28.11.2017
Klassiker der Luftfahrt

Codes geknacktDie Entstehung der alliierten Codenamen für japanische Flugzeuge

Ohne Frank T. McCoy hätte es wahrscheinlich kein Codenamensystem für japanische Flugzeuge gegeben – und ohne den unkonventionellen Einsatz von General George C. Kenney wäre es nicht so schnell zum Standard geworden.

kl 05-2010 aliierte_codenamen_japanische_flugzeuge (1) (jpg)

Die Kawasaki Ki-102 war ein Langstrecken-Zerstörer, der 1944 erstmalig flog. Die Alliierten nannten das zweimotorige Flugzeug „Randy“. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Die alliierten Streitkräfte, die nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 im Pazifik im Einsatz waren, kannten die Standardflugzeuge ihres Gegners relativ gut. Die Namen und Hersteller der japanischen Flugzeuge waren bekannt und wurden bei der Flugzeugidentifizierung auch verwendet. Allerdings gab es auch einige Typen, die den amerikanischen, britischen, australischen und holländischen Streitkräften verborgen geblieben waren und die deshalb nicht eindeutig identifiziert werden konnten. Die Alliierten versuchten, sich in offiziellen Flugzeugerkennungsbüchern mit Beschreibungen wie „Bomber, der aussieht wie eine DC-2“ zu helfen. Dies war jedoch bei der eindeutigen Identifizierung der gegnerischen Typen nicht besonders hilfreich.

Im Verlauf des Jahres 1942 erhielten die Alliierten durch die Untersuchung von Flugzeugwracks, Befragungen von Kriegsgefangenen und aus anderen Quellen mehr und mehr Informationen über die japanischen Flugzeuge und konnten so die einzelnen Muster besser beschreiben und klar identifizieren. Alle diesbezüglichen Informationen liefen im Hauptquartier der alliierten Luftstreitkräfte im Pazifik in Brisbane, Australien, zusammen. Dort wurden auch die amerikanischen Flugzeug-Identifizierungshandbücher produziert.

kl 05-2010 aliierte_codenamen_japanische_flugzeuge (2) (jpg)

Das Flugboot Kawanishi H8K war das größte Flugzeug der japanischen Marine. Bei den Alliierten erhielt es den Codenamen „Emily“. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Der Nachrichtendienst-Offizier Hauptmann Frank T. McCoy führte im Juni 1942 das System von Codenamen anstelle der japanischen Originalnamen ein.

Der kommandierende General der 5th US Air Force und Oberkommandierende der alliierten Luftstreitkräfte im Pazifik, George C. Kenney, war dafür bekannt, dass er wenig von Vorschriften und Regeln hielt, die er nicht selbst aufgestellt hatte. Da er die Verwendung eines einheitlichen Codenamen-Systems für japanische Flugzeuge für sinnvoll hielt, ließ er im September 1942 McCoys Erkennungshandbuch als „Intelligence Information Memorandum No. 12, Japanese Air Services and Aircraft“ veröffentlichen und in großer Auflage an Einheiten der US Navy, der US Army sowie verbündeter Streitkräfte verteilen, obwohl er dazu nicht ermächtigt war.

Selbst dem britischen Air Ministry schickte er mehrere Exemplare. Die Briten übernahmen die US-Codenamen und dankten Kenney für seine Anregung. Damit war das System quasi durch die Hintertür eingeführt. Darüber beschwerten sich zwar andere Generäle beim General MacArthur, dem höchsten alliierten Offizier im Pazifik, das System wurde aber nicht mehr geändert.

Bei der Vergabe der Codenamen folgten die alliierten Geheimdienstoffiziere grundsätzlich einem genauen Schema. Jagdflugzeuge erhielten einen männlichen Codenamen  wie z.B. "Oscar" für die Nakajima Ki-43 Hayabusa. Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Transportflugzeuge erhielten weibliche Vornamen, wie z.B. "Betty" für den Bomber G4M von Mitsubishi. Gleitflugzeuge bekamen Vogelnamen wie die Kokusai Ku-8, die "Goose" genannt wurde und Trainer wurden meist nach Bäumen benannt. Es gab natürlich auch einige Ausnahmen von dieser Regel, wie z.B. Bei der A6M Zero, die keinen männlichen Vornamen erhielt ausser bei der M3 Variante, die Hamp genannt wurde.


WEITER ZU SEITE 2: Vergabe der Codenamen

1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Volker K. Thomalla


Weitere interessante Inhalte
Junkers Flugzeugwerke AG Junkers F 13 Serienfertigung hat begonnen

23.04.2018 - Junkers Flugzeugwerke AG CEO Dieter Morszeck hat am 19. April 2018 auf der AERO in Friedrichshafen bekannt gegeben, dass der Bau weiterer F 13 bereits in vollem Gang ist. Die Nummer zwei und drei … weiter

Fotodokumente North American P-51: Die frühen Mustangs

23.04.2018 - Vor über 75 Jahren startete eines der berühmtesten Jagdflugzeuge aller Zeiten zu seinem Erstflug, die North American P-51 Mustang. Wir zeigen Ihnen historische Fotos der frühen Mustangs. … weiter

Englands erster Jet Gloster E.28/39

23.04.2018 - Wie Ernst Heinkel in Deutschland stieß Großbritanniens Strahltriebwerk-Erfinder Frank Whittle Mitte der 30er Jahre bei der Suche nach Finanziers seiner Entwicklung zunächst auf ein eher skeptisches … weiter

Fotodokumente Die 1. Brasilianische Fighter Squadron im Zweiten Weltkrieg

23.04.2018 - In der Bilderstrecke bekommen Sie einen Einblick in den Alltag der 1. Brasilianischen Fighter Squadron im Zweiten Weltkrieg. … weiter

Deltaflügler Avro 698 Vulcan

19.04.2018 - Der vierstrahlige strategische Deltaflügel-Bomber Avro Vulcan gilt als spektakulärstes Muster der drei „V-Bomber“ der Briten. Seit den fünfziger Jahren stellte die Vulcan die nukleare Abschreckung für … weiter


Klassiker der Luftfahrt 04/2018

Klassiker der Luftfahrt
04/2018
09.04.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Todestag: Manfred von Richthofen
- Hitler Attentat: An Bord mit von Stauffenberg
- Kanadisches Fliegerass George Beurling
- Grumman FM-2 Wildcat
- Spitfire PR XI