24.01.2017
Erschienen in: 01/ 2011 Klassiker der Luftfahrt

Daimler-Benz VersuchDie Daimler-Spitfire

Beuteflugzeuge spielten im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle, um Stärken und Schwächen gegnerischer Flugzeuge auf den Grund zu gehen. Aus diesem Rahmen fiel jedoch eine Spitfire V heraus, die von der Versuchsabteilung von Daimler-Benz mit einem DB 605 ausgerüstet wurde.

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Die Idee, einen gegnerischen Jäger mit einem deutschen Motor auszurüsten, erscheint zunächst ungewöhnlich. Bei näherem Hinsehen offenbart sich aber der Sinn: Der Umbau sollte einen direkten und praktischen Vergleich der Entwicklungsstände der Hochleistungsmotoren ermöglichen, der sich nicht allein an Kennzahlen orientierte. Schon 1941 hatte die Luftwaffe einen solchen Plan verfolgt, nachdem ihr eine nahezu unbeschädigte Spitfire in die Hände gefallen und in Rechlin ausgiebig getestet worden war, unter anderem bei Vergleichsflügen mit einer Bf 109 E. Anschließend sollte sie bei Daimler-Benz in Backnang auf einen DB 601 umgerüstet werden. Nachdem dabei aber unvorhergesehene Schwierigkeiten auftraten, ging der Beutejäger ohne Umrüstung Anfang September 1942 wieder zurück nach Rechlin.

Mitte 1943 später ergab sich eine neue Chance. Jetzt handelte es sich um eine erbeutete flugklare Spitfire V. Sie trug die Seriennummer EN 830 und war mit dem Rolls-Royce Merlin 45 ausgerüstet, der in Meereshöhe 1470 PS leistete. Auch die Spitfire V, die die deutsche Kennung CJ+ZY erhielt, wurde zunächst in Rechlin erprobt. Nach Abschluss der Tests wurde sie zum Flugplatz Echterdingen südlich von Stuttgart geflogen und der hier ansässigen Flugversuchsabteilung von Daimler-Benz übergeben.

Diese Abteilung, die von dem Flugkapitän Willi Ellenrieder geleitet wurde, war in erster Linie für die Werksflugerprobung von DB-Triebwerken zuständig. Als Erprobungsträger diente ihr damals eine bunt gemischte Flotte. Dazu gehörten eine Heinkel He 111, eine Henschel Hs 130, Messerschmitt Bf 109 und Me 110, eine Junkers Ju 87 und eine Fieseler Fi 167. Zudem gab es noch eine Ju 52 im Versuchsflugzeugpark, die als Rumpfmotor einen DB 605 trug. Später wurde die Flotte noch vergrößert beziehungsweise den sich laufend ändernden Bedürfnissen der Versuchsabteilung angepasst.

Die Spitfire V war ohne ihre Bewaffnung, die normalerweise aus zwei Hispano-Kanonen (20 mm) und vier Browning-MGs (7,62 mm) bestand, von Rechlin nach Echterdingen geflogen worden. Auch das Originalfunkgerät hatte man ausgebaut und durch entsprechenden Ballast ersetzt.

Noch bevor die Umrüstung auf den Daimler-Benz-Motor begann, wurde die Spitfire von DB-Versuchspiloten mehrfach geflogen; sie bewerteten das allgemeine Flugverhalten des britischen Jägers als gut bis sehr gut. Mit der Versuchsreihe sollte der Betrieb des DB 605 in der Spitfire V unter besonderer Berücksichtigung der Kühl- und Flugleistungen untersucht werden, um so einen direkten Vergleich zwischen dem Rolls-Royce Merlin 45 und dem deutschen Motor zu erhalten.

Nachdem der Rolls-Royce ausgebaut worden war, stellte sich heraus, dass der Querschnitt in dem entsprechenden Rumpfbereich weitgehend dem der Bf-110-Motorgondel entsprach. Danach entschieden sich die Ingenieure zum Einbau eines DB 605 A-1. Der flüssigkeitsgekühlte V-12 stemmte 1475 PS Startleistung auf die Kurbelwelle. Mit einem bloßen Motortausch war es natürlich nicht getan. Es war auch die gesamte Peripherie dem deutschen Motor anzupassen, angefangen von der Elektrik über die Schmierstoffanlage bis hin zur Treibstoffversorgung. Zu den ersten Arbeiten der Umrüstung, die größtenteils im Daimler-Benz-Werk Sindelfingen erfolgte, gehörte die Anfertigung eines neuen Motorzwischenträgers und einer an die Spitfire angepassten Übergangsverkleidung. Außerdem erhielt das Instrumentenbrett deutsche Geräte. Da diese mit 24 Volt liefen, die englische Originalausrüstung jedoch mit einem 12-Volt-System arbeitete, wurde auch das elektrische Bordnetz neu aufgebaut.

Die Schmierstoffanlage der Spitfire musste bis auf ihren Kühler unter dem linken Flügel ebenfalls neu gestaltet werden. Da der Schmierstoffbehälter der Spitfire V unter ihrem Merlin-Motor angeordnet war, unter dem DB 605 A sich aber nicht ausreichend Platz an dieser Stelle fand, wurde der 40-Liter-Behälter direkt hinter dem Motor montiert. Das zog wiederum eine Verkleinerung des oberen, nicht leckgeschützten Treibstofftanks auf 170 Liter nach sich. Um einen besseren Vergleich mit der Schmierstoffanlage der Bf 109 G zu bekommen, wurde der Schmierstoffbehälter mit 0,3 kg/cm3 Überdruck beaufschlagt.


WEITER ZU SEITE 2: Die DB Spitfire zeigt gute Flugeigenschaften

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Redemann/Müller
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