11.01.2018
Klassiker der Luftfahrt

Spaniens erstes StrahlflugzeugHispano Aviación HA-200 Saeta

Spaniens erstes Strahlflugzeug, der zweistrahlige Trainer Hispano Aviación HA-200 Saeta („Pfeil“) geht auf keinen geringeren als Konstrukteur Willy Messerschmitt zurück.

Messerschmitt hatte, während für ihn in Deutschland noch das alliierte Flugzeugbauverbot nach dem Zweiten Weltkrieg galt, mit einer kleinen Kernmannschaft seit Anfang 1952 im spanischen Sevilla beim Bf-109-Lizenznehmer Hispano Aviación SA (HASA) ein technisches Entwicklungsbüro aufgebaut.

Aus dem dort zunächst entwickelten aber letztlich erfolglosen zweisitzigen Sternmotor-Propeller-Schulflugzeug HA-100 Triana leitete Messerschmitt ab 1953 auch einen zweisitzigen Strahltrainer ab, die HA-200 Saeta. Die mit einer Druckkabine ausgestattete HA-200 nutzte, in einer Art Baukastenprinzip, ganze Baugruppen der vorherigen HA-100. Ihren Antrieb lieferten jedoch zwei Turboméca „Marboré II“ mit je 3,9 kN Schub, die im Bug, gleich hinter der geteilten Lufteinlauföffnung, montiert wurden. Die langen Schubrohre liefen innen, an den Rumpftanks vorbei, bis hinter die Flügel und sorgten für anfängliche Überhitzungsprobleme, bis ein zusätzlicher Kühlluftkanal installiert war.

Die Saeta war bereits die vierte Strahlflugzeugentwicklung vonWilly Messerschmitt. Für seine Konkurrentin zur Fouga Magister hoffte Messerschmitt auch auf den westdeutschen Markt der neuen Luftstreitkräfte. 

Am 12. August 1955 startete Testpilot Juan Valiente mit dem ersten Prototypen, Werknummer 20/I, Registrierung XE.14-1, in Sevilla zum Erstflug. Nach zehn Vorserienflugzeugen bestellte das spanische Luftfahrtministerium 1959 dreißig Serien-HA-200A. 1963 wurden weitere 55 Ex­emplare der verbesserten Version HA-200D durch Spanien bestellt, die bis 1967 geliefert wurden. Sie erhielten das stärkere Turboméca Marboré VI-Triebwerk mit 9,4 kN Schub.

Fünf umgebaute Vorserienflugzeuge waren als HA-200B schon 1959 an die ägyptische Luftwaffe geliefert worden. In Deutschland hatte die wendige und im Langsamflug gutmütige „Me 200“ dagegen keinen Erfolg. Als Militärtrainer wurde hier die Fouga Magister ausgewählt und in Lizenz gebaut. Auch für eine erhoffte zivile Variante als viersitziges Kurier- und Geschäftsreiseflugzeug P-201 fanden sich keine Kunden.

1959/60 erwarb dafür Ägypten über die Schweizer Firma MECO die Fertigungslizenz für die HA-200 und die Entwicklungslizenz für den darauf folgenden Deltaflügel-Überschalljäger HA-300. Aus der Saeta wurde in Ägypten die mit einer zusätzlichen Maschinenkanone bewaffnete „Al Kahira“ (Der Eroberer). 95 Flugzeuge entstanden zwischen 1961 und 1969 in Kairo.

Spanien rüstete 40 Trainer zur HA-200E Super Saeta um. Außerdem wurden 25 HA-200 zu einsitzigen HA-220-Jagdbombern umgebaut und zwischen 1971 und 1977 eingeführt. Bis Mitte der achtziger Jahre schieden die letzten Flugzeuge aus spanischen Diensten aus. Die letzten ägyptischen „Al Kahira“ sollen dagegen noch bis in die neunziger Jahre geflogen sein.

Technische Daten

Hispano Aviación HA-200 Saeta (Ursprungsversion)


Aufgabe:
zweisitziger Strahltrainer
Besatzung: ein Fluglehrer und ein Flugschüler 
Antrieb: zwei Turboméca Marboré II mit je 3,9 kN Standschub 
Länge: 8,93 m
Höhe: 2,85 m
Spannweite: 11,03 m
Flügelfläche: 17,4 m2
max. Flugmasse: 3350 kg
Höchstgeschwindigkeit: 640 km/h
Dienstgipfelhöhe: 12 000 km 
Reichweite: 1480 km
Bewaffnung: zwei MG Breda 7,7 mm

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2010


Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke


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