07.12.2017
Erschienen in: 06/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Erster WeltkriegBreguet 14: Landung im Feindesland

Die Navigation war im Ersten Weltkrieg alles andere als genau. Eine Staffel von sechs Breguet XIV mit amerikanischen Besatzungen sollte im Juli 1918 Eisenbahnlinien bei Metz bombardieren. Sie fanden ihr Ziel jedoch nicht und wurden vom Wind bis nach Koblenz geweht.

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Die Breguet 14 B2 „4012“ von Geschwaderkommodore Major Harry Brown und 2nd Lieutenant Harold A. Mac Chesney. Foto und Copyright: National Archives  

 

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Das amerikanische Geschwader 96th Aero Squadron, 1st Day Bombardement Group, wurde im August 1917 auf dem Kelley Field in der texanischen Stadt San Antonio aufgestellt. Bereits im Oktober 1917 wurde befohlen, das Geschwader – das zu diesem Zeitpunkt noch ohne Flugzeuge war – nach England zu verlegen, um es dort für den Einsatz in Frankreich zu trainieren. Doch als die Soldaten im November in Southampton von Bord gingen, wurden sie sofort weiter nach Clermont-Ferrand geschickt, wo sie im neu gegründeten 7th Aviation Instruction Center ihre fliegerische Ausbildung erhielten. Parallel dazu wurden die Mechaniker geschult. Es war vorgesehen, das 96th Aero Squadron mit französischen Doppeldecker-Bombern vom Typ Breguet 14 auszurüsten. Das Flugzeug wurde in Clermont-Ferrand in Linzenz montiert, so dass die Mechaniker fast täglich in die Fabrik in der Nähe des Flugplatzes gingen, um dort ihre Kenntnisse über diesen Flugzeugtyp zu vertiefen.

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Die zweite Jahreshälfte 1918 war in Frankreich von schlechtem Wetter geprägt. Dauerregen ließ die Flugplätze aufweichen – wie das Bild der Soldaten der 96th Aero Squadron auf dem Flugfeld von Amanty zeigt – und führte zu häufigen Unfällen bei der Landung. Foto und Copyright: National Archives/DEHLA  

 

Nach fünf Monaten in Clermont-Ferrand wurde die Einheit nach Amanty in der Nähe von Nancy verlegt, wo sie aber nicht mit neuen Breguet 14 ausgerüstet wurde, sondern mit zehn gebrauchten französischen Schulflugzeugen, die in einem sehr schlechten Zustand waren. Ende Mai 1918 befahl der Geschwaderkommodore Major Harry M. Brown, dass alle Flugzeuge innerhalb von zwei Wochen flugklar gemacht werden müssten, um endlich Einsätze fliegen zu können. Da Ersatzteile nicht zu bekommen waren, organisierten die Flugzeugwarte Material aus anderen Quellen. So mussten beispielsweise Teile von Ochsenkarren für die Verstärkung von Flügelholmen herhalten, und aus alten Reifen wurden Schleifsporne gefertigt. Als eine Breguet 14 des Geschwaders in der Nähe der Basis in einem Feld notlandete und zerstört wurde, schlachteten die Mechaniker das Wrack aus und verwendeten die Teile in den verbliebenen Flugzeugen.

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Die Piloten und Beobachter der 1st Day Bombardement Group bei Kriegsende im November 1918. Das Wappen zeigt einen Teufel und eine Bombe, umrahmt von einem Dreieck. In nur sechs Einsatzmonaten hatte die Einheit 40 Flugzeuge und 47 Soldaten verloren. Foto und Copyright: National Archives/DEHLA  

 

Am 12. Juni 1918 starteten acht Breguet 14 der 96th Aero Squadron zu ihrem ersten Feindflug nach Dommary-Baroncourt, wo eine Eisenbahnlinie bombardiert werden sollte. Aus diesem Anlass waren hochrangige britische und französische Vertreter nach Amanty gekommen und sahen den Abflug der Bomber. Der Ausbildungsstand der Besatzungen war schlecht: Nur zwei Piloten der Einheit verfügten über Kampferfahrung. Schon bald nach dem Start mussten zwei Breguet aufgrund überhitzter Motoren umkehren, die sechs anderen Flugzeuge fanden ihr Ziel und warfen insgesamt 640 kg Bomben ab. Fotos von den Treffern wurden aber nicht gemacht. Bei der Rückkehr zum Feldflugplatz Amanty landeten drei der sechs Bomber mit leeren Tanks und ein weiterer hatte einen durch Feindbeschuss zerstörten Motor. 

In den nächsten Wochen versuchte die 96th Aero Squadron mehrfach, das Eisenbahndepot und die Eisenbahnbrücke von Conflans bei Metz zu bombardieren. Allerdings verhinderte schlechtes Wetter, dass die amerikanischen Piloten mit ihren Breguet-Doppeldeckern bis zum Ziel kamen. Die Einheit war massiv unter Erfolgsdruck.


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Volker K. Thomalla
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