26.01.2018
Klassiker der Luftfahrt

Standardklasse (Teil 5) Rundflug

Bölkow Phoebus 6

Produktion des Bölkow Phoebus: Der vorgefertige Balsaholzkern wird in die Formmulde eingebracht. Foto und Copyright: Dieter Schmitt / Motor Presse Stuttgart  

 

Zwischendurch konnte ich mich nochmals hochkurbeln und mit einem langen Rundflug über die Donauwiesen die Landschaft genießen. Ein Fahrtgeräusch war kaum wahrnehmbar. Leider mahnte der Höhenmesser zur Landung: Nun ein kalifornischer Riesenslip, aber der Vogel zeigte nicht die geringste Neigung wegzugehen. Eine hervorragende Seitenruderwirksamkeit, die man der Größe des Seitenruders schon beinahe ansieht. Es wirkt für den schlanken Rumpf optisch etwas groß. Aber darauf kann man getrost pfeifen. Im geraden Landeanflug fuhr ich die Bremsklappen aus und registrierte ein deutliches Schütteln im Knüppel. Wahrscheinlich wird das Pendelhöhenruder durch die Wirbelschleppe der Bremsklappen beaufschlagt, denn bei höherer Geschwindigkeit, also steilerem Gleitwinkel, läßt es etwas nach. Auch brauchte ich nun einige Kraft, um die Klappenstellung zu regulieren. Die Wirkung ist jedenfalls gut, so daß in Verbindung mit den ausgezeichneten Slipeigenschaften Landungen auf kleinsten Außen-landefeldern leicht möglich sind. Zudem besorgt eine Innenbackenbremse im Laufrad das übrige. Die Betätigung erfolgt wie üblich am hinteren Anschlag bei voll ausgefahrenen Bremsklappen. Auch hier ist ein kräftiger Arm erforderlich. Dicht neben der Startbahn von Laupheim setzte sich der Vogel behutsam aufs Gras.

Fazit

Das Fazit: Der Phoebus ist mit seinen überzeugenden Schnellflugleistungen und hohen Festigkeit unbedingt in die Spitzengruppe der Standardsegelflugzeuge einzureihen. Seine vorbildliche Wendigkeit - bei guter Ruderabstimmung - ermöglicht die Ausnützung auch engster Aufwindfelder. So ist das Flugzeug gleichermaßen geeignet für den Einsatz bei schwierigen europäischen Wetterbedingungen wie auch bei stärksten tropischen Rekordwetterlagen. Rudi Lindner, der ja zum Entwicklungsteam gehört, bewies dies durch seinen Gesamtsieg mit dem Phoebus bei den internationalen Segelflugmeisterschaften in Südafrika. Für ein Flugzeug dieser Leistungsklasse ist der Kaufpreis von 17.400 DM als angemessen zu bezeichnen.

Dieter Schmitt (07/1966)


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