10.08.2017
Erschienen in: 06/ 2012 Klassiker der Luftfahrt

Britischer Überschalljäger (Teil 6) Exportverkäufe der Lightning

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Für die Royal Saudi Air Force baute BAC in Warton auch sechs Doppelsitzer der Version T.55 (Kennung 55-711 bis 55-716). Zwei weitere Maschinen der Serie gingen an den zweiten Exportkunden Kuwait. Foto und Copyright: BAC  

 

Mit Änderungen an den Tragflächen und einem größeren Tank unter dem Rumpf sowie Zusatztanks über den Tragflächen hatte die British Aircraft Corporation (BAC) ab 1963 die Fähigkeiten der Lightning deutlich gesteigert. Aber auch die resultierende Version F.6 blieb bei der Royal Air Force auf die Rolle als Jäger beschränkt, was die Exportbemühungen enorm erschwerte. Dies umso mehr, als der Preis deutlich über dem von Mustern wie der Dassault Mirage III lag. Der erste Erfolg war dann auch eher auf die guten Verbindungen des Geschäftsmanns Geoffrey Edwards zum saudischen Königshaus zurückzuführen. Auf seine Initiative hin unterstützte das Air Ministry jedenfalls eine Vorführung der Lightning in Riad, bei der Testpilot Jimmy Dell auf Wunsch von Verteidigungsminister Prinz Sultan einen extrem tiefen Überflug über die Stadt mit fast Schallgeschwindigkeit durchführte. Später durfte Leutnant Hamdan, ein Testpilot der Royal Saudi Air Force, die F.2 in Warton fliegen. Schon beim ersten Test erreichte er Mach 2.1 und war entsprechend beeindruckt.

Als die Saudis 1965 angesichts der Grenzscharmützel mit dem Jemen eine massive Aufrüstung ihrer Streitkräfte in Angriff nahmen, wurde auch die BAC bedacht. Etwa 50 Millionen Pfund (ca. 585 Mio. DM) für 34 Lightning F.53, sechs T.55 und 25 Jet-Provost (geliefert als Strikemaster Mk.80) bedeuteten den bis dahin wertmäßig größten Auftrag für britische Flugzeuge überhaupt. Insgesamt flossen mehr als 100 Millionen Pfund, damals etwa 1,17 Milliarden DM, an das sogenannte Saudi Arabian Air Defence Consortium, zu dem auch Associated Electrical Industries (Radare, Kommunikation, Kontrollzentren), Airwork Services (technische Unterstützung) und Raytheon (Luftabwehrsystem Hawk) gehörten.

Die Mk.53 erhielten eine zusätzliche Bewaffnung für Luft-Boden-Einsätze, wobei BAC auf Entwicklungen mit Raketenbehältern im Vorderteil des Rumpftanks zurückgreifen konnte und auch eine Außenlaststation an den Außenflügeln nutzte. Die T.55 wiederum kombinierte den Rumpf der T.5 mit dem Flügel und dem großen Tank der F.6. Um die Entwicklung zu beschleunigen, wurden existierende F.6 und T.5 umgebaut. Sie flogen am 1. November 1966 beziehungsweise am 3. November 1967 erstmals.

Unterdessen bewogen die anhaltenden Angriffe aus dem Nordjemen, die von ägyptischen Flugzeugen unterstützt wurden, die Saudis im März 1966 dazu, sechs gebrauchte Lightnings zu kaufen. Die vier F.2 (F.52) und zwei T.4 (T.54) wurden bereits im Juli 1966 in den Nahen Osten überführt und schnellstmöglich von Khamis Mushait aus gegen die feindlichen Bodentruppen eingesetzt. Die Lieferung der F.53 begann dann am 1. Juli 1968 an die No. 6 Squadron. Auch sie wurden ab Dezember 1969 gegen jemenitische Eindringlinge eingesetzt. Die Saudis erhielten im Juni 1972 die letzte je gebaute Lightning.

Als zweites Land bestellte Kuwait am 18. Dezember 1966 die Lightning, und zwar zwölf F.53K und zwei T.55K. Zusammen mit einem umfassenden Trainings- und Unterstützungspaket summierte sich der Auftragswert auf 20 Millionen Pfund. Eine Besonderheit der T.55K war ihre Bewaffnung von zwei 30-mm-Aden-Kanonen in der unteren Tankverkleidung. Auch Kameras konnten installiert werden. 


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