26.06.2018
Klassiker der Luftfahrt

Boeing stach die Konkurrenz für PanAm eindrucksvoll ausBoeing 314 Clipper - Exklusive Linienflüge

Einst verbreiteten sie Glamour und Luxus auf exklusiven Linienflügen über dem Atlantik und Pazifik. Der Zweite Weltkrieg indessen beendete die Karrieren der einst größten kommerziellen Flugboote der Welt und degradierte sie zu einfachen Militärtransportern. Heute sind nicht einmal ihre Bordbücher erhalten geblieben, und nur wenig erinnert an die glanzvolle Ära der „Clippers“.

IN DIESEM ARTIKEL

Vor nunmehr 70 Jahren bedienten die Pan American World Airways (PAA) bereits pazifische Verbindungen, während Linien über den Atlantik noch auf ihre Eröffnung warteten. Großbritannien und die USA wetteiferten um die Einführung des kommerziellen Luftverkehrs zwischen der Alten und der Neuen Welt, und jeder wollte dabei die Führungsrolle übernehmen.

Die Imperial Airways verfügte mit ihren Short-Flugbooten schon über einige Erfahrungen auf den Routen im britischen Empire, deren Reichweite allerdings nicht für den Sprung über den „Großen Teich“ ausreichte, eben so wenig wie die der damals existierenden Landflugzeuge. Zudem lehnte Pan American neue Projekte von Sikorsky und Consolidated wegen ihrer geringen Nutzlastkapazität ab.

Nur die Boeing Aircraft Company versprach die Forderungen der PAA zu erfüllen: den Transport von 4500 kg Nutzlast über eine Entfernung von 4450 Kilometern bei 55 km/h Gegenwind, eine Reisegeschwindigkeit von 275 Stundenkilometern in 3050 Metern Höhe, Wartungsfreundlichkeit, bisher ungekannten Platz und Komfort für die Passagiere sowie außergewöhnliche Flugsicherheit durch den Einsatz neuester Materialen und Bordgeräte. Eine maximale Startmasse von 36290 Kilogramm wurde als realistisch angesehen, da man vier der gerade in Erprobung befindlichen 14-Zylinder-Sternmotoren mit je 1100 kW der Wright Aeronautical Co. installieren wollte.

PAA beauftragte Boeing am 21. Juli 1936 mit der Lieferung von sechs dieser als „Clipper“ bezeichneten Transozean-Flugboote, und schon am 7. Juni 1938 erfolgte der Jungfernflug der ersten Maschine (N18601); einen Prototyp gab es nicht. Damals war Boeings Model 314 das weltweit größte Flugzeug für den kommerziellen Passagiertransport.

Im Gegensatz zu den Konstruktionen von Dornier, Martin und Sikorsky, bei denen die Motoren auf Gestellen über den Tragflächen montiert waren, stellte Boeings Maschine einen normalen Hochdecker mit in den Flügel integrierten Antrieben dar. Dadurch konnte der Bordmechaniker auf so genannten „Catwalks“ während des Fluges bis zu den Motoren gelangen und dort Inspektionen und sogar Reparaturen vornehmen. Diese Möglichkeit half im späteren Betrieb in mehreren Fällen Unfälle oder gar Katastrophen zu vermeiden. Die Tragfläche stammte übrigens fast unverändert vom Bomber XB-15, während die Einteilung des konventionellen Bootsrumpfes in zwei getrennte Decks für Besatzung und Passagiere neu war.

Von Dornier indessen übernahm man das Prinzip der Stummelflügel kurz über der Wasserlinie anstelle von Stützschwimmern an den Flügeln. Diese „Sea-Wings“ oder auch „Sponsons“ dienten nicht nur als Zusatztanks und Einsteigehilfen für die Passagiere, sondern auch der Stabilisierung im Flug. Im Laufe der Flugerprobungen auf dem Lake Washington nahe Seattle wurde schließlich das konventionelle Seitenleitwerk mit nur einer Flosse durch eines mit starrer Flosse und zwei ovalen Seitenscheiben ersetzt.

Wegen ihrer Größe mussten die Maschinen, übrigens die letzten, die in der legendären ersten Halle von Boeing entstanden, unter freiem Himmel endmontiert werden. Nach dem Stapellauf am Duwamish River wurden die Maschinen an Barken befestigt und mittels Schleppern zum Testgelände in der Nähe der Schiffswerften an der Elliott Bay befördert, was jedes Mal großes Aufsehen erregte.


WEITER ZU SEITE 2: Luxuriöser Service für reiche Passagiere

1 | 2 | 3 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Kurzstrecken-Verkehrsflugzeug Boeing 737 – Entstehungsgeschichte eines Jetliners

17.08.2018 - Als Boeing im Sommer 1964 seine Pläne für ein zweistrahliges Kurzstrecken-Verkehrsflugzeug bekanntgab, äußerte man in Fachkreisen erhebliche Zweifel an der Rentabilität eines solchen Vorhabens. … weiter

California Dreaming Lyon Air Museum

16.08.2018 - „The Greatest Generation in aviation History“ – die großartigste Generation der Luftfahrt. So titelt das Lyon Air Museum auf seiner Website. Absolut zu Recht, denn in der klimatisierten Halle am … weiter

Das größte Flugzeug der USA Teures Einzelstück: Boeing XB-15

27.07.2018 - Vor der berühmten B-17 entwarf Boeing einen Langstreckenbomber, der jedoch ein Einzelstück blieb. Die XB-15 war damals das größte Flugzeug der USA und beendete ihre kurze Karriere als … weiter

Stratoliner Boeing 307

12.07.2018 - Trotz seiner Eleganz geriet der Stratoliner seit dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Erst das spektakuläre Restaurierungsprojekt einer Gruppe von Boeing-Mitarbeitern für den letzten Stratoliner … weiter

Der Jet-Dinosaurier Boeing B-52 Stratofortress: Entwicklung einer Legende

25.06.2018 - Seit mehr als sechs Jahrzehnten leistet die Boeing B-52 Stratofortress zuverlässige Dienste bei der US Air Force, und ein Ende ist nicht abzusehen. Dabei begann die Entwicklung des achtstrahligen … weiter


Klassiker der Luftfahrt 06/2018

Klassiker der Luftfahrt
06/2018
09.07.2018

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- WB57 bei der NASA
- Lockheed SR-71 Blackbird: Der legendäre Mach-3-Jet im Detail
- Legion Condor: Erste Tests der neuen Jäger
- Ki-61. Die japanische Heinkel
- Die Staaken im Fronteinsatz