23.10.2017
Erschienen in: 07/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Deutscher JägerFlugfähige Messerschmitt Bf 109

Einst wurden über 33 000 Bf 109 gebaut, doch heute gehört der legendäre Jäger der Luftwaffe zu den wahren Raritäten am Himmel. Selbst wenn man die spanischen Lizenzbauten mit Merlin-Motor hinzurechnet, sind derzeit weltweit nicht einmal ein Dutzend Maschinen im Flugbetrieb.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Bf 109 fast gänzlich vom Himmel verschwunden. Nur in der Schweiz und in Finnland flogen noch bis 1949 beziehungsweise 1954 originale Flugzeuge aus deutscher Produktion. Hinzu kamen die zwischen 1946 und 1949 gebauten tschechischen Avia S-99 und S-199 mit Jumo-Motor. Hispano Aviación produzierte schließlich in Sevilla ab 1947 noch die HA-1109 mit Hispano-Suiza-12Z- und ab 1954 die HA-1112 mit Rolls-Royce-Merlin-Motoren. Diese Buchóns flogen noch bis 1967 bei den spanischen Luftstreitkräften, der Ejército del Aire.

Durch einen glücklichen Zufall entgingen viele der noch vorhandenen spanischen Maschinen der Verschrottung. United Artists war nämlich gerade bei den Vorbereitungen des Films „Battle of Britain“ („Luftschlacht um England“) und wollte möglichst viel Action in der Luft. Hamish Mahaddie, ein ehemaliger Bomberpilot der Royal Air Force, war damit beauftragt, die notwendigen flugfähigen Jäger und Bomber aufzutreiben. Er griff beherzt zu und kaufte nicht weniger als 28 Buchóns, von denen wohl 17 noch einsatzfähig waren. Die ersten Aufnahmen wurden im März 1968 auf dem Flugplatz Tablada bei Sevilla gedreht, spätere Szenen entstanden auch in Duxford und über Frankreich. Nach dem Ende der Dreharbeiten im Herbst wurden die HA-1112 an begierige Warbird-Fans verkauft und bildeten so den Pool, aus dem sich fast alle heute noch fliegenden Messerschmitt- Jäger rekrutieren.

In den über 40 Jahren seither haben die Buchóns meist eine wechselvolle Geschichte mit diversen Eignern erlebt. Die HA-1112- M1L mit der Zulassung G-AWHE, die seit Mai 2011 wieder im britischen Warbird-Mekka Duxford fliegt, gehörte zum Beispiel lange Jahre der Confederate Air Force (heute Commemorative Air Force). Dort flog sie mit diversen Fantasieanstrichen als Maschine des JG 52 und sogar der Legion Condor. Nachdem die Buchón fast 20 Jahre abgestellt war, wurde ab 1999 eine Restaurierung durchgeführt. Im Mai 2004 kam sie endlich wieder in die Luft. Bald darauf stand sie zum Verkauf und wurde für vermutlich 650 000 Dollar (490 000 Euro) an die Spitfire Ltd. In England verkauft. Die Historic Flying Ltd. in Duxford hatte weitere Arbeiten durchgeführt, bevor die nun als G-AWHE zugelassene HA-1112-M1L am 6. Mai 2011 mit John Romain den ersten Testflug in Duxford durchführte. Seither ist sie, lackiert in den Farben des Flugzeugs von Major Erich Gerlitz, Kommandeur der III. Gruppe des JG 53 „Pik-As“, auf zahlreichen Flugtagen vertreten. Eine zweite HA-1112 ist seit 2006 ebenfalls in Duxford stationiert. Die G-BWUE wurde von der Real Aeroplane Company restauriert und zunächst in den Farben des Flugzeugs von Hauptmann Werner Schroer (JG 27) lackiert. Im Jahr 2010 erhielt sie einen neuen Anstrich mit der Fantasiekennung „Gelbe 10“.

Die dritte HA-1112 in Europa ist bei der Air Fighter Collection auf dem Flugplatz Heringsdorf auf Usedom beheimatet. Die heutige D-FMVS ging nach ihrem Filmauftritt 1968 (als „rote 5“) zur Confederate Air Force nach Harlingen in Texas (Zulassung N9939). Dort wurde sie im Oktober 1976 bei einer heftigen Bauchlandung schwer beschädigt, als sich der Pilot bei einem tiefen Vorbeiflug verschätzte. Erst Anfang der 1990er Jahre machte sich der Geschäftsmann Harold Kindsvater aus Clovis in Kalifornien an eine Restaurierung – für die Buchón hatte er seine Bf 108 und einen Fieseler Storch an die CAF abgegeben. Es dauerte fast zehn Jahre, bis die HA-1112 (nun mit der Zulassung N109W) am 5. Oktober 2000 wieder in die Luft kam. Den Erstflug führte Charlie Brown durch, Kindsvater selber musste erst auf der T-6 trainieren, bevor er im Juli 2001 erstmals den Jäger flog.

Richtig glücklich wurde Kindsvater mit seiner Me aber wohl nicht, denn bereits 2005 stand sie für 1,5 Millionen Dollar (1,1 Mio. Euro) zum Verkauf. Bis die HA-1112 aber einen Abnehmer fand, dauert es etwas. Erst im Januar 2010 kam die Maschine zu Meier Motors in Bremgarten. Dort wurde sie gründlich gecheckt, bevor Walter Eichhorn am 12. Mai den ersten Flug in Deutschland durchführte. Derzeit ist die Maschine nach einem Rollunfall im Mai 2013 außer Gefecht, wird aber wohl bei Meier Motors repariert.


WEITER ZU SEITE 2: Bf 109 bei Messerschmitt-Stiftung

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