22.05.2017
Erschienen in: 06/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Der RächerGrumman TBF Avenger

Die dreisitzige Grumman Avenger („Rächer“) war der amerikanische Standard-Torpedobomber in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs. Auch die Buchstabenfolge „TB“ in der Musterbezeichnung weist auf diesen Einsatzzweck hin.

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Die trägergestützte Avenger war die dringend benötigte Nachfolgerin der veralteten Douglas Devastator. Die Navy-Ausschreibung forderte eine Höchstgeschwindigkeit von über 480 km/h, eine Kampfreichweite von mindestens 1800 km, eine Nutzlast von mindestens drei 225 kg-Bomben oder einem Torpedo und, mit voller Zuladung, eine Startstrecke von höchstens 100 Metern bei 45 km/h-Wind über Deck, und dies bei einer Mindestgeschwindigkeit von 110 km/h.

Grumman-Konstrukteur William T. Schwendler setzte sich mit seinem eng an der Wildcat angelehnten Entwurf durch. Am 7. August 1941 startete Bob Hall mit dem Prototyp XTBF-1 (BuNo 2539) in Bethpage zum Erstflug. Dabei zeigten sich Schwerpunktprobleme mit dem anfänglich zu weit hinten befestigten Motor, Kühlungsprobleme und zu kleine Steuerflächen am Heck. Am 3. Januar 1942 rollten die ersten verbesserten Serienflugzeuge aus der Halle.

Den ersten Avenger-Kriegseinsatz gegen die japanische Flotte führten sechs Avenger der VT-8 am 4. Juni 1942 in der Schlacht um Midway durch. Dabei wurden fünf Flugzeuge abgeschossen, ohne einen Torpedotreffer landen zu können. Erst verbesserte Torpedos ermöglichten der Avenger eine höhere Abwurfgeschwindigkeit, damit sie sich im gefährlichen niedrigen Zielanflug dem Abwehrfeuer der angegriffenen Schiffe kürzer aussetzen musste. Schon in der Schlacht von Guadalcanal entwickelte sich die robuste TBF, beziehungsweise ihr General-Motors-Lizenzbau mit der Bezeichnung TBM, zur gefürchteten Waffe, nicht nur über dem Pazifik, sondern bald auch über dem Atlantik.

Bis September 1945 wurden 9827 Avenger-Serienflugzeuge gebaut. Die sehr voluminöse Rumpfform und die hohe Zuladung machten die Avenger auch zur geeigneten Plattform für viele Radaranlagen, deren klobige Elektronik man an Bord unterbringen konnte. Spezielle Träger-Transportversionen konnten bis zu sieben Passagiere befördern.

Im Krieg wurde die TBF/TBM bei US Navy, US Marines, dem britischen Fleet Air Arm (Bezeichnung hier zwischen 1943 und 1944 „Tarpon“) und der neuseeländischen Luftwaffe eingesetzt. Danach kamen Brasilien, Kanada, Frankreich, Uruguay und sogar Japan hinzu.

Ab Anfang der fünfziger Jahre gelangten zahlreiche Avenger als Löschbomber und Sprühflugzeuge an zivile Halter, wo sie, zuletzt in Kanada, noch nach der Jahrtausendwende flogen. 


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Sebastian Steinke


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