07.07.2017
Erschienen in: 04/ 2014 Klassiker der Luftfahrt

Die Ar 234 im Vergleich mit der Me 262 (Teil 4) Überraschungsmoment

Unter der Überschrift „Kurvenkampf“ heißt es in einem Besprechungsprotokoll vom 17. Juni 1944: „Besonders unangenehm und für die schlechte Beurteilung der Me 262 maßgebend fi el der viel größere Kurvenradius der Me 262 auf. Wenn auch die Flächenbelastung vielleicht bei der Me 262 etwas größer war, so ist doch der Grund in den viel zu hohen Höhenruderkräften dieser Maschine zu suchen. Herr Major Behrens konnte nicht auf camax ziehen; dasselbe zeigte sich bei Gleitflügen und anschließendem Abfangen. Die Ar 234 konnte wesentlich schärfer abgefangen werden.“ Ruderkräfte und –kraftverlauf seien bei den Serienflugzeugen der Me 262 wesentlich ungünstiger als bei den V-Mustern, insbesondere der V 6 und V 7, die als Musterflugzeuge für die Serie dienten. Bei den Serienflugzeugen  müssten durch eine Erhöhung der Baugenauigkeit dieselben Eigenschaften wie bei den V-Mustern erzielt werden.

Dass bei den Jets der Wendigkeit so große Beachtung geschenkt wurde, zeigt, dass in den Köpfen der Tester noch die mit Propellerjägern übliche Luftkampftaktik verankert war. Doch eigentlich hatte sie für die damaligen Strahlflugzeuge keine Bedeutung mehr. Tatsächlich urde die Me 262 nie bei einem Einsatz im klassischen Kurvenkampf geflogen. Ihre Stärke lag im Überraschungsmoment dank ihrer hohen Geschwindigkeit. Aufgrund ihrer überragenden Flugleistung konnte sie gegnerischen Jägern praktisch immer entkommen. Zu Luftkämpfen im herkömmlichen Sinn kam es gar nicht. Ähnliches gilt für die Arado Ar 234. Bei ihren nicht mehr sehr zahlreichen Einsätzen als Bomber und Aufklärer profitierte auch sie von ihrer hohen Geschwindigkeit.

Die Ergebnisse der Vergleichsflüge wurden in den der Redaktion vorliegenden Berichten nur recht oberflächlich dokumentiert. Doch sie lassen immerhin Schlüsse auf grundlegende Eigenschaften der beiden Jets zu.  Dass die Ar 234 nicht an die Geschwindigkeit der geringfügig kompakteren Me 262 herankam, scheint seinen Grund in einer etwas schlechteren aerodynamischen Ausgestaltung gehabt zu haben. Dafür war die Ar 234  wendiger und besser verarbeitet als Messerschmitts Strahljäger. In jedem Fall gilt: Sowohl die Me 262 als auch die Ar 234 waren zu ihrer Zeit Flugzeuge, die die technische Spitze im weltweiten Flugzeugbau verkörperten.

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 04/2014


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