12.10.2017
Erschienen in: 08/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Deltaflügler (Teil 2) Einsatz im Falklandkrieg

kl 08-2014 Avro Vulcan (01)

Die weiße Schutzfarbe sollte die Hitzestrahlung von Atomexplosionen reflektieren. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Die letzte Vulcan, eine Vulcan B.2A, wurde Anfang 1965 ausgeliefert. Die Gesamtproduktion lag bei 134 Flugzeugen.Statt der ursprünglich vorgesehenen, frei fallenden Atombomben wurde der nukleare Abstandsflugkörper Avro Blue Steel von 1963 bis 1969 zur Hauptbewaffnung der Vulcan. Die Mittelstreckenrakete hatte eine Reichweite von 240 Kilometern und konnte auf Mach 3 beschleunigen. Damit ersparte die Luft-Boden-Rakete dem Bomber den riskanten An- und Überflug stark verteidigter Ziele. Im Falle von Spannungsperioden wären die britischen Vulcans von ihren ständigen Stützpunkten in festen Vierergruppen bewaffnet auf weltweit verteilte Ausweichbasen mit Schnellabrollpositionen an den Startbahnköpfen verlegt worden. Von dort aus hätten sie nach Alarmierung in kürzester Zeit zu den Einsätzen starten können.

Indem die britische  Atomstrategie auf nuklearbestückte U-Boote setzte, verlor die Vulcan Ende der sechziger Jahre ihre strategische Rolle. Eine Umrüstung auf die modernere Douglas-Skybolt-Lenkwaffe unterblieb. Auch die Bedrohungslage hatte sich geändert: Statt in großer Höhe versuchte die Vulcan nun im Tiefflug ihre Ziele unterhalb des gegnerischen Radars anzusteuern. Der Rumpf – in reflektierendem Weiß als Schutz gegen die Hitzewelle nach Atomexplosionen – erhielt nun ein geflecktes Tarnmuster oder ein einheitliches Dunkelgrün und eine graue Unterseite.

Unterdessen machte sich die Vulcan auch in anderen Rollen nützlich, zum Beispiel als Tanker (Vulcan K), als Seeraumüberwachungsflugzeug  beziehungsweise elektronischer Aufklärer (Vulcan SR) und als Luftprobensammler nach Atomtests.

Ihren einzigen Kriegseinsatz erlebte die Vulcan im Falkland-Konflikt 1982 als konventioneller Bomber. Die bereits in der Ausmusterung befindliche Vulcan wurde eilig zu einer Reihe von Langstrecken-Bombermissionen auf die von Argentinien besetzten Inseln befohlen. Die Briten starteten insgesamt sieben „Black Buck“-Einsätze von der weit entfernten Insel Ascension im südlichen Atlantik. Bei diesen bis zu 16 Stunden langen, generalstabsmäßig geplanten Missionen wurde die einzelne angreifende Vulcan von einem Dutzend Tankern begleitet und bis zu 18-mal in der Luft betankt. Einige Vulcans trugen auch AGM-45A- Anti-Radar-Raketen an Flügelstationen und Zusatztanks im Bombenschacht. Nach dem Bruch der Tanksonde musste eine zurückkehrende „Black Buck“-Vulcan mit den letzten Tropfen Kerosin nach Brasilien ausweichen, wo sie monatelang festgesetzt wurde. Die Langstreckenangriffe auf den Flughafen von Port Stanley und auf argentinische Radarstellungen hatten vor allem eine enorme psychologische Wirkung, denn sie waren die ersten Kampfhandlungen der Briten zur Rückeroberung der Falklands. Nach dem Krieg setzten die Briten die Ausmusterung der immer mehr wartungsbedürftigen Vulcan fort. Eine letzte Vulcan (XH558) blieb als Museumsflugzeug erhalten und wurde mit hohem finanziellen Aufwand, technischen Hilfeleistungen seitens der Industrie und dank privater Spenden bis 2015 flugfähig gehalten. Ihren letzten Auftritt hatte die Vulcan beim Flying Legends in Duxford 2015.


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Sebastian Steinke


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