18.12.2017
Erschienen in: 06/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

EindringlingDouglas A-26 Invader

Das amerikanische Army Air Corps suchte 1940 einen gemeinsamen Nachfolger für Douglas A-20, Martin B-26 und North American B-25. Für den Krieg in Europa sollte er gut gepanzert sein, die Crew sollte ihre Plätze miteinander tauschen können und das Flugzeug nur kurze Start- und Landestrecken benötigen – die A-26 wurde geboren.

Ein Douglas-Konstruktionsteam unter Ed Heinemann entwickelte mit Projektingenieur Robert Donovan, auf Basis der A-20-Exportversion DB-7, einen zweimotorigen Bomber und Nachtjäger. Der schon vor Baubeginn ausführlich im Windkanal optimierte Mitteldecker mit Laminarflügel und elektrisch betätigten Schlitzklappen wurde von zwei 2000-PS-Sternmotoren (Pratt & Whitney R-2800-27) angetrieben. Sein großer Bombenschacht im Rumpf konnte 1814 Kilogramm Waffenlast aufnehmen, darunter zwei Torpedos.

Zusatztanks konnten wahlweise am Flügel aufgehängt werden. Den Selbstschutz nach hinten übernahm ein von einem Bordschützen fernbedienter Waffenstand auf dem Rumpfrücken mit zwei MGs.

Am 2. Juni 1941 genehmigte das US-Kriegsministerium den Bau zweier Prototypen für 2,2 Millionen Dollar. Der erste, XA-26DE, war ein dreisitziges Angriffsflugzeug mit Glasnase, der zweite, XA-26A-DE, dagegen ein zweisitziger Nachtjäger mit Bugradar und MG-Bewaffnung im fest verkleideten Bug. Nachbestellt wurde schließlich noch ein dritter Prototyp, XA-26B-DE, mit einer einzelnen 75-mm-Kanone im verkleideten Bug. Die Serienbestellung verzögerte sich, weil Douglas stolze 142 250 Dollar pro Flugzeug forderte, sich wichtige Zulieferungen verspäteten und sich Army, Navy und Douglas über die Produktionsorte El Segundo, Santa Monica, Tulsa oder Long Beach stritten. Auch war die Aufteilung der zu bestellenden Versionen lange nicht klar. Zeitweise sollte sogar die gesamte, am 31. Oktober 1941 bestellte erste Serie von 500 Flugzeugen mit der 75-mm-Bugkanone geliefert werden. Erst Ende 1944 wurde dieses Chaos beseitigt: Das Werk Long Beach baute nun die Bodenangriffsversion A-26B mit sechs oder acht Bug-MGs, während Tulsa danach alleine die A-26C baute. Immerhin konnten in den letzten 20 Kriegsmonaten noch 2400 Invader produziert werden. Nur der Nachtjägerversion war keine große Karriere beschieden. Für ihre Aufgaben sollte sich die Black Widow durchsetzen.

Unterdessen war am 10. Juli 1942 Ben O. Howard in Mines Field (heute Los Angeles International Airport) mit der XA-26DE zum Erstflug gestartet. Zu den Kinderkrankheiten des leichten Bombers gehörten Kühlprobleme der Motoren, ein zu schwaches Bugfahrwerk, ein unübersichtlich instrumentiertes Cockpit und eine Haube, die sich zum Notabsprung nur schwer gegen den Fahrtwind öffnen ließ. Dennoch bewährte sich die wendige, schnelle und schwer bewaffnete Zweimot dank guter Flugeigenschaften. Eine leicht beladene Invader konnte angeblich sogar eine Bf 109 auskurven.

Einsatz auf beiden Seiten über Kuba

Die ersten A-26 gelangten ab September 1944 zur 553rd Bomb Group in England, von wo aus sie deutsche Truppen in Frankreich und Italien angriffen. Dabei gelangen der Invader vereinzelt Abschüsse von gegnerischen Jägern. Am 19. Februar 1945  verzeichnete Major Myron L. Durkee von der 386th Bomb Group sogar den Abschuss einer Me 262 über Beaumont in Frankreich. Auch die RAF erprobte zwei der Bomber, gab sie aber wieder zurück. Im Pazifikkrieg und gegen das japanische Festland hatte die Invader einen zäheren Einstieg: Air-Force-General George C. Kenney beantragte hier sogar noch, bei der für Tiefflugangriffe als robuster eingeschätzten Vorgängerin A-20 bleiben zu dürfen – ohne Erfolg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Karriere der Invader keinesfalls zu Ende. In Indochina setzte Frankreich das ab 1947 offiziell als B-26 bezeichnete Flugzeug ein. Amerikanische B-26 waren dafür im Koreakrieg im Einsatz, wo sie feindliche Lkw-Kolonnen bei der 3rd, 17th, 47th und 552nd Bomb Group attackierten. Die Amerikaner nutzten sie auch als RB-26C-Fotoaufklärer ohne Waffenturm auf dem Rücken. Im Luftkampf gelang der Abschuss mehrerer MiG-15.

Auch Frankreich blieb der Invader treu und verwendete sie von 1956 bis 1962 auch im Algerienkrieg. Saudi-Arabien baute mit neun gebrauchten amerikanischen Invader als Erstausstattung sogar ab 1955 seine eigene Luftwaffe auf. Zu den geheimsten Einsätzen der Invader gehörte ihre Beteiligung bei der gescheiterten US-Invasion auf Kuba, bei der Invader der von der CIA unterstützten Rebellen auf Invader der kubanischen Luftwaffe trafen. Noch einmal ging es für die Bomber an die Front, als die USA Südvietnam mit der bewährten Zweimot belieferten. Weil noch immer eine große Zahl gut erhaltener aber ungenutzter Nachtjäger-Versionen eingelagert zur Verfügung stand, wurden diese von verschiedenen Unternehmen ab Mai 1964 zur YB-26K strukturell modifiziert und mit neuer Avionik ausgestattet. Noch 1970 war die B-26K (einst A-26A), nun mit Doppelsteuer, bei der 609th Special Operations Squadron der USAF in Nakhon Phanom, Thailand, im Fronteinsatz. Sie wurde hier auch als A-26 bezeichnet.

Die letzten Douglas Invader verdingten sich als Startplattform für Drohnen, Trainer, VIP-Transporter und Löschflugzeug. Die letzten US-Militärexemplare wurden erst 1979 ausgemustert. Noch heute sollen mehrere Dutzend Flugzeuge in den USA und Kanada im zivilen Einsatz als Transporter stehen. Insgesamt wurden 2446 Invader gebaut.

Technische Daten

Douglas A-26 Invader
Jagdbomber und Erdkampfflugzeug


Triebwerke: zwei Pratt & Whitney R-2800-27 Double Wasp mit 2000 PS (1500 kW)
Besatzung: 3 (Pilot, Bombenschütze, Bordschütze
Länge: 15,24 m
Spannweite: 21,34 m
Höhe: 5,64 m
Flügelfläche: 50 m²
Leermasse: 10 365 kg
Einsatzmasse: 12 519 kg
max. Startmasse: 15 900 kg
Höchstgeschwindigkeit: 570 km/h
Bewaffnung: bis zu acht 12,7-mm-MGs im Bug, vier ferngesteuerte MGs in Türmen, bis zu 5,4t Bomben

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 06/2015

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Sebastian Steinke


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