09.10.2017
Erschienen in: 07/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Jäger aus den USAFlying Legends 2017: Weltkriegsklassiker in Duxford

Wer in Europa die größte Anzahl an fliegenden Warbirds sehen möchte, der fährt nach Duxford. Dort bebt am zweiten Juli-Wochenende der Himmel, wenn die Creme de la Creme der europäischen Weltkriegsklassiker vorfliegt. In diesem Jahr sorgten jedoch die extra aus den USA angereisten Jäger für Aufsehen.

Die Luft bebt, in der Ferne ist das tiefe Grollen der Flugmotoren zu vernehmen, am Boden warten bereits fünf Hawker Hurricane, als die Punkte am Himmel immer größer werden und 17 Warbirds in Formation über die Zuschauer hinwegjagen.

Dieses einmalige Schauspiel gibt es in Europa nur an einem Ort: Duxford. Jedes Jahr laden Steven Grey und die Fighter Collection historische Flugzeuge zur Flying Legends Airshow auf das Flugfeld im Süden von Cambridge ein, und die Eigner und Betreiber folgen dem Ruf allzu gern. Die weiteste Anreise nahm Mustang-Guru Lee Lauderback auf sich. Der Chef des Stallion 51, der Flugschule für Mustangs, flog die P-51B Mustang „Berlin Express“, die zu Dan Friedkins Comanche Fighters gehört, persönlich über den Nordatlantik nach Duxford.

Die fünftägige Reise wurde dank der sozialen Medien zu einem weltweit verfolgten Ereignis. Auf Facebook, Flightradar oder Twitter konnten die Fans den Flug minutiös mitverfolgen. Begleitet wurde die Maschine von einem Mechaniker-team, das die über 10 000 Kilometer in einer bequemeren King Air zurücklegte. Die geflogene Route entspricht weitestgehend der, welche die US-amerikanischen Bomber während ihrer Überführung an die Front im Zweiten Weltkrieg nutzten. Ebenfalls aus den USA kam die auch zu den Comanche Fighters gehörende P-51D „Frenesi“. Sie wurde jedoch vorher zerlegt und kam bereits einige Tage zuvor in England an.

Die „Horsemen“ begeistern die Massen in Duxford

Hauptgrund für die Teilnahme der beiden Jäger war der erneute Auftritt des weltweit einzigen Mustang-Kunstflugteams „Horsemen“. Die Gruppe, die aus Steve Hinton, Ed Shipley und Dan Friedkin besteht, zeigte an beiden Veranstaltungstagen Formationskunstflug mit der P-51 – am Sonntag jedoch ohne die „Berlin Express“. Am Samstag hatte sich bei einer Solovorführung von Nick Grey die seltene Malcom-Hood-Haube der „Berlin Express“ im Flug in ihre Einzelteile zerlegt und dabei Höhen- und Seitenleitwerk beschädigt. Ersatzmaschinen wurden in Form der „Miss Helen“ und „Miss Velma“ schnell gefunden. Grey konnte unverletzt landen. Der Rest der Show war wie gewohnt eine schier endlose Reihenfolge von Highlights. Die einzige in Europa fliegende B-17 Flying Fortress bekam Begleitschutz durch „The Shark“; die weltweit einzige Bristol Blenheim Mk 1 erhielt Unterstützung von der im Dutzend anwesenden Supermarine Spitfire.

Erstmals fünf Hawker Hurricane in Duxford

Eine weitere britische Ikone war mit der Hawker Hurricane stark vertreten. Noch nie zuvor hatte es fünf Maschinen dieses Musters bei der Veranstaltung gegeben – darunter auch die seltene Sea Hurricane der Shuttleworth Collection. Große Aufmerksamkeit bekamen jedoch nicht nur die Warbirds, sondern auch die drei Rennflugzeuge aus den 1930er Jahren. Die Percival Mew Gull, de Havilland Comet und Travel Air Type R wurden selbstverständlich auch im Flug gezeigt.

Gekrönt wurden die beiden Veranstaltungstage durch das „Balbo“. Diese Massenformation sorgt jedes Mal aufs Neue für Gänsehaut, wenn über 15 Warbirds mit ihren mächtigen Kolbenmotoren den Platz zum Dröhnen bringen. Für einen weiteren Schock sorgte am Ende des Überflugs die TF-51D „Miss Velma“. Aufgrund eines Motorenproblems musste der Pilot im letzten Moment von der geplanten Landung auf der Graspiste absehen, landete den Doppelsitzer gekonnt auf einem angrenzenden Feld und konnte dadurch Schlimmeres verhindern. Die Mustang wurde beschädigt, steht jedoch inzwischen wieder auf ihrem Fahrwerk und wird in den kommenden Monaten repariert.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 07/2017

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Philipp Prinzing


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