 21. Oktober 1938 abgeschossen wurde. Kein Exportkunde, aber ein auswärtiger Betreiber der Peashooter, waren die Luftstreitkräfte der Philippinen. Sie erhielten 1941 ein Dutzend P-26A aus US-Beständen und setzten diese gegen die Japaner ein. Guatemala übernahm im November 1942 sieben amerikanische Peashooter, die irreführenderweise wie Trainer als PT-26A bezeichnet wurden. Zwei Pea-shooter aus diesem Bestand überlebten: Eine steht im Udvar-Hazy Center in Washington, die zweite gehört zur Sammlung Planes of Fame in Chino. Die im Museum der Air Force in Dayton ausgestellte P-26A ist dagegen ein Nachbau.


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Sebastian Steinke


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