22.08.2017
Erschienen in: 04/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

ErfolgsjägerHawker Hunter

Die Hawker Hunter ist eine Erfolgsgeschichte des britischen Flugzeugbaus. Der einstrahlige Jäger war nicht nur bei der RAF im Einsatz, sondern auch bei vielen Exportkunden.

Die Hawker Hunter gehört mit 1972 gebauten Exemplaren zu den großen Erfolgen des britischen Flugzeugbaus. Der elegante, einstrahlige Jäger bewährte sich bei Luftstreitkräften in 21 Nationen und stand über fünf Jahrzehnte lang im Dienst. Prototyp WB188 startete mit Neville Duke am Steuer am 20. Juli 1951 in Boscombe Down zum Erstflug.

Doch die Erfolgsgeschichte der Hunter begann erst nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten. Dazu zählten Probleme mit dem anfänglich verwendeten Triebwerk Rolls-Royce Avon, ein zu geringer Kraftstoffvorrat, eingeschränkte Steuerbarkeit und eine Tendenz zum Aufbäumen bei hohen Geschwindigkeiten, strukturelle Schäden aufgrund Erschütterungen durch die Bordwaffen, das Ansaugen von Munitionsgurtgliedern in das Triebwerk, unzureichende Sicht nach hinten und nicht, wie ursprünglich geplant, auch als Luftbremsen nutzbare Landeklappen. Die Fehleranalyse stützte sich auf drei systematische Gutachten: ein 1952/53 von der US Air Force durchgeführtes Vergleichsfliegen der Hunter gegen die F-86 Sabre, die Evaluierung in der Schweiz und auf eine Untersuchung durch die RAF für Einsätze im Nahen Osten. Nachdem Piloten, darunter Chuck Yeager, die Hunter getestet hatten, erkannten die Amerikaner das Potenzial des britischen Flugzeugs und attestierten die Verbesserungsfähigkeit der festgestellten Mängel. Die Schweiz testete 1957 die Hunter F Mk 6 mitsamt dem Einsatz der Luft-Boden-Waffen derartig streng, dass sich von der guten Beurteilung auch andere Nationen überzeugen ließen.

Die RAF verglich die Hunter für Patrouilleneinsätze im Nahen Osten mit der Gnat und der Jet Provost. Der Jäger gewann wegen seines besseren Verhältnisses von Zuladung zu Reichweite.

Die erste Serien-Hunter flog am 16. Mai 1953. Es folgten zahlreiche Versionen (Mark 1 bis 88) und technische Modifikationen, darunter eine Variante mit angeblasenen Landeklappen und einem strömungstechnisch optimierten Rumpf sowie eine Trainerversion mit zwei nebeneinander liegenden Sitzen. Nur die Versionen Mk 2 und Mk 5 nutzten das Sapphire-Triebwerk. Bis zum Jahr 1966 wurden 1972 Hunter in Kingston, Blackpool und Coventry sowie unter Lizenz in Belgien und den Niederlanden gebaut. Allerdings waren die Belgier 1956/57 mit ihren 112 frühen Hunter F.4 derartig unzufrieden, dass sie diese nach nur wenigen hundert Flugstunden wieder ausmusterten und verschrotteten. Auch eine nochmalige Produktion von 112 verbesserten Hunter F.6 stellte die Auftraggeber nicht zufrieden. Dieses Produktionslos wurde zurückgegeben. Anders als die erste Serie wurden diese Flugzeuge bei Hawker überholt und als Exportflugzeuge erfolgreich vermarktet. Indien, der Irak, Chile, Kuwait und der Libanon erhielten Flugzeuge aus diesem Los.

