06.12.2017
Klassiker der Luftfahrt

Rekord-SprinterExperimentalflugzeug Nord 1500 Griffon

Ende der 50er Jahre war die mit einem kombinierten Turbojet-/Staustrahlantrieb ausgestattete Nord 1500 Griffon das schnellste Flugzeug in Westeuropa. Zur geplanten Weiterentwicklung zu einem Abfangjäger kam es jedoch nicht mehr.

IN DIESEM ARTIKEL

Fast abenteuerlich erscheinen heutzutage die Antriebsalternativen, mit der die Ingenieure nach Kriegsende die damals chronische Untermotorisierung von Kampfflugzeugen beheben wollten. Besonders in Frankreich, wo das Luftfahrtministerium Anfang der 50er Jahre einen schnellen Abfangjäger mit kurzer Reichweite als Verteidigung gegen mögliche Überschallbomber forderte, setzten die Konstrukteure auf den einfachen und leistungsstarken Staustrahlantrieb. Neben René Leduc betätigte sich die mit Arsenal zusammengeschlossene Nord Aviation auf diesem Gebiet. Während Nord mit der überschallschnellen Gerfaut bereits Erfahrungen mit Deltaflügeln machte, hatte Arsenal mit den in Frankreich „Stato-Réacteur“ genannten Aggregaten experimentiert. Versuche mit Exemplaren mit 0,6 Metern Durchmesser in verschiedenen Konfigurationen an einer Junkers Ju 88 und Gloster Meteor zeigten jedoch, dass ein Einsatz bei Unterschallgeschwindigkeit schwierig war.

Eine ungewöhnliche Kombination aus Turbojet für Start sowie Landung und Staustrahl für den Reiseflug sollte dieses Dilemma beseitigen. „Sie liegt gewissermaßen auf der Hand, da sich die beiden Antriebsarten auf natürliche Weise ergänzen: Das Staustrahlrohr leistet bei niedrigen Geschwindigkeiten keinen Schub, bei höheren Geschwindigkeiten wächst sein Schub. Umgekehrt vermindert die Strahlturbine ihren Schub gerade bei jenen Überschall-Machzahlen, bei denen sich das Staustrahltriebwerk zu lohnen beginnt“, sagte Nord-Forschungsdirektor Jacques Dupin im Jahr 1958. „Gleichwohl ist die rationelle Kombination der beiden Antriebsarten alles andere als einfach.“

Um das Risiko so weit wie möglich zu reduzieren, sollte der erste der beiden am 24. August 1953 bestellten, zunächst Guépard genannten Prototypen nur mit einen konventionellen Turbojet fliegen. Unter der Leitung von Claude Flamant entstand ein skurriles Flugzeug, das im Wesentlichen aus einem zylindrischen Rumpf für das Triebwerk bestand. Über dem großen Lufteinlauf war das Cockpit angeordnet. Ein Großteil des Treibstoffs fand im doppelwandigen Rumpf Platz. Der Deltaflügel, dessen Vorderkante um 60 Grad gepfeilt war, besaß kombinierte Quer- und Höhenruder. Zur Trimmung dienten feststehende Entenflügel unterhalb des Cockpits.


WEITER ZU SEITE 2: 150 Düsen sorgen für Schub

1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Deutsches Museum Neue App für Museumsbesucher

16.07.2018 - Für die Besucher des Deutschen Museums gibt es nun einen digitalen Begleiter. Seit heute steht die App kostenlos zum Download im App Store und bei Google Play bereit. Damit werden die Ausstellungen … weiter

Fotodokumente 1966: Farnborough wird international

16.07.2018 - Historische Bilder der Luftfahrtschau im britischen Farnborough aus dem Jahr 1966 — die 25. Ausgabe der Traditionsmesse war zudem ein Debüt: Zum ersten Mal präsentierten sich auch ausländische … weiter

Senkrechtstarter-Prototyp Rockwell XFV-12A

16.07.2018 - Ehrgeizige Ziele verfolgten die Planer der XFV-12A. Doch trotz aller Berechnungen mussten sie schließlich bei den Flugversuchen eingestehen, dass das Konzept nicht funktionierte. Der Senkrechtstarter … weiter

Leichter Jagdbomber Douglas A-4 Skyhawk

13.07.2018 - Der leichte Jagdbomber Douglas A-4 Skyhawk gehört zu den herausragend erfolgreichen Flugzeugentwürfen: Die einstrahlige Skyhawk wurde rund 25 Jahre lang gebaut, wobei fast 3000 Flugzeuge die … weiter

Erster britischer Atombomber Vickers Valiant

11.07.2018 - In den 1950er Jahren rüstete auch die Royal Air Force ihre strategische Bomberflotte auf Jetmuster um. Als schnelle Zwischenlösung bis zur Verfügbarkeit der fortschrittlichen Vulcan und Victor wurde … weiter


Klassiker der Luftfahrt 06/2018

Klassiker der Luftfahrt
06/2018
09.07.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- WB57 bei der NASA
- Lockheed SR-71 Blackbird: Der legendäre Mach-3-Jet im Detail
- Legion Condor: Erste Tests der neuen Jäger
- Ki-61. Die japanische Heinkel
- Die Staaken im Fronteinsatz