25.09.2017
Erschienen in: 05/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

USAF strich TrainingsprogrammFairchild T-46 - Fairchilds letztes Flugzeug

Mit dem Gewinn des NGT-Wettbewerbs der US Air Force hoffte Fairchild Republic auf glänzende Geschäfte, doch Sparmaßnahmen und Managementprobleme führten zum Aus für die T-46A. Dies bedeutete Mitte der 1980er Jahre gleichzeitig das Ende für das traditionsreiche Werk in Farmingdale auf Long Island.

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Gegen Ende der 1970er Jahre begann die US Air Force mit der Suche nach einem Nachfolger für seinen Jettrainer T-37, denn die ab 1957 von Cessna gelieferte „Tweet“ kam langsam in die Jahre. Zudem erwiesen sich ihre fehlende Druckkabine und die lärmenden, Kerosin schluckenden Triebwerke als zunehmend problematisch. Nach einigen Vorarbeiten nahm die USAF daher im Februar 1980 ihr Next-Generation-Trainer-Programm (NGT) offiziell in Angriff. Dabei wurden zunächst sowohl eine Modernisierung der T-37, der Kauf eines bereits fliegenden Musters oder eine komplette Neuentwicklung untersucht. Interessierte Firmen wurden aufgefordert, bis Ende März ihre Vorschläge einzureichen.

Nach deren Durchsicht erhielten Cessna, Fairchild Republic, General Dynamics, Rockwell und Vought im Juni 1980 Verträge für detaillierte Konzeptstudien, die bis Mitte Oktober abgeschlossen wurden. Cessna schlug dabei die T-37D mit neuen Triebwerken und besserer Avionik vor, während Fairchild unter anderem an einem Entwurf auf Basis der A-10 arbeitete. Rockwell (Nova NT-1) und General Dynamics boten kleine Zweistrahler mit seitlich eingebauten Triebwerken an. Vought schließlich hatte im März ein Kooperationsabkommen mit dem deutsch- niederländischen VFW-Konzern unterschrieben, um eine zweimotorige Ausführung des Rhein- Flugzeugbau Fantrainers mit nebeneinander liegenden Sitzen zu offerieren.

Nach den Plänen der Air  Force sollte im Frühjahr 1981 ein Entwurf für die Entwicklung ausgewählt werden. Ziel war die Einführung des neuen Trainers ab etwa 1987, wenn die T-37 nach und nach ihre maximale Lebensdauer von 15 000 Flugstunden erreicht haben sollten. Erst einmal hatten manche Politiker im Kongress allerdings andere Vorstellungen und verlangten eine Untersuchung, ob die Air Force den T-34CTrainer der Navy übernehmen könnte. Studien ergaben laut dem General Accounting Office (GAO), dass die T-34C bei isolierter Betrachtung der „primary phase“ über 20 Jahre hinweg die billigste Lösung wäre, bei Einbeziehung der gesamten Ausbildung allerdings die teuerste (weil dann mehr auf T-38 geflogen werden müsste).

Als Präsident Ronald Reagan im März 1981 das neue Verteidigungsbudget vorlegte, war die Idee der T-34 aber wieder vom Tisch, und die US Air Force gab am 7. Oktober ihre formelle Angebotsaufforderung heraus. Vought und General Dynamics antworteten darauf nicht. Dafür traten aber Gulfstream American mit seiner Peregrine und Ensign Aircraft aus Kalifornien mit der EA-12 als neue Konkurrenten auf den Plan. Ihre Angebote entsprachen jedoch nicht den Anforderungen und wurden daher nicht weiter bewertet.

Als Sieger des finalen Dreikampfs wurde am 2. Juli 1982 schließlich Fairchild Republic verkündet. Nach späteren Angaben des General Accounting Office „waren die wahrscheinlichen Lebensdauerkosten des Fairchild NGT nicht die niedrigsten; sie waren aber nur 1,5 Prozent höher ..., nd die Differenz wurde durch die überlegenen Eigenschaften ... mehr als ausgeglichen.“ Das Unternehmen erhielt daher einen Festpreisauftrag in Höhe von 104 Millionen Dollar für die Entwicklungsphase inklusive einer Option für die ersten 54 Serienflugzeuge. Langfristig war ein dickes Geschäft für 650 Maschinen im Wert von 3,44 Milliarden Dollar in Aussicht. Zusätzliche Bestellungen erhoffte man sich aus dem Ausland, wofür Fairchild Republic das Model 225 mit Bewaffnung anbot.

Das Unternehmen konnte also aufatmen, denn ohne den neuen Trainer hätte die Zukunft für das Werk in Farmingdale angesichts des absehbaren Endes der A-10-Produktion düster ausgesehen. Entsprechend hatte sich Fairchild Republic ins Zeug gelegt und bereits ab etwa 1977 mehr als 30 mögliche Konfigurationen untersucht. Von der endgültigen Schulterdecker-Auslegung mit seitlichen Triebwerken und Doppelleitwerk baute man schließlich ein 1:1-Modell, das ab August 1981 auf den Air-Force-Basen Andrews, Wright-Patterson, Randolph und Vance den militärischen Spezialisten vorgestellt wurde.

Außerdem investierte Fairchild Republic in den Bau eines fliegenden Vorführmodells in reduzierter Größe. Die Rutan Aircraft Factory baute den Demonstrator gemeinsam mit der Ames Industrial Corporation. Wie bei Burt Rutan üblich, kamen dabei Glasund Kohlefaserwerkstoffe zum Einsatz. Als Antrieb wurden zwei Microturbo TRS 18- 056 verwendet. Das  bei Rutan als Model 73 geführte Flugzeug hob am 10. September 1981 in Mojave erstmals ab und wurde in den folgenden zwei Monaten für Untersuchungen der Flugeigenschaften verwendet. Die Kosten waren laut Fairchild mit 500 000 Dollar nicht höher als bei einer Windkanalkampagne. Heute ist das Flugzeug im Cradle of Aviation Museum auf Long Island zu sehen.


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