10.11.2016
Klassiker der Luftfahrt

Flugbericht1969: Motorsegler Fournier RF-5 im Test

Schon seit einigen Jahren zeichnet sich ein wachsendes Interesse für den Motorsegler ab, und es war nicht allzu übertrieben, wenn man diesen Flugzeugen eine gute Zukunft voraussagte.

Es gehörte aber Mut und unternehmerischer Weitblick dazu, als Produzent zum richtigen Zeitpunkt ein Programm anzukurbeln, das nicht ohne Risiko direkt zum Serienbau führt. Zweifellos ist dies der Firma Sportavia-Pützer in enger Zusammenarbeit mit Fournier gelungen. Mit der Produktion der Motorsegler RF-3 und RF-4 wurde schon nach relativ kurzer Zeit ein weltweiter; guter Ruf errungen.

Mit der neuen RF-5 wird ein Motorsegler vorgestellt, dessen Konzeption deutlich die guten Erfahrungen mit der RF-4 erkennen läßt. Der mit zur Verfügung gestellte Prototyp besaß noch den von Rectimo zusammengebauten 1,6 I VW-Motor mit 60 PS Startleistung. Es handelte sich um die erste Erprobungsmaschine, so daß für die Serie noch einige Änderungen und Verbesserungen zu erwarten waren. Nach einer gründlichen Erprobung im Jahr 1968 konnte dann im Dezember die erste Serienmaschine aus der Halle gerollt werden. Obwohl auch im Prototyp später ein stärkeres Triebwerk zum Einbau gelangte, mit dem auch ein großer Teil zur Erprobung geflogen wurde, zeigte schon die 60 PS-Ausführung erfolgversprechende Leistungen. Mein Bericht bezieht sich auf die Leistungen dieser Maschine mit 60 PS.

Die RF-5 besitzt einen dreiteiligen Flügel mittlerer Streckung. Da die Außenflügel von der RF-4 übernommen wurden, stand ein erprobtes Teil zur Verfügung, das auch den Serienbau rationeller gestaltet. Um dem immer größer werdenden Platzmangel in den Flugzeughallen zu begegnen und gleichzeitig den eigenen Platzbedarf (Kosten) zu verringern, sind die Außenflügel faltbar wie bei Trägerflugzeugen; so daß nur noch 8,74 m Spannweite übrig bleiben. 

Der Unterstellbedarf für ein Holzflugzeug ist leider unumgänglich. Der Vorgang des Anklappens der Flügel ist die Arbeit von 1 bis 2 Minuten: nach Abnehmen der Schlitzverkleidung wird eine Bolzenmechanik entriegelt und der Außenflügel umgeklappt, bis er auf dem Innenflügel aufliegt. Der Querruderanschluß bleibt durch eine gut durchdachte und sehr zuverlässige Schwenkmechanik voll erhalten. Umgekehrt ist nach Zurückschwenken der Außenflügel und Einrasten der Bolzen die Flugbereitschaft sofort wieder hergestellt. Durch die Schlitzverkleidung ist die Bolzenmechanik zusätzlich gesichert. Der Flügel selbst hat konventionellen Aufbau mit einem Kastenholm und einer torsionssteifen Sperrholznase. Auch der Aufbau des Rumpfes ist durch Auslegung als Sperrholzschale einfach. Bei dem ganzen Aufbau des Flugzeuges wurde ein Weg beschritten, der schon der RF-4 großen Erfolg gebracht hat: unkomplizierter Aufbau der ganzen Zelle trotz Klappflügel und Verwendung eines vom VW-Motor abgeleiteten Triebwerks.


WEITER ZU SEITE 2: Motor und Erprobung

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |     
Mehr zum Thema:
msz/as
Jetzt Fan werden! Newsletter abonnieren - Kostenlos direkt in Ihre Mailbox


Weitere interessante Inhalte
Zwischen Motorflugzeug und Motorsegler Historischer Test: Fournier RF-7

04.11.2017 - Im Jahr 1970 flog Dieter Schmitt den Prototyp der Fournier RF-7. Wir veröffentlichen seinen Report über ein wegweisendes Flugzeug, das die Nische zwischen Motorsegler und leichtem Motorflugzeug füllen … weiter

Fotodokumente 2. Internationaler Luftfahrtsalon Brüssel 1939

02.11.2017 - Zur letzten internationalen Messe vor dem Kriegsausbruch traf sich die Luftfahrtindustrie vom 8. bis 23. Juli 1939 in der Jahrhunderthalle des ehemaligen Brüsseler Weltausstellungsgeländes. … weiter

Fieseler Fi 156 Storch Jerry Yagens Storch hat neuen Eigentümer

14.10.2014 - Der Fieseler Storch aus Jerry Yagens Military Aviation Museum in Virginia Beach fliegt jetzt in Minnesota. Bei dem Oldtimer handelt es sich um eine französische Version des legendären deutschen … weiter

Fotodokumente Japans Angstgegner - American Volunteer Group „Flying Tigers“

22.11.2017 - Ausgerüstet mit anfangs nur 99 Curtiss P-40 Tomahawk, stärkten die „Flying Tigers“ 1941/42 China im Kampf gegen Japan den Rücken. … weiter

Fliegende Festung Boeing B-17

22.11.2017 - Nur noch wenige Boeing B-17, auch "Flying Fortress" genannt, sind flugfähig: Etwa 50 Stück der fliegenden Festung sollen weltweit erhalten geblieben sein, die meisten als Museumsstücke am Boden. Nur … weiter


Klassiker der Luftfahrt 08/2017

Klassiker der Luftfahrt
08/2017
09.10.2017

Abonnements
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Iljuschin Il-2: Vom See in den Himmel
- Etappenflug mit der Caspar C 32 „Germania“
- Flugboot: Kawanishi H8K „Emily“
- Rundflüge: Aus dem Leben eines Barnstormers
- Gefechtsbericht: Begegnung mit der Do 335.44