23.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Leichter Kampfjet (Teil 4) Gestreckter Rumpf für den Doppelsitzer

kl 04-2013 Douglas A-4 Skyhawk (04)

Zur Bewaffnung der Skyhawk gehörten Snake Eye-Bomben mit ausklappbaren Finnen zum Abbremsen des Falls. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Die A-4E ging mit dem neuen J52-Triebwerk von Pratt & Whitney 1962 in Produktion. Zusammen mit der A-4D waren in den kommenden Jahren zahlreiche Angriffsstaffeln von US Navy und Marine Corps mit dem leichten Bomber ausgerüstet. Als der Krieg in Vietnam eskalierte, stand die Skyhawk daher in vorderster Front und war zum Beispiel von der USS „Constellation“ aus bei Angriffen auf Ziele in Nordvietnam im August 1964 beteiligt.

Nach Fertigstellung des etwa 80 km südlich von Da Nang gelegenen Platzes Chu Lai im Juni 1965 stationierten die Marines Skyhawks auch in Vietnam selbst. Die Staffeln VMA-225 und VMA-311 waren die ersten, die sich dort einrichteten. Sie mussten schon bald darauf einen Angriff der Vietkong mit abwehren. Die Bewaffnung der Skyhawks bestand dabei zunächst aus ihren 20-mm-Kanonen und Raketenbehältern. Auch Streubomben, Napalmbehälter und Snakeye-Bomben mit ausklappbaren Finnen zum Verzögern des Falls wurden verwendet. Gegen größere Ziele wie Brücken standen die Bullpup-Lenkwaffe oder die Gleitbombe Walleye zur Verfügung. Zudem erhielten die A-4 die AGM-45A Shrike zur Bekämpfung von Radarstellungen.

Ende 1967 traf die erste mit dem A-4-Nachfolger Vought A-7 Corsair II ausgerüstete Navy-Staffel mit der USS „Ranger“ vor Vietnam ein. Dennoch blieben die Skyhawks bis Kriegsende aktiv. Angeblich flog eine A-4 der Marines-Staffel VMA-311 am 27. Januar 1973 den letzten US-Kampfeinsatz über dem Land.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die A-4 bei Douglas (nun Teil von McDonnell Douglas) immer noch gebaut. Danach hatte es nach der Entscheidung für die A-7 zeitweise nicht ausgesehen. Als das Ende der A-4E-Fertigung absehbar war, wollte die Navy das Muster vorsichtshalber aber in der Produktion halten. Im Juni 1964 griff man daher einen Vorschlag von Douglas auf, die Skyhawk mit einem zweiten Sitz auch als Fortgeschrittenentrainer zu nutzen, und gab zwei Prototypen der TA-4E in Auftrag.

Douglas versuchte, die Änderungen auf ein Minimum zu beschränken. Der Rumpf wurde daher im Cockpitbereich nur um 71 Zentimeter verlängert. Platz für den leicht erhöhten Lehrersitz schaffte man zum Teil durch eine Verkleinerung des Rumpftanks. Außerdem nutzte man die Gelegenheit, das enge Cockpit im Schulterbereich zu verbreitern – erkennbar an der nun rechteckigen Frontscheibe. Mit dem Schleudersitz Escapac 1C-3 waren erfolgreiche Ausschüsse auch bei stehendem Flugzeug möglich. Schließlich führte man noch große Bremsklappen über den Spreizklappen ein. Diese fuhren bei der Landung automatisch aus und erleichterten auch das Handling bei Seitenwind. Als Triebwerk wurde ein J52-P-8A mit 41,37 kN Schub verwendet.

Die erste TA-4E flog am 30. Juni 1965. Nach der Erprobung begannen die Lieferungen der wegen der zahlreichen Änderungen bald in TA-4F umbenannten Flugzeuge im Mai 1966. Als erste Einheit wurde die in Lemoore, Kalifornien, stationierte VA-125 ausgerüstet. Die Skyhawk Fleet-Replacement-Staffel an der Ostküste (VA-44 in Cecil Field, Florida) erhielt ihre Flugzeuge ab August 1966. Die Instrumentenflug-Schulstaffeln VA-43, VA-45, VF-126 und VA-127 folgten bis Ende 1967. Beim Marine Corps ging der Doppelsitzer an die VMT-103 in Yuma und die VMT-203 in Cherry Point. Insgesamt 241 Maschinen wurden gebaut. Wie oben bereits erwähnt, waren die USA mittlerweile immer stärker im Vietnamkrieg involviert, wobei auch die A-4-Flotte dezimiert wurde. Etwa sechs Skyhawks gingen pro Monat verloren, mit Spitzen von bis zu 14 Maschinen, wie im Juli 1965. Obwohl die Einführung der A-7A als neues Angriffsmuster anstand, setzte sich die Navy daher für eine Wiederaufnahme der Produktion von einsitzigen Skyhawks ein. Im Dezember 1965 wurde der TA-4F-Auftrag geändert, so dass zunächst 46 A-4F gefertigt werden konnten. Bei ihnen übernahm man Änderungen wie Bugradsteuerung, Spoiler oder Escapac-1C-3-Schleudersitz sowie das J52-P-8A-Triebwerk.

Als Prototyp der A-4F diente eine A-4E, die am 31. August 1966 erstmals flog. Bei ihr fehlte noch der typische Buckel auf dem Rumpfrücken für zusätzliche Avionik, die Douglas zuvor teilweise anstelle von Munition in den Rumpf gequetscht hatte. Die Flugversuche zeigten die üblichen Kritikpunkte. Diese wurden aber weiterhin ignoriert, denn neue Skyhawks wurden dringend gebraucht. Schon 1967 waren die Staffeln VA-23 und VA-93 mit A-4F an Bord der „Ticonderoga“ auf dem Weg nach Vietnam. Insgesamt wurden 146 A-4F gebaut, von denen 100 im Laufe der Zeit das stärkere J52-P-408 (49,8 kN) erhielten.

Während der Vietnamkrieg die weitere Produktion der Einsitzer erforderte, bot der Ersatz der in die Jahre gekommenen TF-9JTrainer eine weitere Chance für das Unternehmen. Auf Anforderung der Navy wurde der Entwurf der vorhandenen TA-4F leicht überarbeitet. Unter anderem entfernte man die Kanonen und verzichtete auf diverse Waffensystemkomponenten. So wurden rund 100 Kilogramm Leergewicht eingespart, was wiederum die Verwendung des etwas schwächeren J52-P-6-Triebwerks ermöglichte.


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