19.11.2017
Erschienen in: 05/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

TransportflugzeugCurtiss C-46 Commando – großer Bruder der DC-3

Die robuste Curtiss Commando war im Zweiten Weltkrieg der stärkste zweimotorige Transporter der USA, der bei der Zuladung und den Höhenleistungen sogar die Douglas DC-3 beziehungsweise C-47 schlug.

kl 05-2015 Curtiss C-46 (01)

Diese beiden Curtiss Commando landeten am 24. Juni 1944 als Erste auf Saipan, einer strategisch wichtigen Insel der Marianen im Pazifik. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Dank ihrer hohen Reichweite wurde die Curtiss Commando vorwiegend im Pazifikraum eingesetzt. Die C-46 entstand schon ab 1937 als zunächst rein ziviler Entwurf CW-20 für ein Passagierflugzeug, das mit hohem Bordkomfort 36 Fluggäste befördern sollte. Angetrieben von zwei Wright R-2600 (1700 PS), startete der Prototyp mit Eddie Allen am Steuer am 26. März 1940 in St. Louis zum Erstflug. Der großvolumige Rumpf interessierte auch das US Army Air Corps, welches sogleich 46 CW-20 als Transporter in der Militärausführung C-46 bestellte. Diese Version war noch kein spezieller Frachter, sie hatte lediglich weniger Kabinenfenster und wurde von zwei stärkeren Pratt & Whitney R-2800-43 (2000 PS) angetrieben. Damit konnte die Startmasse von 18 150 kg auf fast 23 000 kg erhöht werden. Noch während der Bau der ersten C-46 anlief, wurde auch der CW-20-Prototyp im Jahr 1941 mit der Typenbezeichnung  C-55 ans US-Militär verkauft und im Rahmen der Lend-Lease-Vereinbarungen zwischen den USA und England schließlich dort als G-AGDI, „St. Louis“, in Dienst gestellt.

Ab Juli 1942 im Militäreinsatz

kl 05-2015 Curtiss C-46 (02)

Die C-46 bewährte sich als Transporter auch auf den Gebirgs­strecken, wo sie Nachschub gegen die Japaner lieferte. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Ab Juli 1942 wurden in St. Louis die ersten C-46 an das Air Transport Command und das Troop Carrier Command ausgeliefert. Nach den ersten 25 C-46 folgte ein Großauftrag für 1041 verbesserte C-46A mit großer Frachttür am Heck, verstärktem Frachtboden und seitlichen Klappsitzen für 40 voll ausgerüstete Soldaten. Neben dem Hauptwerk in Buffalo wurde die C-46A mit 22 500 kg Startmasse auch in Louisville (439 Stück) und St. Louis (10) gebaut. Der geplante Lieferant, Higgins in New Orleans, baute dort aber nur zwei von ursprünglich geplanten 500 Flugzeugen. Die C-46 bewährte sich als Transporter, Schlepper von bis zu zwei Lastenseglern und Absetzflugzeug für Fallschirmjäger. Auch auf den strategisch wichtigen Versorgungsrouten von Indien nach Burma gegen die Japaner kam die C-46 über den sogenannten Hump zum Einsatz.

Durch den Umbau der ersten C-46A-CK entstand die erste XC-46B mit stärkeren R-2800-34W-Motoren (2100 PS). Man konnte sie äußerlich an ihren nun stufenartig abgesetzten Cockpitscheiben erkennen.  Nächste Serienvariante wurde die C-46D. Diese nutzte R-2800-51-Triebwerke und wurde in Buffalo 1410-mal gebaut. 234 Curtiss C-46F mit R-2800-75-Triebwerken, großen Frachttüren und abgerundeten Flügelspitzen folgten. Unterdessen baute das Werk St. Louis schon 17 C-46E, die eine nun einteilige Frachttür, das abgestufte Cockpit der XC-46B und R-2800-34-Triebwerke verwendete. Von der folgenden C-46G mit R-2800-34-Triebwerken wurde nur eine einzige von 500 geplanten Flugzeugen gebaut, denn der „VJ Day“, der US-Sieg über Japan, war erreicht. Deshalb wurde auch der Bau der  schon konzipierten C-46H mit stärkeren Triebwerken und doppelten Heckrädern abgeblasen. Das galt auch für die XC-46K mit Wright RR-3350 Double Cyclone (2500 PS). Lediglich drei durch Umbau nachträglich entstandene XC-46L, die als fliegende Teststände dienten, erhielten dieses Triebwerk.

