03.04.2018
Klassiker der Luftfahrt

Sechs Motoren über SeeGroßflugboot Blohm & Voss BV 222 Wiking

Vier Jahre nach dem Erstflug des Blohm & Voss BV 222 Prototypen D-ANTE im Jahre 1940, brachte der Chefkonstrukteur Dr. Ing. Richard Vogt die Entwicklungsgeschichte des Flugbootes zu Papier. Im originalen Wortlaut gibt Klassiker der Luftfahrt den Text aus dem Jahr 1944 wieder.

Gestützt auf die zufriedenstellenden Leistungen und auf die Erfahrungen mit dem Transatlantik-Postflugzeug BV 139 erhielt die Firma Blohm & Voß einige Zeit vor Ausbruch des Krieges von der Deutschen Lufthansa den Auftrag zur Entwicklung eines Flugbootes für Personenbeförderung.

Dem damaligen Stand der Technik entsprechend und unter Ab­schätzung der voraussichtlichen Entwicklungszeit wurden genügend vorausgreifende Leistungen verlangt.

Überschlagsberechnungen und Projektstudien zeigten, daß mit vier Triebwerken der seinerzeit zur Verfügung stehenden größten Leistungsklasse keine Zelle geschaffen werden konnte, die als Grundmuster für eine möglichst langjährige Entwicklungsreihe hätte dienen können. Aus diesem Grunde wurde ein sechsmotoriges Flugboot angeboten und vom Auftraggeber angenommen.

In Übereinstimmung mit den wartungsmäßig guten Erfahrungen mit luftgekühlten Triebwerken fiel die engere Wahl auf das Motormuster BMW 323. Während die Reiseleistung dieses Motors für die Erfüllung der gestellten Aufgabe ausreichend war, rechneten wir in bezug auf seine Startleistung im Zuge der Entwicklung und Erprobung mit einer entsprechenden Verbesserung. Diese Spekulation erwies sich als richtig. Wir wurden nicht enttäuscht und konnten bereits bei den ersten Versuchsflugzeugen ein Gewicht starten, mit dem die Reichweite von etwa 7000 km verwirklicht werden konnte. Dabei konnten wir auch gewisse Eigenschaftswünsche in Bezug auf Flug- und Steuerfähigkeit heim Motorausfall unmittelbar nach dem Start noch gut befriedigen. Nach Festlegung der Größenabmessungen des Baumusters lief ein umfangreiches Versuchsprogramm in einer Schleppversuchsanstalt.

In erster Linie galt es, in wassertechnischer Hinsicht die Breite des Bootes auf räumlich zweckmüßige Innenmaße abzustimmen. Die Dinge liegen ja so, daß diese Innenabmessungen unter der selbstverständlichen Voraussetzung möglichst ökonomischer Raumausnutzung nur in großen Maßsprüngen variiert werden können. Man kann nur ganzzahlige Sitz- und Gangbreiten verwerten und kann für den Fall des Einbaus von Schlafkabinen die Betten nur quer- oder längsgerichtet einbauen. Die Versuche im Wasserkanal erstreckten sich also in erster Linie auf die Bootsbodenbreite im Rahmen dieser Notwendigkeiten. Von ebenso großer Bedeutung war die Formgebung des Bootsbodens im Querschnitt, weil von ihr die Lenkung des seitlichen Spritzwassers wesentlich abhängt.


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