03.04.2017
Klassiker der Luftfahrt

Historischer Flugbericht von 1963Walter Wolfrum testet die Bölkow BO 208 Junior

Im Sommer 1963 flog Walter Wolfrum die damals brandneue Bölkow BO 208 Junior. Mit seinem fundierten Report legte er in der Flug Revue die Stärken und Schwächen des kleinen Zweisitzers offen. Heute ist dieser Testbericht ein wertvolles Zeitdokument.

In ihrer Augustausgabe 1963 veröffentlichte die Flug Revue einen Test der damals brandneuen Bölkow BO 208 Junior. Der leichte Zweisitzer war kein Eigengewächs des Herstellers, es handelte sich vielmehr um eine nur leicht modifizierte MFI-9 der schwedischen Malmö Flygindustri. Bölkow hatte 1961 Produktionslizenz erworben. Walter Wolfrum, Ex-Jagdflieger und nach dem Krieg einer der besten Kunstflug-Piloten, fühlte der BO 208 Junior vor allem hinsichtlich ihrer Eignung als Schulflugzeug auf den Zahn. Aus heutiger Sicht hinkt vielleicht etwas sein Vergleich des Flugzeugs mit der damals, vor mehr als 50 Jahren, bereits konzeptionell veralteten Piper Cub. Etwas befremdlich wirkt auch, dass er in dem Test die wahre Herkunft der BO 208 aus Schweden mit keinem Wort erwähnt. Doch Wolfrum deckt schonungslos positive und negative Seiten der Bo 208 auf. Wir geben seinen Bericht hier nur unwesentlich bearbeitet wieder:

 „Ihre sprichwörtliche Harmlosigkeit und die Umstände der Kriegs- und Nachkriegsjahre haben bewirkt, dass die Piper Cub nach 1945 in der gesamten westlichen Welt zu dem Schulflugzeug schlechthin geworden ist; sie ist es bis heute geblieben, trotz verschiedener ernsthafter Versuche, einen Nachfolger zu finden. Man muß sich darüber im Klaren sein, dass jeder Flugzeughersteller, der die Cub als Schulflugzeug aus dem Felde schlagen will, eine ungemein schwere Aufgabe auf sich nimmt. Auch ich bin der Meinung, daß die Cub heute, 18 Jahre nachdem sie zu Tausenden für einen Pappenstiel als Army-surplus an jeden, der sie wollte (außer an Deutsche) verschenkt wurde, durch etwas Moderneres, Leistungsfähigeres und Besseres ersetzt werden sollte. Die Kehrseite der Medaille ist aber die, dass es bei dem derzeitigen Lohn-Preis-Niveau kaum möglich ist, etwas gleich Billiges, Anspruchsloses und Dankbares wie die Cub auf den Markt zu bringen. Aufgrund ihrer primitiv robusten Konstruktion kann die Piper L 4 nach Ablauf ihrer Flugstunden leicht und billig generalüberholt werden. Es gibt heute Cubs, die diese Verjüngungsprozedur bereits mehr als zehnmal hinter sich haben; man hat fast den Eindruck, dieses Flugzeugmuster hat das ewige Leben gepachtet. Die Kardinalfrage, die ich mit meinem Test daher untersuchen will, ist: Hat der Bölkow Junior das Zeug, die Piper Cub als Schul- und Vereinsflugzeug zu verdrängen?


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