06.12.2017
Klassiker der Luftfahrt

Der leichte Bomber war das Rückgrat der Royal Air ForceBristol Blenheim

Wenn die Geschichte eines Flugzeugs unkonventionell ist, dann die der Bristol Blenheim. Sie entstand aus einem Geschäftsreiseflugzeug eines Verlegers und war nach ihrer Konversion in einen mittleren Bomber schneller als die damaligen Standard-Jagdflugzeuge der Royal Air Force.

Der Verleger Lord Harold Sydney Rothermere war ein britischer Patriot besonderer Prägung. Er ließ seinen Reden in der Regel auch immer Taten folgen. So war er davon überzeugt, dass Großbritannien die schnellsten und leistungsfähigsten Flugzeuge benötigte, um im industriellen Wettstreit mit den anderen Nationen bestehen zu können. Besonders die amerikanischen Flugzeugkonstrukteure Douglas und Boeing sah er als starke Konkurrenz an. 1934 meinte er, dass das britische Air Ministry (Luftfahrtministerium) einen falschen Weg eingeschlagen hatte, da es noch immer Doppeldecker bevorzugte. Also ließ er sich kurzerhand bei der Bristol Aeroplane Company in Filton ein modernes, achtsitziges Geschäftsreiseflugzeug bauen, die Bristol 142. Mit seinem Wunsch lief Lord Rothermere bei Bristols Chefkonstrukteur Frank Barnwell offene Türen ein. Barnwell hatte schon erste Entwürfe für ein solches Flugzeug fertig, als Rothermere Kontakt mit der Firma aufnahm, denn Finnland war auf der Suche nach einem Verbindungsflugzeug für seine Streitkräfte, das aber bei Bedarf in einen leichten Bomber umgerüstet werden sollte. Am 12. April 1935 flog die Bristol 142 zum ersten Mal. Als Antrieb dienten dem von Lord Rothermere „Britain First“ getauften Muster zwei Bristol-Mercury-Sternmotoren mit je 650 PS (485 kW).

Die Flugerprobung der „Britain First“ brachte sensationelle Ergebnisse, denn der freitragende Mitteldecker war rund 50 km/h schneller als der schnellste damalige Standardjäger der Royal Air Force. Nun hatte Rothermere die Aufmerksamkeit des Air Ministry geweckt und schenkte dem Air Council der Regierung das Flugzeug, das sie sich nur für Testzwecke ausleihen wollte.

Damals wurde über neue Flugzeugprojekte sehr schnell entschieden. Das Air Ministry beauftragte noch im Sommer 1935 Bristol mit der Entwicklung der Bristol 142M, der Militärversion der „Britain First“, entsprechend der Spezifikation 28/35. Und schon im September desselben Jahres – noch vor dem Erstflug des militärischen Prototyps – erhielt die Firma einen Auftrag des Luftfahrtministeriums für den Bau von 150 Bristol Type 142M.

Bristol baute keinen Prototyp, sondern stieg direkt mit dem ersten Serienflugzeug in die Produktion ein. Im April 1936 gab das Air Ministry dem Muster den Namen „Blenheim“, in Anlehnung an eine Schlacht im Jahr 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg in der Nähe des Städtchens Blindheim an der Donau, das auf Englisch „Blenheim“ genannt wird.

Die Bristol Blenheim ist ein konventionell konstruiertes Metallflugzeug in Schalenbauweise. Die Ruderflächen (Quer-, Seiten-und Höhenruder) sind jeweils bespannt. Während die Querruder über Steuerstangen angelenkt werden, die in der Nasenleiste der Flächen verlaufen, sind Höhen- und Seitenleitwerk über Seile mit der Steuersäule im Cockpit verbunden. Die Tragflächen sind aus Aluminium und haben je zwei Holme mit je zehn Aluminiumrippen.

Am 25. Juni 1936 flog die erste Bristol Blenheim (Kennzeichen K7033), mit der die gesamte Flugerprobung durchgeführt wurde. Das britische Luftfahrtministerium erlaubte der Firma, mit befreundeten Nationen über den Verkauf und die Lizenzfertigung der schnellen Zweimot zu verhandeln. Schon einen Monat später erhöhte das Air Ministry seinen Auftrag um 434 Flugzeuge. Bristol war auch im Verkauf erfolgreich und erhielt Aufträge für die Blenheim aus Finnland (das die Blenheim später auch selbst in Lizenz baute), aus Jugoslawien, Rumänien, der Türkei und Griechenland.

Die erste für die Royal Air Force bestimmte Blenheim Mk. I verließ im November 1936 die Werkshallen in Filton. Im Januar 1937 wurde das neue Muster bei der No. 114 Squadron in Wyton offiziell in Dienst gestellt.


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Volker K. Thomalla


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