30.05.2017
Erschienen in: 04/ 2017 Klassiker der Luftfahrt

OshkoshDouglas A-26 Invader: Rückkehr Nach Oshkosh

2016 musste die A-26 „Silver Dragon“ aufgrund eines Fahrwerksdefekts in Oshkosh notlanden. Jetzt steht die Rückkehr des Drachen bevor.

Der Sommer 2016 wird Tim Savage und seinem Sohn Job noch lange in Erinnerung bleiben. Sie blicken auf ein Erlebnis zurück, bei dem sie froh sein können, heute davon berichten zu können. Am Nachmittag des 25. Juli starteten sie beim EAA AirVenture zu einem Rundflug über die angrenzenden Seen. Beim ersten Anflug auf den Wittman-Regionalflughafen in Oshkosh stellten sie fest, dass sich das Bugrad ihres Zweite-Weltkriegs-Bombers vom Typ A-26 Invader nach dem Ausfahren nicht verriegeln ließ. Sie brachen die erste Landung ab und versuchten im Anschluss alles, um das Fahrwerk doch noch zu verriegeln. Leider ohne Erfolg, weshalb die Flughafenfeuerwehr ausrückte. Beim zweiten Landeanflug setzten Tim und Job Savage die Maschine gekonnt auf die Nase, ohne dass einer der Insassen zu Schaden kam. Die Invader erlitt dabei Beschädigungen am Bug und an den beiden Sternmotoren. Tim sagte im Nachhinein, dass sie zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit des Abschaltens der Motoren in Betracht gezogen hatten, um diese vor einem Shock-Load zu bewahren. Sie wollten bis zuletzt über genug Leistung verfügen, um gegebenenfalls wieder durchstarten zu können. Die „Silver Dragon“ wurde nach der Landung in einem Hangar vor Ort untergebracht. Dort steht sie heute wieder auf ihrem inzwischen reparierten Fahrwerk und wartet auf neue Motoren, um dieses Jahr wieder in die Luft zu gehen.

Wie die Maschine überhaupt in Tims Besitz kam und warum sie ihm so wichtig ist, hat er uns auch verraten. Als Tim sich im Jahr 2009, mitten in der Wirtschaftskrise in den USA, von seinen diversen Flugzeugen und seinem Fachmagazin „Warbird Digest“ trennte, rechnete er nicht damit, dass seine Abstinenz nur sechs Jahre dauern würde. Seine IT-Firma erholte sich schneller als gedacht, und bei einem Besuch in der Normandie anlässlich des 70. Jahrestags der Invasion nahm sich Tim vor, seinem Sohn Job die Leidenschaft für historisches Fluggerät zu vermitteln. Gesagt, getan. Tim setzte sich zu Hause mit seiner Frau zusammen und erklärte ihr, dass er die Erfahrungen rund um die Oldtimerfliegerei und der tollen Gemeinschaft mit ihrem Sohn teilen möchte, solange dieser noch daheim wohnte. Sie hatte volles Verständnis und stimmte einer Neuanschaffung zu. Dass Tim wenige Wochen später mit einem 15-Tonnen-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause kommen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt keiner der beiden.

„Ich habe schon immer mit einer Invader geliebäugelt“, schwärmt Tim. „Aber damals, im Jahr 2004, entschied ich mich dafür, ein Magazin zu verlegen und eine B-25 Mitchell zu kaufen. Diese fungierte fortan als Fotoflugzeug für den ‚Warbird Digest‘ – und als dessen Markenbotschafter. Die Werbefläche war wie gemacht für das Magazin.“

