15.03.2017
Klassiker der Luftfahrt

Treue Dienste als Seeaufklärer und Frühwarnflugzeug (Teil 4) Zweite Karriere als Frühwarnflugzeug

Doch damit endete die Karriere von Avros letztem Kolbenmotorbomber nicht, denn Großbritannien benötigte dringend eine Plattform zur Radarfrühwarnung. Mit der Entscheidung, keine konventionellen Flugzeuge mehr bei der Royal Air Force einzu-setzen, fielen auch mit der Fairey Gannet die einzigen AEW-Flugzeuge weg (Airborne Early Warning). Als Übergangslösung fiel die Wahl auf die Shackleton, da sie eine lange Flugzeut bot. Hawker Siddeley (in der das Unternehmen Avro aufgegangen war) rüstete zwölf MR Mk.2 um. Die Mk.3 hatten nämlich aufgrund der Viper-Triebwerke mit erhöhter Materialermüdung zu kämpfen. Unter dem vorderen Rumpf saß nun eine Verkleidung für das von der Gannet AEW Mk.3 stammende APS-20-Radar. Die AEW Mk.2 mit der Kennung WL745 absolvierte ihren Erstflug am 30. September 1971 in Woodford. Im folgenden Jahr stellte die Royal Air Force mit der No. 8 Squadron in Lossiemouth ihre erste Frühwarneinheit auf. Im Jahr 1981 reduzierte die RAF aufgrund von Sparmaßnahmen die Zahl der eingesetzten AEW-Shackletons auf acht Exemplare. Dennoch sollte aus der ursprünglichen Zwischenlösung für die nächsten 20 Jahre eine dauerhafte Institution werden, denn der Nachfolger, die Nimrod AEW 3, ging nie in Dienst. Erst mit der Boeing E-3D Sentry kam das Aus. Am 1. Juli 1991 stellte die 8. Staffel ihre letzten fünf Shackletons in RAF Waddington außer Dienst. Vier davon ließen die Militärs von Sotheby’s versteigern. Eine Maschine flog zwischenzeitlich in den USA als Warbird. Derzeit existiert indes keine flugfähige „Shack“ mehr.

Den einzigen Exportkunden der Shackleton stellte Südafrika dar, das acht MR Mk.3 kaufte. Die No. 35 Squadron der South African Air Force (SAAF) in Malan bei Kapstadt übernahm ihre ersten zwei Exemplare am 16. Mai 1957. Aufgrund des gegen Südafrika verhängten Waffenembargos mussten die Patrouillenflugzeuge wesentlich länger durchhalten als geplant. Erst am 23. November 1984 absolvierten sie ihren letzten Einsatz. Das SAAF-Museum begann in den 90er Jahren mit einem ambitionierten Projekt: Eine Shackleton sollte wieder flugfertig gemacht werden und zu Vorführungen nach Großbritannien kommen. Die Überführung endete jedoch am 13. Juli 1994 mit einer Notlandung in der Wüste, nachdem zwei Motoren ausgefallen waren. Eine weitere Maschine, die 1722, wurde regelmäßig geflogen, musste aber aus Altersgründen endgültig gegroundet werden.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 01/2009


WEITER ZU SEITE 1: Treue Dienste als Seeaufklärer und Frühwarnflugzeug

    1 | 2 | 3 | 4 | 
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Der erste V-Bomber der Royal Air Force Vickers Valiant: Der Vorreiter

19.10.2017 - Als erster Vertreter der berühmten britischen V-Bomber steht die Vickers Valiant noch heute im Schatten ihrer spektakulären Brüder Victor und Vulcan. Dabei vollbrachte das Vickers-Produkt viele … weiter

Museum Hendon Das Museum der Royal Air Force in London

16.10.2017 - Das Royal Air Force Museum gilt als eine der bedeutendsten Luftfahrtsammlungen der Welt: Rund 100 Flugzeuge und Hubschrauber sind in Hendon zu sehen. Ehrgeizige Expansionspläne könnten den Ruf noch … weiter

Fotodokumente Erkennungszeichen alliierter Flugzeuge während der Invasion 1944

15.10.2017 - Als Schutz gegen eine Verwechslung mit deutschen Flugzeugen trugen alliierte Maschinen während der Invasion in der Normandie im Juni 1944 weiß-schwarze Streifen. … weiter

Deltaflügler Avro 698 Vulcan

12.10.2017 - Der vierstrahlige strategische Deltaflügel-Bomber Avro Vulcan gilt als spektakulärstes Muster der drei „V-Bomber“ der Briten. Seit den fünfziger Jahren stellte die Vulcan die nukleare Abschreckung für … weiter

Erfolgsjäger Hawker Hunter

22.08.2017 - Die Hawker Hunter ist eine Erfolgsgeschichte des britischen Flugzeugbaus. Der einstrahlige Jäger war nicht nur bei der RAF im Einsatz, sondern auch bei vielen Exportkunden. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44