06.11.2017
Klassiker der Luftfahrt

Entwicklung der Harrier-VorläuferHawker P.1127

Senkrecht starten und landen mit einem Flugzeug – das war eines der zentralen Themen der internationalen Luftfahrtindustrie in den 50er und 60er Jahren. Bis heute hat sich nur ein Projekt bewährt: der britische Harrier. Seine Vorläufer waren die Hawker P.1127 und die Kestrel.

Ende der 50er Jahre hatten die britischen Kampfflugzeughersteller gegen neue Trends zu kämpfen. Aufgrund der Fortschritte bei den Luftabwehrlenkwaffen schienen die Tage des Abfangjägers gezählt, nur die Entwicklung strahlgetriebener Bomber und Jagdbomber versprach Zukunft. Die Ingenieure untersuchten daher, ob nicht senkrecht startende und landende Muster die richtige Antwort auf die geänderten Bedürfnisse der Luftstreitkräfte sein könnten.

Die beiden führenden britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce und Bristol Aero Engines boten hierfür zwei Antriebsalternativen an. Während ersteres Unternehmen verschiedene Kombinationen aus Marschtriebwerken und reinen Hubtriebwerken vorschlug, arbeiteten die Bristol-Ingenieure in Filton an einem anderen Konzept. Nur ein Triebwerk mit schwenkbaren Schubdüsen sollte die gleiche Aufgabe übernehmen wie das ungleich komplexere System des Konkurrenten.

Bei Hawker Aircraft in Kingston-upon-Thames fiel schnell die Entscheidung zugunsten des Bristol-Vorschlags. Da die Leistung des Triebwerks BE.53 V/STOL mit nur 50,2 Kilonewton jedoch relativ gering war, entwarf das Hawker-Konstruktionsteam im Frühsommer 1957 zunächst die kleine, dreisitzige P.1127 Mk. I (HSH / High Speed Helicopter), die Einsatzaufgaben eines leichten Hubschraubers übernehmen sollte. Trotz der Bezeichnung handelte es sich um einen Mitteldecker mit ungepfeilten Tragflächen. Sehr bald änderte man das Konzept im Sommer 1957 zur zweisitzigen P.1127 Mk. II. Zwei schwenkbare Düsen mit kalter Luft aus dem Niederdruckverdichter und eine Düse mit heißer Luft aus dem Hochdruckverdichter sollten dem Flugzeug die gewünschten Flugeigenschaften verleihen für einen extrem kurzen Start und – nach weitgehendem Verbrauch des Treibstoffvorrats – eine senkrechte Landung.

Anschließende Untersuchungen führten jedoch zur völligen Neukonzeption. Die nun einsitzige P.1127 erhielt ein verändertes BE.53 mit vier schwenkbaren Düsen. Eine große Herausforderung bestand dabei in der sicheren Steuerung des Flugzeugs in der Transitionsphase, dem Übergang vom Schwebe- in den Horizontalflug. Wegen der sehr geringen Geschwindigkeiten erwiesen sich die aerodynamischen Steuerflächen als dafür nicht ausreichend. Folglich sahen die Konstrukteure zusätzliche Steuerdüsen im Bug, im Heck und an den Flügelspitzen vor, durch die Zapfluft aus dem Hochdruckverdichter des Triebwerks gepresst wurde.


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Wolfdietrich Hoeveler
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