12.06.2017
Erschienen in: 03/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Vom Winde verwehtConvair R3Y Tradewind – Das erste Turboprop-Flugboot

Als erstes Flugboot der Welt verfügte die nach dem Passatwind benannte Convair „Tradewind“ über einen Turbopropantrieb. Trotzdem blieb der Gigant durch zahlreiche Triebwerksprobleme nur knapp zwei Jahre im Einsatz bei der US Navy.

Riskante Weitsicht: Als Antrieb für ihr neues Patrouillenflugboot wählte die US Navy Mitte der 40er Jahre die Leistung und Wirtschaftlichkeit versprechenden Turboproptriebwerke. Zu diesem Zeitpunkt war in den USA jedoch noch kein entsprechendes Aggregat geflogen. Das Luftfahrtbüro der US Navy erstellte am 27. Dezember 1945 eine Spezifikation für ein viermotoriges Patrouillenflugboot, das sowohl die neue Rumpfform als auch Turboprops bekommen sollte. Im anschließenden Wettbewerb setzte sich Convair mit seinem Model 117 gegen die Konkurrenz von Martin und Hughes durch. Der Erfolg kam nicht von ungefähr. Schließlich hatte Consolidated Vultee (ab 1943 Convair) während des Krieges auf eigene Rechnung entsprechende Forschungen durchgeführt, die durch in Deutschland nach Kriegsende erbeutete Daten ergänzt wurden. Es entstand eine neue, schlankere Rumpfform mit einem hohen Längen-Kiel-Verhältnis (10:1 bei der P5Y), die auch den Luftwiderstand reduzierte.

Am 27. Mai 1946 bestellte die US Navy zwei Prototypen. Die endgültige Gestaltung des Rumpfs bestimmten die Konstrukteure, nachdem sie ein Modell im Maßstab 1:10 im Schwimmkanal der Luftfahrtforschungsbehörde NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) erprobt und sogar ferngesteuerte Flugmodelle eingesetzt hatten. Insgesamt untersuchten sie 27 verschiedene Konfigurationen. Im Dezember 1946 segnete das Bureau of Aeronautics schließlich ein Modell in Originalgröße der ab August desselben Jahres als XP5Y-1 bezeichneten Maschine ab.

Ursprünglich sollte der in San Diego gebaute Schulterdecker mit vier Westinghouse XT30 ausgestattet werden. Da das Triebwerksprogramm zeitlich erheblich in Verzug geriet, wandte sich die US-Marine an Allison, deren T40 früher lieferbar erschien. Das Aggregat bestand aus zwei gekoppelten T38, die zwei gegenläufige Propeller mit einem Durchmesser von 4,57 m antrieben. Die Defensivbewaffnung des Flugboots sollte aus fünf MG-Positionen bestehen (je 12,7 mm).

Bereits Ende 1948 konnte Convair den ersten Prototypen fertig stellen. Aber Allison kämpfte mit Verzögerungen des XT40, so dass die P5Y-1 mehr als ein Jahr im Freien abgestellt auf die Triebwerke warten musste. Im Oktober 1948 lief ein T40 in Indianapolis erstmals für insgesamt eine Stunde mit voller Leistung auf dem Prüfstand und zeigte viel versprechende Ergebnisse. Allerdings führte Allison keinen Dauerbetriebstest durch und konnte den neuen Antrieb nicht in der Luft testen, da hierzu eine Boeing B-29 nötig gewesen wäre.

Im August 1949 kam das erste T40 in Kalifornien an. Zu Bodentests wurden vier Aggregate an den ersten Prototypen montiert. Der Albtraum für die Techniker begann. Insbesondere die fast 2,7 Meter langen Antriebswellen mit bis zu 14300 Umdrehungen pro Minute bereiteten viele Probleme. Langsam gingen den Ingenieuren die Triebwerke aus, da Allison nicht mit der Überholung nachkam. Die Laufzeit des XT40-A-4 bis zur nächsten Überholung betrug nur 50 Stunden, und selbst diese Dauer wurde selten erreicht.

Trotzdem startete die P5Y-1 am 18. April 1950 zu ihrem nur 29 Minuten dauernden Erstflug. Trotz der Schwierigkeiten mit dem komplexen Antriebssystem erwies sich der Riese als fast doppelt so schnell wie seine Vorgänger und zeigte eine Steigleistung, die annähernd der eines Jagdflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg glich. Mittlerweile sah die Navy jedoch keine Notwendigkeit mehr für ein bewaffnetes Flugboot und beendete das Programm.


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Patrick Hoeveler
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