26.01.2018
Klassiker der Luftfahrt

Standardklasse (Teil 4) Phoebus in der Luft

Bölkow Phoebus 1

Bölkow Phoebus. Foto und Copyright: Dieter Schmitt / Motor Presse Stuttgart  

 

Bald war die vereinbarte Höhe erreicht, und ich klinkte aus. Leider waren nur noch zwei flache Cumuli in erreichbarer Nähe. In bemerkenswert flacher Bahn schoß ich mit 160 km/h zur ersten. Ein Bart mit 1 m/sec wartete auf mich und trug mich auf 1400 m. Auch beim Kreisen genügen Ausschläge mit den Fingerspitzen, um zu verlagern und zu zentrieren.

Ein Gegenstützen ist nicht erforderlich. Das Flugzeug liegt wie ein Brett. Ich muß allerdings erwähnen, daß die Thermik ruhig, jedoch nicht großflächig war. Beim Kreisen mit 30° Schräglage sind etwa 80 km/h erforderlich, mit 45° Schräglage etwa 90 km/h. Ich kann mir vorstellen, daß bei der günstigen Halbliegestellung des Piloten mit Kopfstütze und der auffallend leichtgängigen und sensiblen Steuerung bei gleichzeitig ausgezeichneter Ruderabstimmung ein Flug von 8-10 Stunden Dauer kaum Ermüdungserscheinungen zeitigt. Logischerweise wird dadurch auch die Flugsicherheit erhöht.
        

Geschwindigkeiten bis 200 km/h

Besonders erfreulich ist es aber, daß durch die über dem Durchschnitt liegende Festigkeit der Zelle nun endlich auch bei böigen Wetterlagen, also bei guter Thermik, Geschwindigkeiten bis 200 km/h geflogen werden können, die ja gerade nur bei diesen guten Aufwindverhältnissen überhaupt in der Praxis vorkommen. Welchen Segelflieger interessiert schon die Höchstgeschwindigkeit bei ruhigem Wetter? Bei diesem Wetter können wir ja gar nicht segeln! Erst wenn es bockig wird, interessiert uns der Himmel. Und dann dürfen wir mit fast allen Leistungssegelflugzeugen nur noch höchstens 140 km/h schnell sein. Welche Überlegenheit ein so festes, daher also schnelles Flugzeug wie der Phoebus dann hat, ist wohl kaum zu verkennen. Also drückte ich entlang der Wolken auf 200 km/h. Ich hatte vorher die Gurte noch einmal gezurrt und schaute vom Fahrtmesser zu den Flügeln: Sie zeigten kaum Durchbiegung oder erkennbare Schwingungen.
          

Ausgezeichnete Wendigkeit

Ich zog hoch zum Langsamflug: Bei 60 km/h kaum merkliches Schütteln und der Vogel tauchte weich über die Nase. Er nimmt sehr schnell Fahrt auf, und man hat ihn ständig voll in der Hand. 85 km/h Fahrt, Linkskurve - Rechtskurve - Stoppuhr. Ich wiederholte dreimal das Ergebnis: zwischen 3 und 3,5 Sekunden von 45° zu 45° Schräglage. Eine ausgezeichnete Wendigkeit. Das Flugzeug reizt einen ehemaligen Jagdflieger wie in alten Zeiten eine Focke-Wulf, nur ohne die 2000 PS: Loopings und Turns aus dem Handgelenk.

Hochziehen und aushungern, voll Seitenruder, das Flugzeug geht gut ins Trudeln, Ruder normal und augenblicklich ist das Trudeln beendet. Nur bei vollem Seitenruder und leichtem Halten des Höhenruders trudelt es weiter mit schneller Drehung. Herausnehmen ist eine Augenblickssache. Ausgezeichnete Eigenschaften. Dasselbe gilt bei Steilkreisen. Ich überzog absichtlich hart, schlagartig ging der Vogel weg, aber sofort hatte ich ihn wieder abgefangen. Das ist ein Flugzeug mit Eigenschaften wie ein Jagdflugzeug, aber Leistungen wie kaum ein anderer Standardsegler! Ja, sie reichen weit hinein in die Werte, die Flugzeuge der Offenen Klasse erzielen. Eine herrliche Kombination!


WEITER ZU SEITE 5: Rundflug

    1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
msz/as


Weitere interessante Inhalte
Der letzte Bo-hikaner Bölkow Bo 105

21.02.2018 - Bereits Beim Erstflug am 16. Februar 1967 war klar, dass Bölkow mit der Bo 105 etwas Besonderes gelungen war. Heute, über 50 Jahre später, ist der kunstflugtaugliche Helikopter zwar nicht mehr bei der … weiter

Hochleistungs-Kampfflugzeug EWR VJ 101 – Alle Varianten

02.02.2018 - Im Februar 1959 schlossen sich die Firmen Bölkow, Heinkel und Messerschmitt zur Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsring Süd GmbH zusammen, um gemeinsam ein Hochleistungs-Kampfflugzeug mit … weiter

Historischer Flugbericht von 1963 Walter Wolfrum testet die Bölkow BO 208 Junior

18.01.2018 - Im Sommer 1963 flog Walter Wolfrum die damals brandneue Bölkow BO 208 Junior. Mit seinem fundierten Report legte er in der Flug Revue die Stärken und Schwächen des kleinen Zweisitzers offen. Heute ist … weiter

Drehflügler-Mekka The Helicopter Museum in Somerset

29.12.2017 - Mit rund 80 Hubschraubern aus den Nachkriegsjahren im Bestand ist das an der englischen Westküste gelegene Helicopter Museum die wohl größte auf Drehflügler spezialisierte Ausstellung der Welt. … weiter

Pilot-Report 1969: Flugbericht Bölkow BO 209 Monsun

28.12.2017 - Im Juli 1969 veröffentlichte Walter Wolfrum in der FLUG REVUE diesen Flugbericht über die damals brandneue Bölkow BO 209 Monsun. Damals gehörte er schon lange zu den Spitzenpiloten in der deutschen … weiter


Klassiker der Luftfahrt 04/2018

Klassiker der Luftfahrt
04/2018
09.04.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Todestag: Manfred von Richthofen
- Hitler Attentat: An Bord mit von Stauffenberg
- Kanadisches Fliegerass George Beurling
- Grumman FM-2 Wildcat
- Spitfire PR XI