05.10.2016
Klassiker der Luftfahrt

Maßnahmen für den Tag XGedanken zur Segelflugausbildung

Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs juckte es abertausende ehemalige Piloten in den Fingern, wieder einen Steuerknüppel rühren zu dürfen.

Bereits vor der Gründung des Deutschen Aero Clubs am 3. August 1950 und lange vor der alliierten Freigabe des Segelfluges am 19. Juni 1951 machte sich Egon Scheibe (1908-1997), späterer Begründer des Scheibe-Flugzeugbaus, Gedanken um eine künftige Generation von Schulflugzeugen. In seinem interessanten Rückblick aus dem Jahr 1950 spart er nicht mit Seitenhieben auf die rund 20 Jahre lang betriebene Einsitzerschulung mit Gleitern wie dem SG 38.

Marton Szigeti

Die Gleit- und Segelflugschulung wurde in Deutschland bis 1945 fast ausschließlich mit einsitzigen Flugzeugen durchgeführt; nur in wenigen Fällen kamen doppelsitzige Flugzeuge zur Anwendung.
Die Diskussion Ein- oder Doppelsitzer für die Ausbildung ist so alt wie die Schulung im motorlosen Flug selbst. Da man brauchbare und billige Einsitzer hatte, aber nicht ebensolche Doppelsitzer, so entwickelte und verbreitete man die Einsitzerschulung und behielt sie bei, wobei man die Auffassung vertrat, auch auf diesem Wege zu ausreichenden Ergebnissen zu kommen und auf eine Doppelsitzerschulung verzichten zu können.

Die derzeitigen fliegerischen „Ferien" geben Gelegenheit über das nachzudenken, was man in Zukunft besser machen könnte, und da sollte man auch in der wichtigen Frage der Schulung das alte Problem Ein- oder Doppelsitzer einmal neu aufrollen. Die nachstehenden Ausführungen sollen ein Beitrag in dieser Richtung sein. Es wird die Auffassung vertreten, daß der heute zumindest in fliegerischer Hinsicht gut brauchbare Doppelsitzer in den meisten Fällen wesentliche Vorteile für die Schulung bieten würde; und daß der Einsitzer als Gleiter eigentlich nur da am Platz ist, wo - wie z. B. bei ausgesprochenen Anfängergruppen - unbedingt mit geringsten werkstattmäßigen und handwerklichen Voraussetzungen und geringsten Mitteln ein Flugzeug erstellt werden soll.

Zuerst einmal zum Einsitzerprinzip als solchem: Bei der Methode soll sich, so erklären ihre Verfechter, von Anfang an zeigen, wer für das Fliegen begabt ist und wer nicht. Ferner soll der Schüler, so allein in die Luft geschossen, zu Mut und Konzentration erzogen werden.

Tatsache dürfte aber doch wohl sein, daß jeder normale Mensch das Fliegen mit Segel- und leichten Motorflugzeugen erlernen kann, sofern er dies ernstlich vorhat. Der eine ist hierbei geschickt, der andere braucht etwas länger, bis er es begreift. Der letztere und auch jener, der etwas Pech hat, machen bei der Einsitzerschulung Bruch; einmal, vielleicht auch zweimal. Unglücklich ziehen die Bruchpiloten nach Hause, und für sie bringt das Fliegenlernen plötzlich Probleme, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind und erst durch diese Schulmethode entstehen. Erziehung zu Mut und Konzentration sind schön und gut, aber sind hierfür nicht andere Sportarten geeigneter, z. B. Skispringen - bei denen nicht durch Fehler des Schülers so erhebliche Materialschäden entstehen können wie beim Gleit- und Segelflug?


WEITER ZU SEITE 2: Katastrophaler Kosten-Nutzenfaktor der einsitzigen Schulgleiter

1 | 2 | 3 | 4 |     
Mehr zum Thema:
msz
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Segelflug-Klassiker VFW FK 3 Hochleistungssegler in Metall-Gemischtbauweise

13.11.2017 - Im September 1968 veröffentlichte die Flug Revue diesen Test der VFW FK 3, den Klassiker der Luftfahrt hier noch einmal wiedergibt. Das Offene-Klasse-Segelflugzeug in einem innovativen Baustoff-Mix … weiter

Leichtflugzeugbau Dr. Hanns Klemm – Vorreiter im Leichtflugzeugbau

25.10.2017 - Seine Flugzeuge wurden In den 20er und 30er Jahren zum Inbegriff des Leichtflugzeugbaus in Deutschland. Für seine christliche Überzeugung widersetzte sich Hanns Klemm den Nazis. Faktisch schon … weiter

Zweiter Weltkrieg Verwundeten-Evakuierung mit Lastenseglern

04.10.2017 - Die Idee, Verwundete mit Lastenseglern aus einem umkämpften Brückenkopf auszufliegen, klingt verwegen. Doch Ende März 1945 haben die Amerikaner genau dies getan. Sie legten dafür sogar einen eigenen … weiter

Testbericht aus dem Jahr 1967 Braunschweig SB 8: Leistungssegler der offenen Klasse

21.06.2017 - Am 25. April 1967 kam die damals hochmoderne SB 8 der Akaflieg Braunschweig erstmals in die Luft. Der Offene-Klasse-Einsitzer war das erste Wölbklappenflugzeug der Akaflieg und gehörte zu den ersten … weiter

Standardklasse Bölkow Phoebus - Flugzeugtest

16.06.2017 - Bei den Segelflugweltmeisterschaften 1965 in England fand ein neues Segelflugzeug der Standardklasse besondere Beachtung. Es war der Phoebus der Entwicklungsgemeinschaft Sport- und Segelflug. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44