20.11.2016
Erschienen in: 01/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

HeißspornBlackburn Firebrand

Als Jäger geplant, aber als Bomber genutzt: Die Blackburn Firebrand sollte als trägergestützter Jäger eingesetzt werden, war allerdings zu groß und schwer. Die Navy fand allerdings für sie Verwendung – als Torpedobomber.

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Die äußerlich eindrucksvoll große,  allerdings schwerfällige Blackburn Firebrand kann man wohl ohne Übertreibung als Flop bezeichnen. Dabei schafften es ihre durchaus talentierten Konstruktionsingenieure, den robusten Einsitzer sowohl nachträglich auf eine gänzlich neue Einsatzrolle umzustellen als auch ein anderes Triebwerk zu integrieren.

Entstanden war die Blackburn Firebrand als einsitziger, trägergestützter Ganzmetalljäger für die Ausschreibung 11/40 des britischen Luftfahrtministeriums. Blackburn-Konstrukteur G. E. Petty baute nach der ersten Planungskonferenz 1940 in nur zwei Monaten ein Holzmodell in Originalgröße, und schon am 27. Februar 1942 startete der erste Prototyp des Tiefdeckers, DD804, auf der Basis RAF Leconfield bei Brough zum Erstflug. Als Antrieb diente zunächst ein 2305 PS starker, 24-Zylinder-Reihenmotor Napier Sabre III, der seine Kraft an einen Dreiblattpropeller abgab. Wegen dieses  gewaltigen Triebwerks hatte das Cockpit der Firebrand weit nach hinten gerückt werden müssen. Daraus resultierte eine entsprechend schlechte Sicht für den Piloten, besonders wenn dieser im Langsamflug mit erhöhtem Anstellwinkel zur Landung auf Trägerdecks einschweben wollte. Zudem erwies sich die zwar extrem robust konstruierte, aber dafür sehr schwere und klobige Firebrand als wenig wendig. Nur im Sturzflug brillierte sie, sie konnte dabei sogar eine Spitfire überholen. Doch die maritimen Versionen der viel wendigeren und kleineren Spitfire machten der Firebrand ihre Rolle als neuen britischen Trägerjäger noch während der Erprobung der ersten Prototypen streitig. Die Royal Navy schlug deswegen schon 1943 vor, die Firebrand stattdessen zum Torpedobomber umzukonstruieren. Damit sollte der „Jäger“ nun plötzlich einen bis zu 680 Kilogramm schweren Torpedo unter dem Rumpf schleppen und im Tiefflug abwerfen können. Immerhin verbesserten sich mit Torpedo die Flugeigenschaften der Firebrand, die sich ohne, nach Aussage ihrer Piloten, „schwammig“ flog. Auch hatte die Firebrand giftige Langsamflugeigenschaften und neigte zum unangekündigten Abkippen, wenn man beim Anflug keine Motorleistung stehen ließ. Für die heikle Langsamflugphase wurde eigens eine Geschwindigkeitsanzeige außen vor dem Cockpit, im ständigen Blickfeld des Piloten, installiert. Bei hohem Tempo reagierte die Steuerung dagegen überempfindlich, so dass nur noch feinfühligste Steuerbewegungen ausgeführt werden durften.

Neues Ungemach drohte der Firebrand von der Logistikseite: Ihr Sabre-Motor von der Firma Napier stand im Zweiten Weltkrieg nur noch in begrenzter Stückzahl zur Verfügung, denn der Jagdbomber Hawker Typhoon verwendete vorrangig  den gleichen Antrieb. Der Sabre galt zudem als nicht zuverlässig genug für Flüge über See. Also musste man sich für die Firebrand nach einem neuen Triebwerk umsehen. Als Ersatz wurde der Sternmotor Bristol Centaurus IX mit 18 Zylindern ausgewählt. Nur neun „B-37“ Firebrand Mark I mit dem Napier-Sabre-Motor waren gebaut worden. Schon am 31. März 1943 startete die erste von zwölf „B-45“ Firebrand TF.II mit dem Centaurus-Triebwerk. Eine leicht vergrößerte Spannweite rückte das Fahrwerk nach außen und schuf Platz für den Torpedo unter dem Rumpf. Jedoch besaß das neue Triebwerk mit Vierblattpropeller mehr Drehmoment, was zum Ausgleich eine Vergrößerung des Leitwerks erforderte.

Als „nicht zum Trägereinsatz tauglich“ wurde die Zwischenversion Firebrand III mit dem Bristol Centaurus VII eingestuft, bevor man sich bei der Firebrand Mk IV für eine Veränderung des Rumpfes zur besseren Aufnahme des neuen Motors entschied. Ein vergrößertes Leitwerk zähmte die Firebrand im Langsamflug. Die mäßige Sicht aus dem Cockpit blieb jedoch erhalten, sie verschlechterte sich sogar nochmals durch den breiteren Sternmotor, wie die Piloten berichteten. Immerhin erging endlich ein Serienproduktionsauftrag. Mit 102 gebauten Exemplaren wurde die Firebrand Mk IV (Erstflug am 17. Mai 1945) die erfolgreichste Version. Aerodynamisch verbessert, folgte die Firebrand Mk V, von ihr wurden 68 Exemplare gebaut. Weitere 40 Mk V entstanden durch Umrüstung vorhandener Mk IV. Als letzte Serienversion gilt die Mark VA.

Danach entschied sich Blackburn, die schlechten Sichtverhältnisse aus dem Cockpit zu verbessern, indem dieses eine völlig neue Anordnung auf einem neuen Rumpf über dem Flügel erfuhr. Doch die jahrelange Arbeit hatte sich nicht gelohnt. Das nun als Firecrest bezeichnete Flugzeug kam zu spät angesichts des Kriegsendes und der Entwicklung neuer Strahlflugzeuge.

Die ersten Einsätze hatte die Firebrand TF.IV ab September 1945 bei der No. 813 Squadron der Royal Navy in RNAS Ford. Danach folgten die No. 813 und No. 827 Squadron – auch mit der TF.VA. Obwohl die Firebrand Kampfeinsätze im Zweiten Weltkrieg verpasst hatte, blieb sie bis 1953 im Frontdienst auf den Flugzeugträgern der Royal Navy. Insgesamt 193 Firebrand waren gebaut worden. Leider blieb keines der Flugzeuge erhalten. Ihr Hersteller Blackburn ging in BAE Systems auf.


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Sebastian Steinke


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