20.07.2018
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Die Ar 234 im Vergleich mit der Me 262Arado versus Messerschmitt

Die Entwicklung einsatzreifer Strahlflugzeuge war im Zweiten Weltkrieg eine rein innerdeutsche Angelegenheit. Messerschmitt konzentrierte sich auf die Me 262, Arado auf die Ar 234. Obwohl mit unterschiedlichen Zielrichtungen eingesetzt, wurden sie in Testflügen miteinander verglichen – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

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Auf den ersten Blick verwundert es: Ein Bomber und Aufklärer wird mit einem als Jäger und Jagdbomber eingesetzten Flugzeug verglichen. Tatsächlich ging es wohl mehr darum, den technischen Stand und mögliche Defizite der Flugzeuge zu ergründen und individuelle Vor- und Nachteile zu erkennen. Außerdem hätte die Arado Ar 234 wie die Me 262 von ihrem Grundkonzept her auch als Jäger dienen können. Ihre Verwendung als Bomber war „von oben“ befohlen worden.

In diesem Bericht stützen wir uns auf zwei Originaldokumente. Das eine, ein Nachflugprotokoll, schildert die Kenntnisse der Messerschmitt AG über die Arado Ar 234, der die Messerschmitt-Ingenieure und -Piloten im Oktober 1944 gründlich auf den Zahn gefühlt hatten. In dem anderen, einer Besprechungsniederschrift, werden die Erfahrungen aus  einem direkten Vergleichsfl iegen der Ar 234 und der Me 262 bei der Erprobungsstelle Rechlin zusammengefasst. Interessant macht den Vergleich unter anderem die Tatsache, dass beide Flugzeugmuster mit identischen Triebwerken ausgerüstet waren, den Junkers Jumo 004. Für die Flüge in Rechlin standen eine Me 262 aus der Serie und ein Vorserienflugzeug der Ar 234 zur Verfügung.

Manchen Betrachter mag es etwas wundern, wie positiv der Messerschmitt-Bericht über die Arado ausfällt. Die Aussagen sind ein starkes Indiz für die Qualitäten dieses Flugzeugs. Die Arado überzeugte mit einer wesentlich besseren Bauqualität. Fertigungsmängel waren ein bekanntes Problem der  Serienausführungen der Me 262, deren Komponenten dezentral unter oft schlechten Bedingungen und zum Teil von verständlicherweise wenig motivierten Zwangsarbeitern produziert wurden. Dazu zählten sogar verzogene Flügel. Schlecht angepasste  Triebwerksverkleidungen und raue Oberflächen waren bei Messerschmitts Strahljäger an der Tagesordnung. So hält der Messerschmitt-Report ausdrücklich die „saubere und exakte Bauausführung“ der Ar 234 fest. Die Oberfläche sei nur leicht  gespachtelt, und die Ruder lägen sehr sauber im Strak, heißt es.

Im Wesentlichen konzentrierten sich die Testpiloten jedoch auf die Bedienung und die Flugeigenschaften der Ar 234. Der Einstieg über das Klappdach, bei dem mehrere Fußtritte erklommen werden mussten, erforderte einige Übung. Die Sitzposition erachteten die Experten auch für längere Flüge als bequem. Die Instrumente seien zum Teil unübersichtlich angeordnet, besonders die Triebwerksüberwachungsgeräte. Besser als bei der Me 262 sei die Bedienung der Sauerstoffanlage gelöst, die bequemer zu erreichen sei.


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