02.05.2018
Erschienen in: 02/ 2015 Klassiker der Luftfahrt

WiderstandskämpferBloch MB 152

Kein Geringerer als Frankreichs legendärer Flugzeugkonstrukteur Marcel Bloch, der später unter seinem Resistance-Decknamen Marcel „Dassault“ und als Vater der Mirage weltberühmt werden sollte, produzierte kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Reihe einsitziger Propeller-Abfangjäger, von denen die MB 152 schließlich am erfolgreichsten sein sollte.

Die Geschichte des Projekts begann schon 1934, als das französische Luftfahrtministerium die Ausschreibung für ein neues Jagdflugzeug für die Armée de l’Air herausgab. Zuvor hatte Frankreich seine einst hochmoderne Luftbewaffnung seit dem Ende des Ersten Weltkriegs stark vernachlässigt. Neben der Morane 405, der Dewoitine D.513, der Loire 250 und der Nieuport 161 ging auch eine Bloch 150 aus dieser Ausschreibung hervor. Konstruiert hatte den einsitzigen Tiefdecker mit  dem 14-Zylinder-Doppelsternmotor Gnôme-Rhône 14Kfs (930 PS) Blochs technischer Leiter Maurice Roussel. Bewaffnet war der Jäger mit zwei Hispano-Suiza-Bordkanonen in den Flügeln. Am 17. Juli 1936 versuchte der Prototyp MB 150-01 den Erstflug, doch er schaffte es nicht, abzuheben. Die konkurrierende Morane-Saulnier 405 gewann unterdessen den Wettbewerb. Erst am 29. September 1937 gelang der verbesserten MB 150-1M mit vergrößerten Tragflächen, Messier-Fahrwerk und Gnôme-Rhône-14N07-Motor (900 PS) der erfolgreiche Jungfernflug. Die MB 150 erreichte noch vor Jahresende 1937 Geschwindigkeiten von 430 km/h. Neben einem vergrößerten Ölkühler erhielt sie im Verlauf der Flugerprobung einen noch stärkeren Gnôme-Rhône-14N21-Doppelsternmotor (1030 PS) und leicht vergrößerte Ruderflächen. 

Unterdessen benötigte Frankreich wegen des drohenden Krieges mit höchster Dringlichkeit binnen Jahresfrist 1000 moderne Jäger. Da man in dieser kurzen Zeit bestenfalls 285 Morane-Saulnier MS 406 produzieren konnte, erging der Auftrag des Luftfahrtministeriums, auch die noch unfertige MB 150 weiterzuentwickeln. Schon Anfang 1938 wurden 25 Vorserienflugzeuge bestellt. Doch die nun entstandene MB 151 mit Gnôme-Rhône 14N11 (870 PS), Erstflug 18. August 1938, litt unter schwer zu beherrschenden Ölkühlermängeln und Stabilitätsproblemen um die Nickachse. Außerdem erwies sich der Jäger als kompliziert zu produzieren.

Neben der MB 151 entstand die MB 152

KL 02-2015 Bloch MB 152 (1) (jpg)

Erst im dritten Anlauf wurde aus der MB 150 und MB 151 der brauchbare Jäger MB 152. Foto und Copyright: KL-Dokumentation  

 

Deshalb wurde parallel die  MB 152 entworfen, die zunächst den Gnôme-Rhône 14N21 mit 1030 PS nutzte. Nach ihrem Erstflug am 15. Dezember 1938 wurde der 14N25 mit 1000 PS als Serienantrieb ausgewählt. Auch die amerikanischen Motoren Twin Wasp und Cyclone waren erwogen und sogar erprobt worden. Anfang 1939 wurden 400 Serienflugzeuge bestellt. Bis Kriegsausbruch waren davon erst 249 fertiggestellt, darunter einige MB 151, aber überwiegend MB 152. Sogleich bestellte die Regierung nochmals 500 MB 152 nach.

Beim Beginn der deutschen Westoffensive hatte die Armée de l´Air 140 MB 151 und 363 MB 152 bei sieben Staffeln im Bestand. Auch die französischen Marineflieger hatten  noch 16 MB 151. Ihre Feuertaufe erlebte die Bloch am 20. April 1940. Damals gelang einer MB 152 der Abschuss einer schon Flak-beschädigten Junkers Ju 88. Immerhin 146 bestätigte Abschüsse deutscher und italienischer Flugzeuge gehen auf die Bloch-Jäger zurück. 

Mit dem Waffenstillstand unter der Vichy-Regierung endete schon im Juni 1940 die Produktion der MB 152 bei Werknummer 699. Nach dem Ende der Kampfhandlungen und nach schweren Verlusten waren nur noch 320 Flugzeuge einsatzbereit. Nur vier MB 151 der Marineflieger hatten sich noch via Korsika nach Algerien absetzen können. 

Ab 1941 wurde statt der MB 152 die Dewoitine D 520 Standardjäger der Vichy-Luftwaffenverbände im besetzten Frankreich. 173 vorhandene MB 152 wurden als Schulflugzeuge der deutschen Luftwaffe aufgebraucht oder in kleiner Zahl an Rumänien abgegeben. Schon 1939 hatte Griechenland als einziger Exportkunde 25 MB 151 bestellt und davon noch neun Flugzeuge erhalten.

Als verbesserte Abwandlung der Bloch MB 152 entstand schließlich noch die MB 155. Sie hatte vergrößerte Rumpftanks, eine glatte Motorhaube und ein leicht zurückgesetztes Cockpit. Bis zum Produktionsende 1940 wurden jedoch nur noch zehn Flugzeuge fertig.

Als verzweifelt benötigter Jäger spielte die Bloch trotz einiger Unzulänglichkeiten, wie der fehlenden Reichweite, eine wichtige Rolle für Frankreich und erreichte beachtliche Kampferfolge. Der robuste, aber insgesamt untermotorisierte Entwurf litt vor allem unter den chaotischen Umständen seiner Entstehungszeit, als Frankreich in großer Hast seine Luftfahrtindustrie auf die Kriegswirtschaft umstellen musste.

Nach dem Krieg flogen nur noch zwei MB 152 übergangsweise beim militärischen Versuchszentrum in Bretigny bei Paris. Eine dieser Zellen blieb noch jahrzehntelang erhalten, wurde jedoch beim Brand eines Lagerhauses in den neunziger Jahren zerstört.

Technische Daten

einmotoriges Jagdflugzeug mit Einziehfahrwerk

Besatzung:
ein Pilot
Antrieb: ein Doppelsternmotor Gnôme-Rhône 14N49 mit 1100 PS Startleistung, Dreiblatt-Verstellluftschraube Chauvière 371
Länge: 9,10 m
Spannweite: 10,54 m
Höhe: 3,03 m
Flügelfläche: 17,32 m²
Höchstgeschw.: 512 km/h in 5500 m Höhe
Steigzeit auf 4000 m Höhe: 6 min 12 s
Reichweite: 540 km in 5000 m Höhe
Bewaffnung: zwei Hispano-Suiza-Maschinenkanonen HS 404, Kal. 20 mm (je 60 Schuss) und zwei MAC-1934-Maschinengewehre, Kal. 7,5 mm (je 300 oder 500 Schuss) in den Flügeln

Klassiker der Luftfahrt Ausgabe 02/2015

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Sebastian Steinke


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