21.08.2017
Erschienen in: 05/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Der zweite StreichIndiens erster Jet-Jäger entstand mit deutscher Hilfe

Nachdem die Konstruktion des Jagdflugzeugs Pulqui II in Argentinien abgeschlossen war, reiste Professor Kurt Tank weiter nach Indien. Dort schuf er im Auftrag der indischen Luftstreitkräfte die Hindustan HF-24 Marut. Sie war der erste in Indien entwickelte und gebaute Strahljäger.

Die Übergabe der ersten beiden Hindustan HF-24 Marut an die indischen Luftstreitkräfte am 10. Mai 1964 krönte acht Jahre harter Arbeit, in denen das deutsch-indische Design-Team unter der Führung des bekannten Flugzeugkonstrukteurs Professor Kurt Tank Indiens ersten in Eigenregie geplanten und gebauten Jäger geschaffen hatte. Die Ingenieure und Techniker legten damit den Grundstein für die dortige Luftfahrtindustrie, die bis zu diesem Zeitpunkt lediglich über Erfahrungen aus dem Lizenzbau der de Havilland Vampire verfügte.

Der damalige indische Verteidigungsminister Mahavir Tyagi unterstützte seit 1956 die ehrgeizige Forderung der indischen Luftwaffe nach einem als Abfangjäger, Erdkampfflugzeug und Aufklärer einsetzbaren Mehrzweck-Kampfflugzeug. Die in Bangalore beheimatete Firma Hindustan Aeronautics Limited (HAL) übernahm den Auftrag zur Entwicklung des Mach 2 schnellen Jägers. Gleichzeitig projektierte das 1940 gegründete Unternehmen einen leichten Jettrainer, aus dem später die HJT-16 Kiran werden sollte.

Schon bald zeigte sich, dass das indische Design-Team aufgrund fehlender Kapazität und Erfahrung nicht beide Projekte zugleich betreuen konnte. Hindustan suchte daher Hilfe im Ausland und fand sie: Dr. Kurt Tank folgte der Einladung, das Jagdflugzeug zu entwickeln, und kam im August 1956 in Bangalore an. Zuvor hatte Tank bereits in Argentinien die Pulqui II konstruiert.

Zunächst musste in Indien fast die gesamte Infrastruktur, inklusive einer geeigneten Startbahn, aus dem Boden gestampft werden. Das Konstruktionsteam bestand zunächst nur aus 18 deutschen und drei indischen Ingenieuren sowie 22 indischen Assistenten, wurde aber schon bald auf über 160 Personen aufgestockt.

Schon 22 Monate nach dem Beginn der Entwicklung konnten die Testpiloten Wing Commander Suri und Wing Commander Kapil Bhargava ab dem 1. April 1959 insgesamt 78 Versuchsflüge mit einem zweisitzigen Segelflugmodell der Marut in Originalgröße durchführen, das von einer Douglas C-47 auf Höhe geschleppt wurde.

Nach elfmonatiger Montage des ersten Prototyps startete die Marut mit der Seriennummer BR462 am 17. Juni 1961 in Bangalore mit Wing Commander Suranjan Das zum Erstflug. Eine Woche später erfolgte die offizielle Vorstellung vor euphorischem Publikum. Kurt Tank sprach an dieser Stelle den exzellenten indischen Technikern seine Anerkennung aus.

Am 4. Oktober 1962 nahm der zweite Prototyp mit der Kennung BR463 die Flugerprobung auf, gefolgt von der ersten von 18 Vorserienmaschinen, der BD 828, im März 1963.

Der aerodynamisch hervorragende Entwurf litt allerdings von Anfang an unter der ungelösten Triebwerksfrage. Ursprünglich sollte die Marut mit zwei Bristol Orpheus 12 ausgerüstet werden. Dieses mit Nachbrenner 47,09 Kilonewton starke Triebwerk war für den Sieger des Lightweight-Strike-Fighter-Wettbewerbs der NATO vorgesehen. Bristol stellte jedoch die Arbeiten am Orpheus 12 ein, nachdem die Ausschreibung nicht realisiert wurde, und bot Indien eine private Fortführung des Programms an. Das finanzielle Risiko machte jedoch eine solche Entscheidung für Indien untragbar.


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Patrick Hoeveler
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