25.11.2016
Erschienen in: 06/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Einstieg in die Jetfighter-EntwicklungHawker Sea Hawk

Nach den berühmten Propellerjägern Hurricane, Tempest und Typhoon begann Hawker im Herbst 1944 mit Entwurfsarbeiten für einen Strahljäger. Ergebnis war die Sea Hawk. Sie flog 1947 zum ersten Mal und stand bis Anfang der 1960er Jahre bei der Royal Navy im Fronteinsatz. Bei den deutschen Marinefliegern gehörte die elegante, aber etwas leistungsschwache Sea Hawk zur Erstausstattung.

Während des Zweiten Weltkriegs war Hawker Aircraft lange Zeit völlig mit der Weiterentwicklung seiner Propellerjäger Tempest und Fury beschäftigt. Deshalb befasste sich die Entwicklungsabteilung unter Sydney Camm erstaunlich spät mit den Möglichkeiten der neuen Turbinentriebwerke. Erst mit der absehbaren Verfügbarkeit des Rolls-Royce RB.41 Nene, das seinen Erstlauf im Oktober 1944 absolvierte, entstanden in Kingston-upon-Thames unter der Nummer P.1035 erste Projektstudien. Bei ihnen war das Triebwerk in der Rumpfmitte platziert, die Lufteinläufe lagen in den Flügelwurzeln, und kurze, geteilte Schubdüsen endeten seitlich des Rumpfes kurz hinter den Tragflächen.

Einen auf dieser Basis optimierten Entwurf schlug das Unternehmen im Februar 1945 unter der Bezeichnung P.1040 dem Ministry of Aircraft Production vor. Dort und bei der Royal Air Force war die Reaktion jedoch zurückhaltend, offenbar vor allem deshalb, weil es Zweifel an der Anordnung der Schubdüsen gab, die sich Hawker hatte patentieren lassen. Auch die projektierten Leistungen überzeugten nicht so recht, lagen sie doch kaum über denen der Gloster Meteor F.4. Zum Glück für Hawker zeigte sich die Royal Navy deutlich interessierter. Hawker überarbeitete seinen Entwurf und stattete ihn mit Fanghaken und hochklappbaren Tragflächen aus. Im Januar 1946 wurde das Konzept erneut vorgelegt. Die Marine schrieb nun die passende Spezifikation N.7/46 und stellte einen Auftrag für drei Prototypen und eine Testzelle in Aussicht. Offiziell wurde der Auftrag im Mai 1946 erteilt.

Der Bau des ersten Prototyps (Kennung VP401), für den Hawker mit eigenen Mitteln schon Vorarbeiten geleistet hatte, wurde in Kingston und Langley vorangetrieben. In Langley, das nahe des heutigen Flughafens Heathrow liegt, fanden auch die Endmontage und erste Rollversuche auf der Graspiste statt. Für den Erstflug brachte man die VP401 aber per Lastwagen zum Aeroplane and Armament Experimental Establishment in Boscombe Down. Dort hob Cheftestpilot Bill Humble am 2. September 1947 zum ersten Flug eines Hawker-Jets ab. Einige Tage später verlegte die Hawker P.1040 zum Royal Aircraft Establishment in Farnborough. Dort flog auch Captain Eric Brown von der Navy den aerodynamischen Versuchsträger. Er wies einige Mängel auf, wie beispielsweise eine sehr lange Startstrecke, Leitwerksvibrationen und bei höheren Geschwindigkeiten zu hohe Steuerkräfte. Auch im Rumpf traten Vibrationen auf, die mit dem Schub variierten. Als Ursache dafür machte man Strömungsablösungen aus, die durch die Form der Düsenabgrenzung zum Rumpf hin entstanden. Diese Abgrenzung wurde daraufhin runder gestaltet.

Ein Jahr nach der VP401 kam am 3. September 1948 die VP413 in die Luft. Sie entsprach der Spezifikation N.7/46 und wies einen Fanghaken, nach oben klappbare Flügel sowie eine Frontscheibe mit Panzerglas auf. Auch die Bewaffnung von vier 20-mm-MGs war installiert. Beide Flugzeuge waren ein paar Tage später auf der Luftfahrtschau in Farnborough zu sehen.

Nach vorbereitenden Versuchen in Farnborough flog die VP413 im April 1949 für Decklandungen, Starts und Handlingtests zum Flugzeugträger HMS „Illustrious“. Hier stellten sich Probleme mit dem Fanghaken heraus, der daraufhin deutlich verlängert wurde. Während die Erprobung nur recht langsam vorankam, schickte Hawker den P.1040-Prototyp im August zu den National Air Races in Birmingham. Dort gewann Trevor Wade den SBAC Challenge Cup mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 820 km/h. Beide Prototypen waren im September wieder in Farnborough auf der SBACShow vertreten.

Inzwischen ging der zweite Prototyp nach Spezifikation N.7/46 bei Hawker seiner Vollendung entgegen. Um dessen Startleistung zu verbessern, verlängerte man die Tragflächen um 76 Zentimeter. Außerdem wurde das Hydrauliksystem modifiziert, was ein schnelleres Einfahren des Fahrwerks erlaubte. Weitere Änderungen betrafen Vorrichtungen für zwei Zusatztanks mit je 410 Litern. Die Maschine mit der Kennung VP422 hob am 17. Oktober 1949 erstmals ab und ging schon im November für weitere Trägerversuche zur HMS „Illustrious“.

Am 22. November 1949 erhielt Hawker den lange ersehnten Auftrag für zunächst 35 Flugzeuge der Version Sea Hawk F.1. Sie war mit dem 22,22 Kilonewton starken Nene RN.4 ausgerüstet. Bis die erste Serienmaschine aus der Halle in Dunsfold rollte, vergingen allerdings fast zwei Jahre. Erst am 14. November 1951 startete die Sea Hawk WF143 zum Erstflug. Sie wurde sofort für weitere Tests verwendet, die unter anderem zur Einführung einer hydraulisch unterstützten Querrudersteuerung führten.

Mehr als fünf Jahre waren zwischen Auftrag und Serienlieferung vergangen – damals eine sehr lange Zeit, in der die Luftfahrtentwicklung zum Beispiel durch die Einführung gepfeilter Tragflächen große Sprünge machte. Auch Hawker hatte inzwischen mit der Hunter ein weit leistungsstärkeres Muster in die Luft gebracht. Dieses erhielt durch das von Premier Winston Churchill 1951 verfügte „Super Priority“-Programm ebenso wie die Sea Hawk nun höchste Dringlichkeit.


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