Auch im Koreakrieg war die C-46 im Einsatz

kl 05-2015 Curtiss C-46 (03)

Diese C-46D wurde im Fe-bruar 1945 an die USAAF geliefert und nur zweieinhalb Jahre später verschrottet. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Viele C-46 blieben auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg im Dienst. Beim Combat Cargo Command kamen sie im Koreakrieg 1950 bis 1952 nochmals zum Einsatz.

Während die C-46E ab 1953 ausgemustert wurden, blieben die Versionen C-46A, D und F weiter im Bestand der Air Force Reserve. Das Air Training Command nutzte außerdem noch einzelne TC-46A und D als Trainer. Mit dem aufkommenden Vietnamkonflikt wurde die Commando beim Tactical Air Command in der 1st Air Commando Group nochmals für nachrichtendienstliche Operationen eingegliedert. Als weitere Betreiber sind noch die US Navy und das US Marine Corps zu nennen, wo die Commando abweichend als R5C-1 bezeichnet wurde.

Viele C-46 aus Militärbeständen – insgesamt wurden mehr als 3000 der robusten Commando gebaut – gelangten auf den zivilen Markt und wurden als Frachter in Mittel- und Südamerika sowie in Alaska eingesetzt. Von diesen unverwüstlichen Flugzeugen stehen noch bis heute mehrere Dutzend im Einsatz. Als gebräuchliche Spitznamen sind „Whale“, „Dumbo“ und „T-Cat“ überliefert. Letzterer Name bezieht sich auf die zu zivilen Frachtern („Transport Category“ der FAA) umgerüsteten Militärflugzeuge.

Technische Daten

kl 05-2015 Curtiss C-46 (04)

Die 44-78018, eine C-46D, hat bis heute überlebt und ist im US Air Force Museum auf der Wright-Patterson Air Force Base in Dayton, Ohio, ausgestellt. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Curtiss C-46B Commando

Einsatzgebiet:
zweimotoriges Transportflugzeug für Passagiere und Fracht, Schleppflugzeug für Lastensegler, Absetzflugzeug für Fallschirmjäger
Triebwerk: zwei Pratt & Whitney R-2800-34 Double Wasp  (18-Zylinder-Doppelsternmotoren) mit 2100 PS, Hamilton Dreiblatt-Verstellpropeller
Länge: 23,27 m
Höhe: 6,63 m
Spannweite: 32,92 m
Flügelfläche: 126,16 m2
Leermasse: 13 290 kg
max. Startmasse: 22 680 kg
Reisegeschwindigkeit: 378 km/h in 2745 m Höhe
Höchstgeschwindigkeit: 435 km/h in 3050 m Höhe
Dienstgipfelhöhe: 6700 m
Reichweite: 2900 km

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 05/2015

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Sebastian Steinke
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Fotodokumente McDonnell Douglas F-4 Phantom II über Deutschland

04.12.2017 - Die berühmte McDonnell Douglas F-4 Phantom II war in den 60er und 70er Jahren das Standardkampfflugzeug der US Air Force und daher ab 1965 auch recht zahlreich in Deutschland vertreten. … weiter

Keine Chance gegen die A-10 Northrop YA-9A: Der fliegende Panzer

25.11.2017 - Beim Wettbewerb für ein neues Erdkampfflugzeug der US Air Force trat die Northrop YA-9A gegen die YA-10A von Fairchild an. Trotz gleicher Flugleistungen fiel die Entscheidung zu Gunsten der … weiter

Spezialist für Aufklärung und Luftnahunterstützung North American OV-10 Bronco

25.11.2017 - Auch nach dem Koreakrieg war das US Marine Corps an einem leichten Beobachtungs- und Luftnahunterstützungsflugzeug interessiert. Es sollte von Straßen und Behelfspisten aus eingesetzt werden. Das … weiter

Edwards Air Force Base Air Force Flight Test Museum

24.11.2017 - Das Air Force Flight Test Museum auf der Edwards Air Force Base kann nur einen Teil seiner umfangreichen und mit Exoten gespickten Exponate zeigen. Dies soll sich jedoch nach einem Umzug ändern. … weiter

Fotodokumente North American XB-70 - Der schnellste Bomber der Welt

23.11.2017 - Noch heute wirkt die XB-70 Valkyrie von North American wie eine Flugmaschine aus einer anderen Zeit – riesig, elegant und futuristisch. … weiter


Klassiker der Luftfahrt 01/2018

Klassiker der Luftfahrt
01/2018
27.11.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Heinkel He 111 als Torpedobomber
- General Dynamics F-111
- Stuka Aichi D3A "VAL"
- Piaggio P.149D
- Gefechtsbericht F4U vs. MIG-15
- Aufbruch ins Jet-Zeitalter
- Serie: Erster Weltkrieg