07.08.2017
Erschienen in: 03/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Das hölzerne Wunder (Teil 2) Umbau für immer größere Bomben

kl 03-2013 de Havilland Mosquito (01)

Die sehr schnelle Mosquito, hier eine Trainerversion T Mk 3, konnte viele Jäger ihrer Zeit abhängen. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Seit Mai 1942 stand die Mosquito auch als Bomber und Jäger im Dienst. Die erste Bomberversion nannte sich B. Mk IV Series 1, deren Prototyp W4047 war seit September 1941 erprobt worden. Die Hauptversion, Series 2, erhielt nach hinten verlängerte Motorgondeln, welche bis über die Landeklappen reichten. Bald stellte man fest, dass man statt der vier vorgesehenen 113-kg-Bomben auch vier doppelt so schwere Sprengkörper mitführen konnte, wenn man deren Bombenleitwerke leicht verkleinerte.

Den ersten Angriff führte die No. 105 Squadron aus Marham tagsüber am 31. Mai 1942 auf Köln aus. Erstmals öffentlich erwähnt wurde die Mosquito am 26. September 1942 nach einem spektakulären Tiefflugangriff auf das Gestapo-Hauptquartier in Oslo durch die No. 139 Squadron.

Die ersten 26 Bomber wurden nun zur Aufnahme einer einzelnen, 1800 Kilogramm schweren„Blockbuster“-Bombe umgebaut. Mit zwei abwerfbaren 190-Liter-Zusatztanks konnten sie damit Berlin erreichen. Am 30. Januar 1943 griffen die Mosquitos erstmals an. Spätere Mosquitos konnten immer höhere Zuladungen schleppen, darunter Torpedos, ein H2S-Radar im Bombenschacht, Rauchbomben unter dem Flügel oder die berühmte, von der Lancaster her bekannte, rotierend über das Wasser springende „Wallis“-Staumauerbombe, die mit der Mosquito DK290 erprobt wurde.

Am Bau der Bomber war auch de Havilland of Canada beteiligt, wo ab September 1942 als erste Version die Mosquito B. Mk VII mit Packard-Merlin-31-Triebwerken entstand. Später erhielten die Flugzeuge teilweise das „Oboe“-Radar, um als Pfadfinder und Führungsflugzeuge bei großen Bomberangriffen eingesetzt zu werden. Als Höhenbomber entstand die B. Mk IX ohne Panzerung und mit vergrößertem Flügel. Auch Australien baute die Mosquito auf britischen und kanadischen Werkzeugen.

Auch die Royal Navy nutzte die Mosquito. Die nach der Marinespezifikation N.15/44 entwickelte Sea Mosquito mit Fanghaken und Klappflügel war das erste zweimotorige Flugzeug, das auf einem britischen Flugzeugträger landete. Lt. Cdr. E. M. Brown gelang dieses Manöver am 25. März 1944 auf der HMS „Indefatigable“.

Als letzte Mosquito-Version gilt die TT Mk 39, ein Zielschlepper für die Royal Navy, der aus umgebauten B-Mk-XVI-Bombern entstand. Sie erhielt einen verlängerten und verglasten Bug, aus dem ein Kameramann die Geschossexplosionen filmte. Außerdem wurde im Bombenschacht eine elektrische Winde eingebaut, die der Windenbediener aus einem verglasten Stand überwachen konnte. Die wohl am wenigsten bekannte Variante waren zwei Dutzend zu Schnellfrachtern umgebaute Bomber. Sie verkehrten ab 1943 vor allem zwischen Großbritannien und Schweden und beförderten auch vereinzelt wichtige Passagiere im Bombenschacht. Nur fünf dieser Flugzeuge erlebten das Kriegsende.

Insgesamt wurden 7781 Mosquitos gebaut. Nach dem Krieg gelangten gebrauchte Mosquitos in zahlreiche Staaten, darunter China, Frankreich, die Türkei, Israel, Norwegen, Birma, die Dominikanische Republik, Jugoslawien, Belgien und die Tschechoslowakei. Die RAF musterte ihre letzten Fotoaufklärer erst 1961 aus. Der historische Mosquito-Prototyp W4050 wurde 1952 in einer Scheune in Chester wieder entdeckt und wird seitdem im de Havilland Aircraft Heritage Center ausgestellt.


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Sebastian Steinke


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