Mit einem 15-Tonnen-Bomber rechnete niemand

Nach dem Verkauf seiner Sammlung konnte Tim die Finger nie ganz von den Flugzeugen lassen und besuchte regelmäßig die einschlägigen Verkaufsportale, wo er sie dann schließlich fand: eine alte Bekannte, die 44-34104, aus ihrer Zeit bei der Historical Aircraft Squadron. Dort, in Lancaster, Ohio, war die Maschine über zehn Jahre lang restauriert worden. Ihre Geschichte ist natürlich viel länger und spielt sich auf drei Kontinenten ab. Gebaut wurde die Invader im Februar 1945 in Long Beach, Kalifornien, als A-26B-45-DL, und sie verließ umgehend das Land in Richtung Europa. Dort eingetroffen, erfolgte die Zuteilung zur 8. US-Luftflotte. Doch die Akten der 44-34104 sind unvollständig, und so lässt sich nicht mehr belegen, ob sie noch in den scharfen Einsatz kam. Im November 1945 gelangte sie wieder in die USA und wurde auf dem Hobby Army Airfield eingelagert.

Zwei Jahre später erfolgten die Übergabe an das Ogden Air Depot in Utah und die Ausrüstung mit einer Glasnase anstelle der Sechs-MG-Variante. Zudem erhielt das Flugzeug eine Grundüberholung. „Danach wird es leider wieder etwas diffus in der Historie meiner Maschine. Es wäre möglich, dass sie beim 126th Bombardment Wing bis Juni 1952 oder aber bei der 168th oder 108th Bomb Squadron nahe Bordeaux, Frankreich, eingesetzt wurde“, berichtet Tim. Ein weiteres Szenario ist, dass sie zu einer Gruppe von 48 A-26C gehörte, die nach Laon in Frankreich verlegt wurde und dann in Nachtjäger-Lackierung flog. In jedem Fall blieb die 34104 bis zum April 1956 in Europa.

Im Februar 1958 wurde sie aus dem Inventar der Streitkräfte gestrichen und stand – auf die Verschrottung wartend – fünf Jahre auf der Davis Monthan AFB. Doch sie entkam dem bösen Ende dank Will Martin, der seit den 1950er Jahren mit Militärflugzeugen handelte. Martin plante sie gegen P-51 und P-47 zu tauschen. Diese standen in Nicaragua und gehörten der einheimischen Luftwaffe. Nicaragua hatte nach dem Krieg Jäger für den Aufbau seiner Truppen erhalten. Der Geschäftsmann hatte schon einige Militärmaschinen aus dem zentralamerikanischen Land zurück in die USA gebracht, wollte auch hier den Deal machen und kam mit der Regierung überein. Er bekam die Jäger, und im Gegenzug musste er drei A-26 und mehrere T-28 liefern. Sein Buch „So I bought an Air Force“ beschreibt anschaulich seine Geschäfte im Warbird-Business der Nachkriegsjahre und wie er lernte, die Muster für die Überführung zu fliegen. So gelangte die „34104“ nach Mittelamerika.

Verschiedene Invader flogen fortan für die Fuerza Aérea de Nicaragua (FAN), auch Missionen für die CIA und gegen die Sandinista-Rebellen. Zwischen 1964 und 1965 wurde der Hauptholm im Flügel überholt, da sich dieser als Schwachstelle herausstellte. 1976 folgte die Ausmusterung der FAN A-26, und die Maschinen wurden auf einem Flugfeld abgestellt.

Es war der Warbird-Sammler David Tallichet, ein ehemaliger B-17-Pilot, der ein Jahr später ein erneutes Tauschgeschäft mit Nicaragua anleierte. Er bekam für einige Cessna 172 vier Invader und einige andere Ma­schinen. Am Ende war es nur die 34104, die den Weg zurück in die USA fand. Tallichet, der zu dieser Zeit eine der größten Warbird-Sammlungen in den USA hatte, nutzte seine Schätze unter anderem für Luftfahrt-Themenrestaurants oder überließ sie Museen als Leihgabe.

