07.08.2017
Klassiker der Luftfahrt

Das berühmteste Flugboot seiner Zeit (Teil 3) Erste Wale entstanden in der Militärausführung

kl 05-2009 Dornier Wal (4) (jpg)

Auch die jugoslawische Luftwaffe nutzte den Dornier Wal. Diese Aufnahme entstand in den 30er Jahren über der dalmatinischen Küste. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Als zuverlässiger erwiesen sich die bald verwendeten Rolls-Royce Eagle, die mit je 360 PS zudem etwas mehr Leistung boten. Mit den britischen V-12 Motoren verbesserte sich die Höchstgeschwindigkeit geringfügig auf 180 km/h. In 33 Minuten kletterte das Flugboot auf 3000 m Höhe. Dornier gibt die Dienstgipfelhöhe mit 3500 m an. 

Die ersten Serien-Wale baut CMASA für Spanien und die italienischen Streitkräfte. Es handelt sich durchweg um sogenannte Militär-Wale. Sie waren mit einem offenen Beobachtersitz mit MG im Bug ausgestattet. In einem ebenfalls offenen Cockpit dahinter saßen nebeneinander der Pilot und sein Co. Normalerweise wurden die ersten Militär-Wale mit dieser dreiköpfigen Besatzung geflogen. Wahlweise konnte auch ein zweiter Beobachterstand auf dem Rumpfrücken besetzt und mit einem MG ausgerüstet werden.

Um die Vermarktung der Dornier Wale auf eine breitere Basis zu stellen, begann CMASA bald mit der Entwicklung des sogenannten Verkehrs-Wales, der ab 1924 angeboten wurde. Auch ihn gab es im Laufe der Jahre in verschiedenen Motor- und Ausbauversionen.

Für die 20er Jahre war die Verbreitung dieses Flugzeugs geradezu sensationell. Dornier exportierte das Flugboot in nicht weniger als 19 Länder. Die genaue Zahl aller produzierten Wal-Flugboote steht nicht fest. Folgt man den Nachforschungen von Michiel van der Mey, Dornier-Wal-Experte und Autor des aufwändig recherchierten Buches „Dornier Wal – a Light coming over the Sea“, waren es auf jeden Fall über 325 Exemplare. Andere Quellen sprechen von lediglich 264.

Nach dem Anlauf der Produktion, die wegen der Einschränkungen im Flugzeugbau in Folge der Versailler Verträge die eigens gegründete CMASA (Costruzioni Meccaniche Aeronautiche S. A.) im italienischen Küstenörtchen Marina di Pisa übernahm, schloss Dornier mehrere Lizenzabkommen. In den Niederlanden startete Aviolanda in Papendrecht 1927 die Produktion von 38 Flugzeugen für die Marineflieger der niederländischen Ostindien-Streitkräfte, in Spanien baute CASA in Cadiz etwa 20 Dornier Wal, in Japan bei Kawasaki und in der Sowjetunion, hauptsächlich beim Flugzeugwerk im südrussischen Taganrog am Asowschen Meer, nochmals wahrscheinlich über 100 Flugzeuge.

Im Laufe seines Produktionszeitraums von 1922 bis 1935 durchlief der Dornier Wal eine ganze Reihe von Evolutionsstufen. Die modulare Triebwerksauslegung ermöglichte es den Kunden, praktisch jeden gewünschten Motortyp in die Tandem-Motorgondeln über dem Flügel montieren zu lassen, ohne dass eine wesentliche strukturelle Änderung der Zelle notwendig war. Dadurch ist es fast unmöglich, jede Wal-Version aufzuführen. Doch die wichtigsten sollen hier kurz aufgegriffen werden.

In den ersten beiden Produktionsjahren lieferte CMASA fast ausschließlich Wale in der Militärversion aus, also mit einem Maschinengewehrstand im Bug und auf dem Rumpfrücken sowie einer Vorrichtung zum Abwurf von leichten Bomben. Die meisten dieser Flugzeuge, deren maximale Flugmasse zwischen 5 und 5,7 Tonnen betrug, gingen an das spanische Militär, fünf nach Argentinien. Meist wurden Rolls-Royce Eagle IX mit jeweils 360 PS verbaut, die für Argentinien bestimmten Wale erhielten stärkere Liberty-12-A-Motoren (430 PS). Die in den Niederlanden ab 1927 produzierten Wal-Flugboote dieser Version flogen mit jeweils 450 PS starken Lorraine-Dietrich-Motoren.

Das robuste Flugboot stellte sich schnell als sehr zuverlässig heraus. Für Schlagzeilen sorgte schon im Januar 1924 ein Flug des Spaniers Ramon Franco zu den Kanarischen Inseln, bei dem er insgesamt 4500 Kilometer zurücklegte. Für die damalige Zeit eine unerhörte Entfernung. Die Erfolge des Dornier-Flugbootes ließen einige potenzielle Kunden vermuten, dass es auch das Zeug zu einem Passagierflugzeug haben könnte.


WEITER ZU SEITE 4: Passagierversionen und weitere Varianten

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     


Weitere interessante Inhalte
Der Bomber, der ein Jäger war Die Do 335 war Deutschlands schnellster Propellerjäger

17.10.2017 - Die Dornier Do 335 war eines der außergewöhnlichsten Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs. Sie bot über­ragende Flug­leistungen, kam allerdings nicht mehr zum Einsatz. Nach dem Krieg wurden die erbeuteten … weiter

Heinkel, Dornier & Co. Steven F. Udvar-Hazy Center in Virginia

11.10.2017 - Deutsche Exoten aus dem Zweiten Weltkrieg findet man kaum in einem deutschen Museum. Dafür muss man in die USA reisen, und dann führt kein weg am Steven F. Udvar-Hazy Center vorbei. Dort bekommt man … weiter

Fotodokumente Neustart der Luftwaffe nach dem Krieg

28.09.2017 - 1956 erfolgte die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Elf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Deutschland wieder eine Luftwaffe. … weiter

Klassiker Dornier Do 335 – Mein letzter Flug mit der Do 335

21.09.2017 - Die letzte Do 335 kann heute öffentlich im Steven-F.-Udvar-Hazy-Center in der Nähe des Washingtoner Dulles-International-Airport besichtigt werden. Lesen Sie auf klassiker-der-luftfahrt.de den Bericht … weiter

Exot im eigenen Land Die Dornier Do 215 bei der Luftwaffe

20.09.2017 - Die Dornier Do 215 war als Exportversion der Do 17 gedacht. Schweden hatte das Flugzeug mit DB-601-Motoren bestellt, erhielt die Flugzeuge aber aufgrund des Kriegsbeginns 1939 nicht. Stattdessen … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44