15.07.2017
Erschienen in: 05/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

Familien-FlugzeugDouglas C-47 „Night Fright“ zerlegt und nach Großbritannien verschickt

Die Douglas DC-3 ist eine Ikone der luftfahrt und auch heute noch an etlichen Flughäfen auf der ganzen Welt präsent. Viele der noch fliegenden Maschinen sind jedoch C-47, die militärische version der DC-3. Eine dieser Dakotas wurde nun in Florida demontiert und auf den Weg nach Großbritannien geschickt.

Vor 24 Jahren machte Familie Walker ihren Traum wahr. Sie kaufte das Land, auf dem einst die RAF- und USAAF-Basis Membury Airfield war. Mit dem Familiengeschäft, Walker Logistics Ltd., zog sie noch im selben Jahr in die historischen Hangars. Spezialisiert auf Lagerung, Transport und Abwicklung von Gütern, wuchs die Firma schnell. Es entstanden weitere Hallen auf dem historischen Grund. Die Geschäfte laufen noch heute gut, und so konnten sich die Geschäftsführer Philip und Charlie Walker, der auch noch als Berufspilot arbeitet, einen weiteren Traum erfüllen: 2012 beschlossen sie, eine Douglas C-47 Dakota zu kaufen.

Charlie, der großes Interesse an der Luftfahrtgeschichte hat, wollte eine Maschine haben, die während des Zweiten Weltkriegs von Membury aus geflogen ist. Verschiedene Muster waren dort stationiert, doch eines ist den Anwohnern bis heute besonders in Erinnerung geblieben: die militärische Version der DC-3.

Eine lange Recherche war nötig, bis Charlie tatsächlich fündig wurde. Die 42-100521 stand in Arkansas, und nach der Begutachtung durch die DC-3-Spezialisten Frank und Glen Moss von Shell Creek Aviation wurde der Kauf im November 2012 vollzogen. Die Walkers waren nun im Besitz einer C-47, die eine interessante Historie aufweist: 1943 hatte das Flugzeug das Werk der Douglas Aircraft Company in Long Beach verlassen und ihre Reise zum Kriegsschauplatz in Nordafrika angetreten. Die Route führte seinerzeit über Nordamerika, Puerto Rico, Britisch Guyana, Brasilien und die kleine Insel Ascension im Atlantischen Ozean. Von dort aus überquerte sie den Atlantik und erreichte schließlich Marrakesch. Die letzte Etappe führte nach Nottinghamshire, wo die Maschine am 7. Januar 1944 an die 9. US-Luftflotte übergeben wurde. 

Die wahre Identität der C-47 wird bekannt

 In den Monaten darauf folgten verschiedene Einsätze bis hin zum D-Day, als die 100521 mit Hunderten anderer Dakotas Fallschirmspringer über der Normandie absetzte. Als Charlie Walker den Lebenslauf seines Flugzeugs in Erfahrung brachte, war für ihn auch die Zukunft klar. Es sollte wieder in seiner originalen Ausstattung und Lackierung wie zu Zeiten der Invasion auferstehen. Nicht nur das: Die C-47 sollte auch die originale Nose Art erhalten. Noch vor dem Einsatz am 6. Juni 1944 hatte die Crew den Schriftzug und die stilisierte DC-3 auf die Nase der heute als „Night  Fright“ (Nacht-Schreck) bekannten C-47 aufgebracht.

Am 24. April 2017 kehrte die inzwischen demontierte C-47 im Container nach England zurück und wurde nach Coventry transportiert, wo sie in den kommenden zwei Jahren umfassend restauriert wird. Die Arbeiten werden von Ben Cox von Air Atlantique und Clive Edwards durchgeführt. Die Hauptaufgaben, wie Korrosionsbeseitigung sowie der Einbau von neuen Motoren und Propellern, sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeschlossen sein. Danach soll die C-47 von ihrer alten Basis in Membury aus betrieben werden. Der erste größere Auftritt ist erst für das Jahr 2019 angedacht. Dann soll die „Night Fright“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Invasion in die Normandie zurückkehren, um Fallschirmspringer abzusetzen. Klassiker der Luftfahrt wird weiterhin über den Werdegang des historischen Flugzeugs berichten.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2017

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Philipp Prinzing
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Fotodokumente Über die ALSIB zur Front

12.12.2017 - Im Zweiten Weltkrieg erhielt die Sowjetunion im Rahmen des Lend-Lease-Abkommens Tausende von Flugzeugen von den USA. … weiter

Gegen den Trend Douglas A-4 Skyhawk

08.12.2017 - Klein und einfach statt groß und teuer: Das Konzept der Douglas A-4 ging auf. Mehr als ein halbes Jahrhundert nachdem die erste Skyhawk in Dienst gestellt wurde, befinden sich noch einige der … weiter

Großfrachter Douglas C-133 Cargomaster

02.12.2017 - Mit der in den 1950er Jahren entwickelten C-133 waren die amerikanischen Luftstreitkräfte erstmals in der Lage, Großfracht weltweit zu transportieren. Nach der Einführung der C-5 Galaxy geriet die … weiter

Museum Farmingdale American Airpower Museum

12.11.2017 - In einem der letzten noch erhaltenen Gebäude des historischen Republic-Werks auf Long Island findet sich eine interessante Sammlung von flugfähigen Warbirds. … weiter

Palmdale Flugzeugsammlung Joe Davies Heritage Airpark

09.11.2017 - Kaum 50 Kilometer Luftlinie von der Edwards AFB entfernt liegt der Air Force Plant 42. Auf dem seit 1940 genutzten Flugplatzgelände wurden die Space Shuttles, die TriStar und der B-1-Bomber gebaut. An … weiter


Klassiker der Luftfahrt 01/2018

Klassiker der Luftfahrt
01/2018
27.11.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Heinkel He 111 als Torpedobomber
- General Dynamics F-111
- Stuka Aichi D3A "VAL"
- Piaggio P.149D
- Gefechtsbericht F4U vs. MIG-15
- Aufbruch ins Jet-Zeitalter
- Serie: Erster Weltkrieg