Vater-Sohn-Erinnerungen sammeln

Die A-26 bekam in den 1980er Jahren wieder eine US-amerikanische Militärlackierung und ging an das Combat Air Museum. 1992 endete sie mit einem defekten Motor auf dem Cuyahoga County Airport in Ohio. Dort wurde die Historical Aircraft Squadron (HAS) auf sie aufmerksam und trat mit Tallichet in Verhandlung, um die A-26 zu erhalten und zu restaurieren. Die HAS bekam den Zuschlag mit  der Vorgabe, die Invader flugfähig zu restaurieren. Der Besitzer blieb weiterhin Tallichet. Was folgte, war eine Instandsetzung über 12 000 Arbeitsstunden, bei der auch ehemalige A-26-Mechaniker halfen.

Am 29. Mai 2009 hob die Invader mit Norm Koerner am Steuer wieder ab. Der hochbetagte Tallichet war knapp zwei Jahre zuvor verstorben. Seine Angehörigen wollten die A-26 als Andenken erhalten und durch die 1941 Historic Aircraft Group betreiben lassen. Letztendlich flog sie aber doch nicht mehr. Im Jahr 2012 tauchte die Invader in den Anzeigen der Firma Courtesy Aircraft Sales auf.

Zwei Jahre dauerte es, bis Tim Ernst machte. „Sie war schon lange am Markt. Viele Interessenten dachten, es wäre ein schlechtes Zeichen, dass sie von Freiwilligen restauriert worden war. Ich wusste, dass sie auf einem hohen Level restauriert worden war, weil ich oft bei der HAS vorbeigeschaut hatte. Das war mein Vorteil“, erzählt Tim. „Im September 2014 war es dann so weit. Ich wollte meinem Sohn erst einmal verheimlichen, dass wir wieder ein Flugzeug hatten – bei all der Vorfreude war das sehr schwierig. Am Tag der Übergabe fuhren wir zum Flughafen, und ich sagte ihm, dass ein Freund mit einer Maschine uns besucht. So standen wir neben der Landebahn, als das Geräusch der Sternmotoren zu hören war. Job erkannte sofort die Silhouette und rief vor Freude, dass es sich doch um die Invader von der Courtesy-Website handelte und ob wir diese kaufen könnten. Ich erwiderte, dass wir sie jetzt nicht mehr kaufen könnten, da ich das schon längst gemacht hätte.

Job war außer sich! Am Abend, nachdem mein Sohn das Flugzeug eingehend in Augenschein genommen hatte, war ich mir sicher, alles richtig gemacht zu haben. Ich würde viel Zeit mit ihm verbringen und dank der Warbird-Szene und der ‚Silver Dragon‘ viele schöne Vater-Sohn-Erinnerungen sammeln.“

Die Restaurierung der Douglas A-26 Invader

kl 04-2017 Douglas A-26 Invader (10)

Der Sommer im Mittleren Westen macht die Outdoor-Restaurierung möglich. Foto und Copyright: via Morehead  

 

Die rund 12 000 Stunden dauernde Restaurierung der A-26 wurde von den freiwilligen Helfern der Historical Aircraft Squadron (HAS) in Lancaster, Ohio, durchgeführt. Viele von ihnen waren ehemalige Air-Force-Mechaniker, die während ihrer Dienstzeit an der Invader gearbeitet hatten. Die Maschine wurde komplett demontiert und für den Transport zu ihrem Hauptquartier auf einen Lkw ver­laden.

Die „Silver Dragon“ bekam neue Motoren und Propeller sowie viele neue Beplankungsabschnitte. Der Zahn der Zeit war an der alten Dame natürlich nicht vorübergegangen. Tim Savage kam seine Kenntnis von der Qualität der Restaurierungsarbeiten zugute, als er sich für den Kauf der Zweimot entschied, schließlich sind die freiwillig arbeitenden Mitglieder der HAS engagierte und erfahrene Spezialisten, die schon seit 1994 militärische Flugzeuge instand setzen.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2017

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Philipp Prinzing
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