06.07.2017
Klassiker der Luftfahrt

Die Transporterfrage (Teil 7) C-130E als Lizenzbau?

Lockheed - C-130 (027.jpg

Die Großserienproduktion des erfolgreichen Transporters fand in Marietta, Georgia, statt. © Lockheed  

 

Als der amerikanische Verteidigungsminister McNamara kürzlich in Bonn seinen Besuch abstattete, schlug er vor, eine Lizenzproduktion der C-130E anstelle der Transall erneut zu erwägen, weil damit ein besseres Flugzeug in kürzerer Zeit zu erheblich geringeren Kosten verfügbar würde. Die amerikanische Regierung ist an einer Realisierung dieses Projekts selbstverständlich interessiert, da es sich einmal günstig auf ihre Zahlungsbilanz, zum anderen aber auch auf die Standardisieung der NATO-Transportflotte auswirkt.
Der letzte Punkt ist für uns stichhaltig und bietet außerdem die Möglichkeit, der Gruppe Nord ohne große Verzögerung ein Anschlußprogramm zu sichern. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Bau der Transall-Prototypen würden sich dabei in der konstruktiv recht ähnlichen Hercules anwenden lassen.

Die amerikanischen Vorschläge zum Bau der C-130 Hercules sind in Form variierter Programme abgefaßt und basieren auf dem akuten Beschäftigungsproblem in der Gruppe Nord. Zur Überbrückung der Produktionslücke bis zum Serienbau der Transall könnten 30 Hercules, deren Hauptteile in Georgia hergestellt würden, von der Gruppe Nord zusammengebaut und eingeflogen werden. Der Stückpreis würde für jedes dieser Flugzeuge 10,976 Mio. DM betragen. Die Abwicklung dieses Programms würde bei einer monatlichen Fertigstellung von zwei Flugzeugen 41 Monate erfordern und 1300 Mann beschäftigen.

Eine weitere Version entspricht in ihrem ersten Teil dem obigen Vorschlag, nachdem zunächst 30 Flugzeuge wie beschrieben zusammengebaut werden, denen dann 70 weitere Hercules folgen, die ausnahmslos von der Gruppe Nord hergestellt werden. Der Preis würde für jede Hercules 11,208 Mio. DM betragen. Nach diesem Programm, das sich über 61 Monate erstreckt, könnten etwa 9000 Mann beschäftigt werden. Die Produktionszahl wird mit drei Maschinen pro Monat angenommen, wobei aber aus Gründen der Beschäftigungsanpassung eine Verringerung auf zwei Flugzeuge pro Monat vorgesehen werden könnte.

In einer dritten Version wird eine vollständige Lizenzproduktion von 100 Hercules innerhalb der Gruppe Nord vorgeschlagen, wobei lediglich die ersten sieben Flugzeuge aus Einzelteilen der Lockheed-Fertigung zusammengebaut werden, um den Serienbau einzuleiten. Die Stückkosten dieser in Lizenz hergestellten Flugzeuge würden 11,712 Mio. DM betragen. Bei einem monatlichen Ausstoß von drei Flugzeugen würde sich die Abwicklung dieses Programms über 5 Jahre ausdehnen und 9000 Mann beschäftigen.

Die drei aufgeführten Vorschläge sind lediglich Beispiele. Andere Kombinationen sind möglich und könnten auf dieser Grundlage ausgearbeitet werden. Ein Umpolen auf das vorgeschlagene Hercules-Programm würde zweifellos für Amerika ein gutes Geschäft bedeuten, aber wir verdienen selbst nicht weniger, weil wir innerhalb kürzester Zeit eine sozialwirtschaftliche Klippe überwinden und im Vergleich zur teureren Transall - 110 für die Bundesrepublik und 50 für Frankreich - einige hundert Millionen Mark weniger ausgeben müssen.


WEITER ZU SEITE 8: Triebwerksfrage gelöst

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