10.07.2017
Erschienen in: 04/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Nachfolger der Do 335Dornier Projekte P 247/P 252

Der zweimotorige Hochleistungsjäger Dornier Do 335 war ein in jeder Beziehung außergewöhnliches Flugzeug. Seine Geschichte wäre unvollständig, würde man nicht die Vorgänger- und Nachfolgeprojekte vorstellen, die nicht über das Reißbrettstadium hinauskamen, aber noch bessere Flugleistungen versprachen.

kl 04-2012 Dornier Projekte P247 P252 (01)

Neben einigen nicht fertiggestellten Do 335 erbeuteten die Amerikaner auch viele Projektunterlagen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Zu den Spitzenleistungen der deutschen Luftfahrttechnik während des Zweiten Weltkriegs gehört die von Dornier entwickelte Do 335. Die Geschichte dieses Flugzeugs begann in ihren Grundzügen schon 1937 mit dem Projekt Do P 59, das in den Folgejahren konsequent zur Do P 231 weiterentwickelt wurde. Dornier beteiligte sich 1942 damit an der Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) für ein Kampfflugzeug ohne Defensivbewaffnung. Die Bombenlast dieses 800 km/h schnellen Flugzeugs sollte mindestens 500 kg betragen.

kl 04-2012 Dornier Do P 247

Dornier Do P 247/6. Zeichnung: Hans Redemann  

 

Im Entwurfsbüro von Dornier wurden gleich mehrere Varianten mit verschiedenen Antrieben ausgearbeitet, und zwar die Do P 231/1 mit zwei Kolbenmotoren des Typs DB 605 E, die Do P 231/2 mit zwei DB 603 G-Kolbenmotoren und geänderter Flügelgeometrie sowie als dritte Variante die Do P 231/3 mit Mischantrieb. Das Technische Amt entschied sich nach der Überprüfung der Unterlagen für den von Dornier vorgelegten Entwurf mit zwei Kolbenmotoren, dessen rechnerische Flugleistungen revolutionär schienen. Die Höchstgeschwindigkeit dieser Maschine lag bei über 750 km/h. Die Do P 231 wurde danach von einem Bomber zu einem Jäger umkonstruiert und führte nach einer Verzögerung von fast zwei Jahren zur Do 335, deren erster Prototyp am 26. Oktober 1943 zum Jungfernflug startete. 

Zurück zum Entwurf Do P 231, bei dem man erstmals die Möglichkeiten des neuartigen Strahlantriebs untersuchte. Die Variante P 231/3 sah einen gemischten Antrieb vor, der im Bug aus einem DB 603-Kolbenmotor und einem Strahlantrieb im Heck bestand. Die Do P 231/3 wurde weiterentwickelt und führte im Mai 1943 zu Detailarbeiten an der Do P 232/2, die einen technisch ausgereiften Eindruck machte. Es handelte sich bei ihr um einen einsitzigen Schnellbomber mit Bugradfahrwerk, der bis auf den Mitteldeckerflügel und das neue Rumpfheck weitgehend der Do 335 glich. Das Hecktriebwerk mit Fernwelle und Luftschraube wurde durch ein Aggregat vom Typ Jumo 004 C ersetzt. Dies erforderte eine völlige Neukonstruktion des Rumpfhecks, in dem das Strahltriebwerk an genormten Befestigungspunkten aufgehängt war. Diese Triebwerkskombination erlaubte eine volle Ausnutzung der Vorteile beider Antriebsarten, und zwar: Große Reichweite durch den Flug mit Kolbenmotor sowie eine sehr hohe Geschwindigkeit im Luftkampf durch Einschalten des Strahlantriebs.

kl 04-2012 Dornier Do P 232

Dornier Do P 232/3. Zeichnung: Hans Redemann  

 

Die errechnete Marschgeschwindigkeit betrug 646 km/h und lag somit um 86 km/h höher als bei der Do 335. Auch die Reichweite der Do P 232/2 war größer, denn bei einer Dauergeschwindigkeit von 773 km/h in Volldruckhöhe erreichte sie noch eine Flugstrecke von 1250 km. Im Einmotoren-Sparflug kam sie bei 530 km/h rechnerisch auf 3500 km Reichweite.

Die Do P 232/2 entsprach weitgehend der Do 335. Lediglich ihr Mitteldecker-Tragwerk und das Rumpfheck hatte man neu gestaltet. Der Kraftstoffvorrat umfasste 2550 Liter. Als Bewaffnung sah man zwei durch den Propellerkreis feuernde 20 mm-Kanonen vom Typ MG 151/20 vor. Die Bombenlast lag bei maximal 1000 kg. Beim Vergleichsentwurf Do P 232/3 legte man die Kraftstoffmenge der Do 335 (1980 l) zugrunde und nutzte die durch den Einbau des Düsenantriebs entstandene Gewichtsverminderung zur Senkung des Startgewichts aus. Bei ungefähr gleicher Flächenbelastung ergab sich eine Flügelfläche von 33,50 m². Durch diese Flächenverkleinerung und die Verwendung des Jumo 004 G wollte man gegenüber der Do 335 eine Ge­schwindigkeitssteigerung von über 110 km/h in Bodennähe erreichen. Bei einer Dauergeschwindigkeit von 540 km/h betrug die Flugstrecke der Do P 232/3 etwa 2550 km. Untersucht wurde bei diesem Entwurf auch die Verwendung des Originalflügels der Do 335, wobei sich allerdings etwas schlechtere Leistungen ergaben. Die Bewaffnung bestand anfangs ebenfalls aus zwei MG 151/20, wurde jedoch später um eine 30 mm-Motorkanone vom Typ MK 103 erweitert. Als Bombenlast waren 500 kg vorgesehen, doch konnte die Do P 232/3 maximal bis zu 1000 kg mitführen. Ein technisch besonderes Merkmal war bei dieser Do P 232-Variante die Luftzuführung für den Antrieb im Heck. Der lippenförmige Einlauf für den S-förmigen Kanal befand sich über dem hinteren Kraftstoffbehälter auf dem Rumpfrücken. Trotz der errechneten Flugleistungen kam das Schnellbomber-Projekt Do P 232 über das Reißbrettstadium nicht hinaus. Es wurde im Herbst 1943 zu den Akten gelegt, da man sich bei Dornier auf Anweisung des RLM nach einer Baumusterbereinigung auf die Do 335 konzentrierte. 

Die Entwicklung eines zweisitzigen Allwetterjägers begann mit der Do 335 V10 und konnte bis zur Serienreife vorangetrieben werden. Als Verbesserung dieser mit A-6 bezeichneten Do 335 entstand schließlich noch der Entwurf der Nachtjagdversion B-6, deren zwei Mustermaschinen (V17 und V18) sich bei Kriegsende im Bau befanden. In der Nachtjäger-Entwicklung untersuchte man bei Dornier auch den reinen Strahlantrieb und leitete 1944/45 aus der Do 335 B-Reihe die Do P 256 ab.


WEITER ZU SEITE 2: Zweistrahlige Do P 256 als schneller Nachtjäger

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