06.07.2017
Klassiker der Luftfahrt

Die Transporterfrage (Teil 3) Produktionslücke bedroht Arbeitsplätze

Die geplante Abwicklung des Transall-Programms hätte selbst bei Einhaltung aller gesetzten Termine keinen Anschluß an die mittlerweile ausgelaufene Noratlas-Fertigung gesichert, selbst nicht durch die nachbestellte Serie von etwa 30 weiteren Transportern des Typs Noratlas, von dem die Nord Aviation in Bourges sogar noch die Fertigung bestimmter Zellenteile übernahm, weil die deutsche Gruppe Nord mittlerweile einen großen Teil der zu dieser Zeit verfügbaren Fertigungskapazität dem Starfighter-Programm zuteilen mußte. Ursprünglich war nur die Gruppe Süd für die Lizenzfertigung der F-104G vorgesehen, aber nach einer Erhöhung der zu produzierenden Stückzahl - rund 300 weitere F-104G - ergab sich die Notwendigkeit, die Kapazität der Gruppe Nord einzusetzen.

Durch diese Maßnahme hoffte man in Bonn, eine weitere Vollbeschäftigung des im Norden verfügbaren Facharbeiterstamms zu sichern und diesen nach Auslauf des F-104-Programms flüssig in die als Folgeauftrag mit aller Wahrscheinlichkeit zu erwartende Transall Serie überzuleiten. Leider konnte diese Aktion nicht den gewünschten Erfolg verzeichnen, denn wenn im Mai 1964 das F-104-Programm ausgelaufen ist, sind rund 2000 bisher produktiv und etwa 4000 indirekt in diesem Programm eingesetzte Facharbeitskräfte überflüssig geworden. Von Oktober 1963 an wird die Gruppe Nord pro Monat 200 qualifizierte Facharbeiter entlassen müssen, die der industrielle Raum im Norden der Bundesrepublik nur zum Teil aufnehmen kann Situationen wie diese entstehen nicht über Nacht, sie sind lange vorher vorausschaubar. Es wäre billig, nach dem Sündenbock zu suchen, um dann mit einiger Überraschung feststellen zu müssen, daß in der Vergangenheit fast alle großen Flugzeugwerke der westlichen Welt mit ähnlichen Problemen konfrontiert wurden, wenn es um die Überleitung einer verfügbaren Produktionskapazität von einem auslaufenden auf ein beginnendes Programm ging.

Die Flugzeugwerke der USA haben diese Erfahrungen im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre mehrfach machen müssen und daraus ihre Lehren gezogen. Das für uns dringend zu lösende Problem ist etwa folgendermaßen zu formulieren: Für die Gruppe Nord muß sofort eine Produktion gefunden werden, die im Einklang mit den Forderungen der Verteidigungsbereitschaft innerhalb der NATO unter annehmbaren Kosten und ohne größere Umorganisation eine Weiterbeschäftigung des bisherigen Facharbeiterstamms sichert. Zur Überbrückung der akuten Produktionslücke haben Fachleute mehrere Programme ausgearbeitet: Ersatz des Transall-Programms, teilweise oder gänzlich, durch eine Übernahme einer Lizenzfertigung der C-130 Hercules. Und damit stehen wir vor einem weiteren Problem. Die Transall fliegt gegenwärtig in Frankreich und der Bundesrepublik ihre Werkserprobung und hat die erste Stufe ihres Programms erreicht. Die deutschen und französischen Konstrukteure sehen die ersten befriedigenden Resultate ihrer schöpferischen Arbeit.


WEITER ZU SEITE 4: Einsatzerfahrungen der C-130 versus Transall Erprobung

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