02.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

US-Rüstung für die Alliierten (Teil 2) Einsatz in Frankreich im Juni 1940

Douglas A-20 Havoc (2) (jpg)

Bei der A-20H kam ein stärkeres Triebwerk zum Einbau. Diese Maschine ist mit dem 1415-Liter-Tank unter dem Rumpf ausgerüstet. Foto und Copyright: Douglas Aircraft Company  

 

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Die Ausbildung auf dem neuen Muster wollte die Armée de l´Air in den Kolonien in Nordafrika durchführen, da dort bessere Wetterbedingungen herrschten. Als die deutsche Westoffensive am 10. Mai 1940 begann, waren etwa 70 DB-7 in Nordafrika eingetroffen, die bei den Escadrilles GB I/19, II/19 und II/61 flogen. Auch die GB I/32 und die GB II/32 hatten gerade mit der Ausbildung begonnen. Die drei erstgenannten Staffeln des Groupement No 2 wurden eilig nach Frankreich beordert, wo sie am 31. Mai den ersten Einsatz flogen. Bis Mitte Juni 1940 kamen etwa 70 Einsätze gegen Truppenkonzentrationen, Brücken und Konvois zusammen, bei denen etwa ein Dutzend DB-7 abgeschossen wurden. Die verbleibenden Maschinen wurden wieder nach Nordafrika zurückgezogen. Dort waren sie bis zur Invasion der Alliierten im November 1942 für die Vichy-Regierung im Einsatz.

Nach Frankreich hatte sich im Juni 1939 auch das US Army Air Corps zu einer Bestellung des Douglas-Angriffsflugzeugs entschlossen. Der erste Auftrag umfasste 63 A-20 und 123 A-20A. Erstere Version sollte dabei mit 1700 PS (1265 kW) starken Wright R-2600-7 mit Turbolader ausgestattet werden, die A-20A mit nicht aufgeladenen R-2600-3 oder -11. Beiden Varianten gemeinsam waren verlängerte Triebwerksgondeln. Außerdem wurde die Abflugmasse um 1700 kg erhöht und der Bug um 15 cm verlängert, um dem Bombenschützen mehr Platz zu bieten. Die Kühlung der aufgeladenen Motoren erwies sich schnell als Schwachpunkt, und da die Höhenleistung angesichts der vorgesehenen Einsätze in mittleren und niedrigeren Höhen nicht benötigt wurde, verzichtete man letztlich bis auf ein Versuchsmuster auf den Einbau der Lader.

Das Army Air Corps nutze die A-20 als Nachtjäger (siehe Kasten zur P-70). Die A-20A, die am 16. September 1940 erstmals geflogen war, wurden ab November geliefert. Sie gingen ab Frühjahr 1941 bei der 3rd Bombardment Group (Light) in Savannah, Georgia, in Dienst, gefolgt von der 27th BG(L). Bei Jahresende waren auch Flugzeuge in Hawaii stationiert (58th Bombardment Squadron).

Unterdessen hatte Großbritannien den Douglas-Bomber ebenfalls in Auftrag gegeben. Jeweils 150 Flugzeuge der Version DB-7B „Boston“ wurden am 20. Februar und am 17. April 1940 von der Einkaufskommission bei Douglas unter Vertrag genommen. Mit dem Fall Frankreichs im Juni 1940 nach dem deutschen Westfeldzug wurden darüber hinaus alle bisher von Paris bestellten, aber noch nicht gelieferten DB-7, DB-7A und DB-73 den Briten zugeschlagen (inklusive aller Flugzeuge, die bereits auf See unterwegs waren). Sie gingen zunächst zum Flugzeugreparaturwerk in Burtonwood, wo notwendige Modifikationen durchgeführt wurden, wie zum Beispiel der Austausch der Instrumente (metrische gegen britische Maße), der Gashebel (umgekehrte Wirkungsweise) und der MGs (7,5 mm N gegen 7,7 mm Browning).

Ähnlich wie das Army Air Corps nutzte die RAF einen Teil ihrer DB-7 als Nachtjäger. Alle Maschinen mit zweistufigem Lader erhielten die Bezeichnung Havoc I, und die DB-7A wurden zu Havoc II. Als Grundausstattung der Havoc I dienten acht Browning-MGs im Bug und das Air-Intercept-Radar Mk IV oder Mk V mit Antennen im Bug und unter den Tragflächen. Die Besatzung bestand aus dem Piloten und dem Radarbediener.

Als erste Staffel war die No 85 Squadron ab März 1941 mit der Havoc I ausgerüstet, die No 25 und No 600 Squadrons folgten. Die No 23 Squadron nutzte die Havoc I ab Anfang 1941 mit Glasbug als nächtliche Störbomber mit 1070 kg Bombenlast und Dreimanncrew. Weitere Varianten waren die Havoc I (LAM) zum Abwurf von Long Aerial Mines (mit einem 600 Meter langen Seil an Fallschirmen befestigten kleinen Bomben gegen Flugzeuge) sowie die Havoc I (Turbinlite) mit großem Suchscheinwerfer im Bug. Diese sollte mit Hurricanes bei der Nachtjagd zusammenarbeiten.

Die ersten von Anfang an für die RAF bestimmten Boston III mit verbesserter Panzerung und selbstdichtenden Tanks sowie verdoppelter Kraftstoffkapazität (1490 l) trafen im Laufe des Jahres 1941 ein. Ab Oktober wurde zunächst die No 88 („Hong Kong“) Squadron mit ihnen ausgerüstet, die dann im Februar 1942 in den Einsatz ging.

Weitere Einheiten waren die No 226, No 107 und No 343 „Lorraine“ Squadrons. Sie wurden unter anderem gegen feindliche Schiffe im Ärmelkanal sowie gegen Ziele in den Niederlanden eingesetzt. Im Mittelmeerraum und in Nordafrika waren die Staffeln 13, 18, 55 und 114 mit Boston III aktiv. Neben den zunächst bestellten Boston III erhielt Großbritannien im Laufe des Krieges weitere Flugzeuge über den Leih- und Pachtvertrag (kostenlose Überlassung von Kriegsgerät an Verbündete durch die USA). Diese Boston IIIA entsprachen den A-20C der US Army Air Force (USAAF, neue Bezeichnung des AAC seit Juni 1941).

Im Oktober 1941 bestellte die niederländische Exilregierung 48 DB-7C für den Einsatz bei der Koninklijke Marine Luchtvaartdienst in Niederländisch-Ostindien (heute Indonesien). Sie entsprachen weitgehend dem Standard der britischen DB-7B, hatten aber Halterungen für ein Torpedo unter dem Rumpf. Angesichts des Vormarschs der Japaner wurden vorab sechs Boston III zum Hafen von Tjilatjap auf Java verschifft, wo sie im Februar 1942 eintrafen. Als die Japaner die Insel überrannten, waren aber längst noch nicht alle wieder aufgebaut. Ein Flugzeug soll nach Japan verfrachtet worden sein. Die DB-7C kamen zu spät und wurden daher an die Sowjetunion geliefert.

Bei der USAAF flog die inzwischen als Havoc bezeichnete A-20A ihre ersten Einsätze im August 1942 von Port Moresby in Neuguinea aus. Dort war die 89th Squadron der 3rd Bomb Group stationiert. Diese hatte ihre Flugzeuge zwischenzeitlich selbst mit einem 1700-Liter-Zusatztank im Bombenschacht und vier weiteren 12,7-mm-MGs im Bug nachgerüstet.


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