15.11.2017
Erschienen in: 02/ 2013 FLUG REVUE

Dreistrahler-ErfolgBoeing 727: Vom Bestseller zum Exoten

Vor mehr als 50 Jahren startete die Boeing 727 zu ihrem Erstflug. Mit 1832 gebauten Exemplaren war sie damals der erfolgreichste Airliner aller Zeiten. Heute ist sie nur noch selten auf den Flughäfen der Welt zu sehen.

War damals noch Bescheidenheit Trumpf? Auf jeden Fall schätzten die Boeing-Planer den Absatz für ihr neues Mittelstreckenflugzeug gerade einmal auf 250 Exemplare. Entsprechend vorsichtig gingen sie zu Werke, denn ein Fehlschlag hätte fatale Folgen für das Unternehmen bedeutet. Das Schicksal war auf ihrer Seite: Gerade einmal zehn Jahre nach dem Roll-out hatte die Boeing 727 schon 1000 Bestellungen zu verbuchen. Ihre Hochzeit erreichte sie im Jahr 1968 mit einer Fertigungsrate von 13 Flugzeugen pro Monat. Insgesamt 104 Kunden kauften den Jet bei Boeing. Zu seiner Zeit war er der erfolgreichste Airliner überhaupt und knackte erstmals die Marke von 1500 verkauften Flugzeugen. Die 727 galt als Sinnbild für das erschwinglich gewordene Fliegen, bis der steigende Ölpreis den Dreistrahler zunehmend unwirtschaftlicher werden ließ.

Dabei verlief die Entstehung des Bestsellers keineswegs reibungslos. Mitte der 50er Jahre drohten europäische Kurz- und Mittelstreckenjets den Amerikanern den Rang abzulaufen. Die Sud-Est Caravelle flog bereits seit Mai 1955, und im Mai 1957 ging de Havilland mit der D.H.121, der späteren Trident, auf Kundensuche. Am 6. Mai 1958 beauftragte der Chef von Boeings Zivilflugsparte, John Bruce Connelly, den damals 40-jährigen Jack Steiner mit der Schaffung eines Konkurrenzprodukts. Allerdings entzündeten sich damals schon an der Zahl der Triebwerke die Geister: United wollte statt des vorgeschlagenen zweistrahligen Jets ein Flugzeug mit vier Triebwerken. Howard Hughes bevorzugte für seine TWA eine Maschine mit drei Aggregaten.

Zu allem Überfluss war die finanzielle Lage Boeings aufgrund der Ausgaben für das 707-Programm angespannt. Um die Entwicklungs- und Produktionskosten zu reduzieren, musste Steiner so viele Elemente der 707 übernehmen wie möglich. Außerdem durfte das neue Produkt nicht der 707-Mittelstreckenvariante 720 aus dem eigenen Haus Konkurrenz machen. Die Karten standen intern nicht allzu gut. Erst als United plötzlich 20 Caravelles in Frankreich bestellte, nahm das Projekt wieder Fahrt auf. Nach langem Zögern gaben die Ingenieure der Forderung nach einem Dreistrahler nach. Mittlerweile hatte auch Eastern Airlines einen entsprechenden Bedarf angemeldet.


WEITER ZU SEITE 2: United und Eastern sorgen für den Durchbruch

1 | 2 | 3 | 4 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Drei ist Trumpf Die Boeing 727 bei der Lufthansa

15.03.2017 - Vor mehr als 50 Jahren startete die erste Boeing 727 zu ihrem Jungfernflug. Gut ein Jahr zuvor, im Jahr 1962, bewies die Lufthansa ein gutes Gespür für den Erfolg des neuen, dreistrahligen Konzepts. … weiter

Viel Charme, wenige Mittel Kansas Aviation Museum in Wichita

22.09.2016 - Der Mittlere Westen der USA und die Luftfahrt gehören zusammen. In keiner anderen Stadt der Welt wurden mehr Flugzeuge gebaut als in Wichita. Das von ehrenamtlichen Helfern getragene Aviation Museum … weiter

Recycling mal anders Boeing-Klassiker zweckentfremdet

10.03.2015 - Eine Flugschule und ein Verein haben am Flugplatz Cuatro Vientos bei Madrid zwei Boeing 727 wiederverwertet. Aus ihnen wurden ein Schulungsraum und ein Clubhaus. … weiter


Lufthansa „Ludwigshafen“ – 40 Jahre Taufpatenschaft

17.05.2013 - Vor 40 Jahren ging „Ludwigshafen“ in die Luft: Am 30. April 1973 wurde eine Lufthansa-Boeing 727-230 auf den Namen der Stadt Ludwigshafen getauft. Die feierliche Taufzeremonie fand auf dem Flughafen … weiter

Bei den Marines erfolgreich Boeing Vertol CH-46 Sea Knight

12.12.2017 - Die CH-46 Sea Knight stand immer im Schatten der noch größeren CH-47 Chinook. Doch auch der kleinere Tandemrotor-Hubschrauber von Boeing Vertol war erfolgreich: bei den US Marines, der US Navy und als … weiter


Klassiker der Luftfahrt 01/2018

Klassiker der Luftfahrt
01/2018
27.11.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Heinkel He 111 als Torpedobomber
- General Dynamics F-111
- Stuka Aichi D3A "VAL"
- Piaggio P.149D
- Gefechtsbericht F4U vs. MIG-15
- Aufbruch ins Jet-Zeitalter
- Serie: Erster Weltkrieg