09.12.2013
Klassiker der Luftfahrt

Bild der Woche KW 50/2013Rhein-Flugzeugbau RFB-114 (X-114)

Kein geringerer als Prof. Alexander Lippisch, der „Erfinder“ des Deltaflügels und des ersten in Serie produzierten Raketenflugzeugs der Welt, der Me 163, steht auch als geistiger Kopf hinter dem Stauflügelgerät RFB-114.

BdW 10-08 X-114

Im April 1977 flog die X-114 zum ersten Mal. Foto: Klassiker der Luftfahrt  

 

Die Idee, im Bodeneffekt auf einer Art Luftpolster widerstandsarm durch die Luft zu gleiten, stammt eigentlich schon aus den 20er Jahren. Prof. Lippisch entwickelte sie weiter und setzte sie als Leiter des hydrodynamischen Labors der amerikanischen Elektronikfirma Collins in ein praktikables Versuchsgerät um, die X-112, die erstmals 1963 flog. Mit einem nur 25 PS leistenden Motor, erreichte die zweisitzige X-112 im Bodeneffektflug schon 125 km/h. In Deutschland baute Lippisch danach gemeinsam mit der Rhein-Flugzeugbau im Rahmen eines Forschungsauftrags die X-113, ein ebenfalls zweisitziges Airfoil, das in modernster Faserverbundbauweise entstand und im Oktober 1970 erstmals am Bodensee erprobt wurde.

Airfoil-Geräte nutzen den Bodeneffekt durch ihre besondere von Prof. Lippisch entwickelte Form: Ein umgekehrter Deltaflügel mit negativer V-Form überspannt einen Hohlraum, in dem die einströmende Luft beim Flug in Nähe der Wasser- oder Bodenoberfläche ein Luftpolster bildet, das den Widerstand mindert und das Gerät in der Höhe automatisch stabilisiert.

Die X-114 auf unserem Bild der Woche, in Papieren von RFB auch als RFB-114 bezeichnet, entstand Mitte der 70er Jahre im Auftrag des BMVg. Sie war sechssitzig und für etwas rauere Bedingungen, wie sie in der Ostsee auftreten können, ausgelegt. Als Antrieb diente ein 200 PS starker Lycoming-Motor. Erstmals flog die X-114 im April 1977. Ihre maximale Flugdauer betrug etwa 20 Stunden bei einer Reichweite von über 2000 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit im Bodeneffektflug betrug 200 km/h, bei ökonomischer Reiseleistung 150 km/h. Durch ihr amphibisches Fahrwerk konnte sie sowohl vom Wasser als auch vom Land aus eingesetzt werden. Während der Erprobung durch die WTD 61 bewährte sich das Gerät zunächst gut. Die X-114 konnte dabei auch aus dem Bodeneffekt heraus wie ein normales Flugzeug auf größere Höhen steigen. Während eines Testflugs, bei dem das Verhalten bei symmetrischen und unsymmetrischen Wasserberührungen untersucht werden sollte, unterschnitt einer der Schwimmkörper eine Welle. Dabei wurde das Gerät zerstört.

Trotz ihrer hohen Wirtschaftlichkeit hatte das BMVg danach kein Interesse an einer Weiterführung der Airfoiltechnik. Hanno Fischer, ehemals Technischer Direktor von RFB, entwickelte jedoch mit seinen Unternehmen Fischer Flugmechanik und AFD weitere Airfoils und als weiteren Schritt in der jüngeren Vergangenheit sogenannte Hoverwings, die mit einer besonderen Technik weniger Leistung benötigen sollen, um sich aus dem Wasser zu erheben. Die größten Bodeneffektfahrzeuge bis hin zu Riesentransportern wurden bisher in Russland entwickelt.

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hm
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