21.09.2017
Erschienen in: 04/ 2013 Klassiker der Luftfahrt

Klein, schnell und bissigBreguet Taon – Leichtjagdbomber mit hervorragenden Flugeigenschaften

Die fünfziger Jahre brachten eine heute nicht mehr vorstellbare Fülle an Flugzeugprojekten hervor. Die Breguet Br. 1001 Taon war das erste Strahlflugzeug des französischen Herstellers Avions Louis Breguet. Trotz sehr guter Leistungen konnte sich der leichte Jet bei einem NATO-Wettbewerb jedoch nicht gegen die Fiat G.91 durchsetzen.

kl 04-2013 Breguet Taon (01)

Der zweite Prototyp der Breguet 1001 Taon. Auf diesem Foto wird die ungewöhnliche Form der Lufteinläufe mit der „Stufe“ unter dem Cockpit deutlich. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

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Anfang der fünfziger Jahre verfolgten die Staaten der 1949 gegründeten NATO die Idee, die Ausrüstung ihrer Streitkräfte komplett zu standardisieren. Eines der ersten Projekte, das unter diese neue Politik fiel, war ein Programm zur Beschaffung eines neuen, leichten Erdkampfflugzeuges. Das Projekt wurde im März 1954 international ausgeschrieben, und Flugzeughersteller aus verschiedenen europäischen NATO-Staaten bewarben sich mit ihren Entwürfen. Das Pflichtenheft der Planer für den als „NATO Lightweight Strike Fighter“ bezeichneten Jet war durchaus ehrgeizig. Der neue Kampfjet sollte leicht, kostengünstig und leistungsstark sein. Da er vor allem für die europäischen Verhältnisse zugeschnitten sein sollte, forderte das Pflichtenheft, dass der Jet von unvorbereiteten und kurzen Pisten aus betrieben werden konnte. Als Grundvoraussetzung standen die folgenden Leistungsmerkmale in der Ausschreibung: Das Flugzeug sollte eine maximale Startstrecke von 915 m über ein 15-m-Hindernis aufweisen, es sollte eine Geschwindigkeit von Mach 0.95 für 30 Prozent der Einsatzdauer halten können und für den Rest der Mission eine Mindestgeschwindigkeit von 650 km/h erreichen. Als Rollrate waren 100 Grad pro Sekunde bei Mach 0.9 in Meereshöhe vorgesehen.

Als Primärbewaffnung waren bis zu vier Maschinenkanonen geplant, ebenso musste das Flugzeug in der Lage sein, eine Bombenlast von bis zu 900 kg mitzuführen. Außerdem legte die NATO Wert darauf, dass der leichte Jagdbomber auch mit taktischen Atomwaffen bestückt werden könnte.

An dem Wettbewerb nahmen viele Hersteller aus NATO-Ländern teil, allein aus Frankreich, das damals noch voll integriertes Mitglied des Bündnisses war, kamen drei Flugzeugentwürfe. Dem Gewinner des Wettbewerbs winkten Aufträge für über 1000 Exemplare. Der traditionsreiche Hersteller Avions Louis Breguet aus Paris beteiligte sich mit seinem Entwurf Breguet Br. 1001 Taon.

Ab Ende 1954 prüfte die AGARD-Kommission der NATO unter Leitung von Professor von Kármán die eingereichten Entwürfe. Sie empfahl im Dezember 1955, drei Entwicklungsaufträge zu vergeben, und zwar an die französischen Firmen Breguet und Dassault sowie an die italienische Fiat Aviazione. Der Wettbewerb wurde unter größter Geheimhaltung abgehalten. Selbst nachdem er entschieden war, durften einige Leistungsdaten der eingereichten Flugzeugmuster nicht veröffentlicht werden.

Die Breguet 1001 Taon war ein einstrahliger, leichter Kampfjet mit stark gepfeilten Flügeln. Angtrieben wurde er von einem britischen Bistol-Orpheus B.Or.3-Turbojet-
Triebwerk mit einem Startschub von 21,6 kN. Ein Nachbrenner war für den leichten
Erdkämpfer erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Das Triebwerk sollte in Frankreich in Lizenz gefertigt werden.

kl 04-2013 Breguet Taon (02)

Die Breguet 1001 beim Vergleichsfliegen in Brétigny im September 1957. Auf dem Flugzeug unter dem Cockpit steht TAON - NATO. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Der Name Taon heißt auf deutsch übersetzt: Bremse (Insekt) oder Nervtöter. Als Anagramm, also als Wort, das aus einem anderen durch Umstellung der Buchstaben gebildet wird, entspricht Taon auch dem Namen des Aufraggebers NATO.

Breguet erreichte die geforderte niedrige Flugzeugmasse durch einen konsequenten Einsatz der damals neuen Aluminium-Honigwabenstrukturen. Sie kamen beim zweiholmigen Tragflügel sowie beim Leitwerk zur Anwendung. Selbst der zentrale Rumpfkasten wurde mit Honigwabenstrukturen gebaut. Eine leichte und schnelle Wartbarkeit stand ebenfalls im Lastenheft des Flugzeugs. Breguet hatte dazu die Taon in drei Hauptbaugruppen aufgeteilt, die wiederum aus kleineren Unterbaugruppen bestanden. Dadurch konnten bei der Wartung immer ganze Baugruppen ausgetauscht werden, und das Flugzeug wäre dadurch schnell wieder einsatzbereit, so die Idee der Konstrukteure. Außerdem wäre bei dieser Fertigungsweise auch eine Aufteilung der Arbeiten auf verschiedene Werke problemlos möglich. Breguet hatte zusätzlich eine Vielzahl von Wartungsklappen eingebaut, die einen leichten Zugang zu allen wichtigen Systemen ermöglichten. Leitungen sowie die verschiedenen Kabel der Flugsteuerung hatten die Konstrukteure der Taon in einem dicken Strang unter einem Rückenwulst zusammengefasst, dessen Verkleidung sich in einem Stück entfernen ließ. Der vordere Rumpfteil schließlich, der die - zugegebenermaßen bescheidene – Avionik beherbergte, ließ sich komplett seitlich wegklappen und erlaubte den Mechanikern so einen schnellen Zugang zu den Geräten.


WEITER ZU SEITE 2: Triebwerkswechsel unter Einsatzbedingungen in 47 min

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Volker K. Thomalla
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