Neben RAF und Fleet Air Arm nutzten zahlreiche Exportkunden die Hunter, darunter Schweden, Dänemark, die Schweiz, Peru, Indien, Jordanien, Singapur, Abu Dhabi, Kenia und Katar. Das Einsatzprofil des langlebigen Kampfflugzeugs veränderte sich von der Abfangjagd zu Erdkampf und Aufklärung. Erst Ende der 90er Jahre schieden die letzten Hunter bei der britischen Empire Test Pilots School, der dortigen Defence Research Agency sowie in Simbabwe und Indien (2000) aus dem Dienst aus.

Noch bis 1994 wurde die Hunter in der Schweiz militärisch eingesetzt. Seitdem sind insgesamt fünf der ausgemusterten Flugzeuge, drei Hunter Mark 58 und zwei Mark 68, zivil zugelassen worden, um von Liebhabervereinen flugfähig erhalten zu werden. Sie sind in Altenrhein und St. Stephan beheimatet. Die Doppelsitzer nehmen, zu festgelegten Terminen, als besondere Attraktion auch Fluggäste mit, sofern diese Vereinsmitglieder sind oder werden. Die hohen Unterhaltsund Betriebskosten der historischen Jets schlagen sich in den Ticketpreisen von 4900 Franken (20 Min.) oder 6900 Franken (40 Min.), plus Mehrwertsteuer, nieder. Dafür winken spektakuläre Rundflüge durch die Schweiz mit einem selten gewordenen, historischen Fluggerät.

Technische Daten

Hawker Hunter 
Einsitziger Abfangjäger und Erdkämpfer

Besatzung: 1 Pilot
Bewaffnung: vier 30-mm-MK im Bug und zwei 454-kg-Bomben oder Raketen unter den Flügeln
Antrieb: 1 Rolls-Royce Avon 203 mit 44 kN Schub
Länge: 13,98 m
Spannweite: 10,25 m
max. Startmasse: 10 800 kg
Höchstgeschwindigkeit: 1170 km/h
Reichweite: 1481 km in 7620 m Höhe

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2013

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
Britischer Überschalljäger English Electric Lightning

30.11.2018 - In den 1950er Jahren entwickelte English Electric den ersten britischen Überschalljäger, der in Serie ging. Die vom Versuchsmuster P.1 abgeleitete English Electric Lightning war zugleich der letzte … weiter

Fotodokumente Erkennungszeichen alliierter Flugzeuge während der Invasion 1944

08.11.2018 - Als Schutz gegen eine Verwechslung mit deutschen Flugzeugen trugen alliierte Maschinen während der Invasion in der Normandie im Juni 1944 weiß-schwarze Streifen. … weiter

Heißsporn Blackburn Firebrand

18.10.2018 - Als Jäger geplant, aber als Bomber genutzt: Die Blackburn Firebrand sollte als trägergestützter Jäger eingesetzt werden, war allerdings zu groß und schwer. Die Navy fand allerdings für sie Verwendun … weiter

Mächtiger Donnervogel Avro Vulcan: Der größte Deltabomber der Welt

20.09.2018 - Die 50er Jahre stellten eine Zeit der technologischen Neuerungen dar. Eines der beeindruckendsten Flugzeuge aus dieser Dekade war die Avro Vulcan, deren kraftvolle Eleganz bis heute fasziniert. … weiter

Der Feuerspeier Supermarine Spitfire

12.09.2018 - Die Spitfire gilt als der britische Kultjäger des Zweiten Weltkriegs und wird im Vereinigten Königreich noch heute entsprechend verehrt. Das mit 20 341 Exemplaren (und 2556 der Marineversion Seafire) … weiter


Klassiker der Luftfahrt 01/2019

Klassiker der Luftfahrt
01/2019
26.11.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Oscar Bösch: Rammeinsatz mit der Fw 190
- Martin Marietta X-24: Auftriebskörper ohne Flügel
- Zerstörer: Einsatz mit der Messerschmitt Bf 110
- Spoerfliegerei: Die Übernahme des deutschen Luftsports 1933
- Würger 2.0: Jerry Yagens besondere Flug Werk 190