09.03.2018
Erschienen in: 02/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

Deutsche GinaFiat G.91 bei der Luftwaffe

Die Luftwaffe flog mehr als 300 Exemplare der Fiat G.91 und war damit der größte Betreiber des leichten Jagdbombers. Der Jet leistete bei fünf Verbänden zuverlässig seinen Dienst. Die Ära der „Gina“ endete erst im Jahr 1982.

Anfang 1958 wählte die NATO die Fiat G.91 als neues, leichtes Erdkampfflugzeug. Allerdings entschieden sich in der Folge nur Italien und Deutschland für einen Kauf. Am 6. November 1958 hatte der Verteidigungsausschuss des Bundestages die Beschaffung von 50 G.91 R.3 sowie 44 G.91 T.3 bei Fiat genehmigt. Ein Abkommen zum Lizenzbau folgte wenig später. Die deutschen „Ginas“ waren mit zwei 30-mm-Kanonen DEFA 552 anstelle der üblichen vier 12,7-mm-MGs bewaffnet. Die Arbeitsgemeinschaft Süd, bestehend aus Dornier, Heinkel und Messerschmitt, produzierte 316 Exemplare – davon 22 Doppelsitzer G.91 T.3, deren britisches Orpheus-Triebwerk in Lizenz bei Klöckner-Humboldt-Deutz entstand. Damit war Deutschland der größte Betreiber der „Gina“. Der Erstflug der G.91 R.3 von Dornier (Kennung ED+101) erfolgte am 20. Juli 1961 mit dem Testpiloten Franziskus Marinus Tuytjens am Steuer. Die Produktion endete bereits am 26. Mai 1966.

Die Luftwaffe plante die Aufstellung von zwei Aufklärungs- und vier Jagdbombergeschwadern mit dem neuen Muster. Die Einführung und Ausbildung begann bei der Waffenschule der Luftwaffe (WaSLw) 50 in Erding. Im Mai 1960 reisten die ersten beiden Luftwaffen-Piloten nach Turin, um bei Fiat auf die G.91 umzuschulen. Fünf Monate später überführten sie die ersten beiden bei Fiat gebauten G.91 nach Erding. Im November 1960 begann dort der erste Ausbildungskurs. Mitte der 60er Jahre musste die Führung die Planung aus finanziellen und personellen Gründen auf vier Geschwader reduzieren, die nun als Leichte Kampfgeschwader (LeKG) bezeichnet wurden.

Die Schulung oblag nach wie vor der WaSLw 50, die zu Beginn des Jahres 1964 in Fürstenfeldbruck eine neue Heimat gefunden hatte. Deren Auftrag konzentrierte sich  – nach Verlagerung der fliegerischen Grundausbildung in die USA im Jahr 1968 – auf die Schulung von G.91-Piloten.

Nach der Beschaffung der F-4 Phantom durch die Luftwaffe erfolgte in „Fürsty“ zeitweise die Ausbildung von Kampfbeobachtern. Hier kamen die G.91-Doppelsitzer zum Einsatz. Am 1. Oktober 1978 erfolgte die Umbenennung in Jagdbombergeschwader 49. Ende 1979 konnte die Einheit die 200 000. Flugstunde auf der G.91 verzeichnen. Wenig später begann die Ausmusterung zugunsten des Alpha Jets. Am 9. Januar 1980 startete die letzte G91 R.3 zur Luftwaffen-Schleuse nach Oldenburg. Die Trainer folgten zwei Jahre später.

Der erste G.91-Einsatzverband der Luftwaffe war das Aufklärungsgeschwader 53, das im Oktober 1961 in Erding aufgestellt und später nach Leipheim an der Donau verlegt wurde. Im Jahr 1965 erfolgte die Umbenennung in LeKG 44. Während die anderen Verbände auf andere Typen umrüsteten, wurde das LeKG 44 im April 1975 aufgelöst.

Das Jagdbombergeschwader 41 in Husum schloss im Mai 1965 die zwei Jahre zuvor begonnene Umrüstung von der Republic F-84F Thunderstreak auf die G.91 R.3 ab und wurde am 1. Januar 1966 in LeKG 41 umbenannt. Schon am 17. Mai 1967 absolvierten die Piloten die 25 000. Flugstunde auf dem kleinen Jagdbomber. Der Verband nahm erfolgreich an mehreren Übungen und Wettbewerben teil. Ersatz kam Anfang der 80er in Form des Dassault/Dornier Alpha Jets. Die letzten vier G.91 verließen Husum am 11. Feburar 1982.

Auch das Jagdgeschwader 73 in Pferdsfeld sollte 1963 von der Canadair CL-13 Sabre Mk 6 auf die G.91 R.3 umrüsten, doch im Mai 1964 machten technische und personelle Schwierigkeiten den Planern einen Strich durch die Rechnung. Erst 1966 setzte der nun als Jagdbombergeschwader 42 (später LeKG 42) bezeichnete Verband die  Umrüstung auf die „Gina“ fort; sie wurde 1967 abgeschlossen. Nicht einmal zehn Jahre später stieg der Verband von der kleinen Fiat auf ein ganz anderes Kaliber um: die McDonnell Douglas F-4F Phantom II. Im April 1975 war die Ära der G.91 in Sobernheim/Pferdsfeld beendet.
Im Mai 1966 begann auch das Jagdbombergeschwader 43 in Oldenburg mit der Umrüstung  von der Sabre auf den italienischen Jet und wurde im folgenden Jahr in LeKG 43 umbenannt. Der Alpha Jet übernahm ab Februar 1981.


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Patrick Hoeveler


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